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Mordversuch mit Zehn-Kilo-Stein

Gericht besichtigt Tatort auf Supermarkt-Parkplatz Mordversuch mit Zehn-Kilo-Stein

Im Prozess um einen versuchten Mord mit einem fast zehn Kilo schweren Stein hat sich das Landgericht Göttingen am Mittwoch einen Eindruck von dem Tatort verschafft. Bei dem Ortstermin auf dem Parkplatz vor einem Supermarkt stellte die als Nebenklägerin auftretende Ex-Freundin des Angeklagten ihr Auto genau dorthin, wo sie am Tatmorgen eingeparkt hatte.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Sie benutze stets entweder diesen oder den benachbarten Mitarbeiterparkplatz, sagte die 27-Jährige. Die Staatsanwaltschaft wirft ihrem in Untersuchungshaft sitzenden Ex-Freund vor, Anfang November einen fast zehn Kilo schweren Stein von einer 3,50 Meter hohen Böschung auf den Parkplatz heruntergeworfen zu haben, als sie gerade ausgestiegen war. Der Angeklagte habe die 27-Jährige töten wollen, weil diese sich von ihm getrennt hatte und eine neue Beziehung eingegangen war.

Laut Anklage hatte der 29-Jährige im Dunkeln allerdings nicht gesehen, dass seine Ex-Freundin – anders als von ihm erwartet – auf der Fahrerseite und nicht auf der Beifahrerseite des Pkw ausgestiegen war. Dort stand stattdessen eine Kollegin der 27-Jährigen. Der Stein verfehlte sie nur knapp und schlug direkt neben ihr auf der Beifahrerseite des Pkw ein.

Bei dem Ortstermin testeten die Prozessbeteiligten, wie exakt man von dem mutmaßlichen Abwurfort auf der Böschung zielen kann und welche Wucht ein solches Wurfgeschoss hat. Ermittler der Polizei hatten hierzu drei ähnlich schwere Steine herbeigeschafft. Der Vorsitzende Richter Ralf Günther erreichte bei dem Selbstversuch die größte Zielgenauigkeit: Er traf mit dem Stein genau den markierten Punkt auf dem Parkplatz.
Die Ermittler hatten damals auf der Böschung eine Stelle entdeckt, wo das Gras niedergedrückt war.

Sie vermuten deshalb, dass der Täter dort gestanden hatte. In der Nähe fanden sie außerdem eine Reihe mit Steinen. An einer Stelle habe ein Stein gefehlt, berichtete einer der Polizeibeamten, die als Zeugen geladen waren. Bei ihren Ermittlungen setzten die Fahnder auch einen Mantrailer-Hund ein. Der speziell ausgebildete Spürhund lief von der mutmaßlichen Abwurfstelle an der Böschung einige Straßen weiter bis zur Wohnadresse des Angeklagten.

Der 29-Jährige war frühzeitig in Verdacht geraten, weil bereits mehrere Ermittlungsverfahren gegen ihn liefen. Seine Ex-Freundin hatte ihn angezeigt, weil er sie wiederholt massiv bedrängt, verfolgt und bedroht haben soll. Der Angeklagte wurde kurz nach der Tat festgenommen. In dem von ihm benutzten Firmenauto fanden die Ermittler unter anderem eine Motorradsturmhaube, Überzieher für Schuhe sowie einen Ziegelstein, der in ein Handtuch eingewickelt war. Der Prozess wird Mitte Juni fortgesetzt. nie

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