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„Es ist eine absolute Katastrophe“

Mostobst knapp im Landkreis Göttingen „Es ist eine absolute Katastrophe“

Der Frost im Frühjahr hat die Apfelblüte schwer getroffen. Die kleinen Mosterein in der Region suchen nun Obst.

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Warten auf einige Kilo Äpfel: Marco Ott (rechts), Inhaber von Ott’s Kelterei in Gieboldehausen, nimmt die Lieferung von Maria und Herbert Keisenberg aus Seeburg entgegen.

Quelle: Christoph Mischke

Duderstadt/Göttingen. Vielerorts in Deutschland habe der Frost zur Blütezeit in diesem Jahr die Ernte vereitelt, so auch im Göttinger Land, teilt der Landschaftspflegeverband Göttingen (LPV) mit. Umso dringlicher suchen kleine Mostereien der Region nach Obst und freuen sich über jeden einzelnen Zulieferer.

„Wer Äpfel oder Birnen an den Bäumen hat, kann sich glücklich schätzen“, sagt Anna Goldhagen, Sprecherin vom LPV Göttingen. Die Apfelsaison hat begonnen und die kleinen regionalen Mostereien suchen noch dringend nach Anlieferern. Der LPV unterstützt sie dabei. „Wir vermitteln die, die etwas haben, an die, die etwas brauchen“, erklärt Goldhagen. Der LPV bringt Hobbymoster mit kleineren Mostereien zusammen, die Bäume zum Abernten suchen, Obst ankaufen, Äpfel gegen Saft in Flaschen tauschen oder direkt das mitgebrachte Obst des Anlieferers in sogenannte „Bag-in-Boxen“ abfüllen.

Die Natursaftkelterei Ott aus Gieboldehausen muss in diesem Jahr erstmalig Obst ankaufen und ist von der Knappheit des Mostobstes in Göttingen deutlich betroffen. Normalerweise bietet das Unternehmen von Marco Ott an, eigenes Obst gegen Saftflaschen zu tauschen. Anlieferer können ihr Obst nun auch an das Unternehmen verkaufen. Für 100 Kilogramm Äpfel gibt es 14 Euro.

„Uns gibt es seit drei Jahren und dieses Jahr ist die Ernte wirklich mau“, sagt Geschäftsführer und Inhaber Marco Ott. „Sonst haben wir an drei Tagen in der Woche Obst angenommen. Nun mussten wir einen Tag dranhängen“, klagt Ott. Montags, dienstags, donnerstags und sonnabends nimmt die Natursaftkelterei Ott von 14 bis 18 Uhr Obst an. Die Kelterei erntet schon selbst auf Flächen in Gieboldehausen, um dem Problem entgegenzuwirken. 50 Kilogramm Äpfel können momentan noch zu einem reduzierten Preis in 40 Flaschen gepresst werden. „Es ist aber gut möglich, dass wir die Preise für Apfelsaft moderat anheben müssen“, sagt Ott. Er sei jedoch dankbar, wenn die Leute ihr Obst auf keinen Fall umkommen ließen.

Das sieht Max-Henning Lücke vom Naturkost- und Futtermittelfachgeschäft Obermühle aus Rosdorf genauso. Sein Unternehmen nimmt Äpfel für unterschiedliche Mostereien an, darunter auch die Natursaftkelterei Ott. „Es ist eine absolute Katastrophe“, sagt Lücke. Es gebe in diesem Jahr einfach keine Äpfel, nicht nur im Landkreis Göttingen. „Wir haben am 11. September angefangen, Äpfel anzunehmen. Normalerweise nehmen wir in der Woche 2,5 bis 3 Tonnen Äpfel an. Diese Massen haben wir in diesem Jahr erst nach zwei Wochen erreicht“, meint Lücke.

Er bestätigt, dass Firmen nun teilweise Äpfel zukaufen müssen. Wenn der Zukauf im nächsten Jahr zu groß ist, vermutet Lücke, dass sich die Preise für die Saftflaschen erhöhen werden.

Das Mostobst-Problem liege nach Lückes Ansicht aber nicht nur an Hagel und Frost, sondern auch daran, dass die jüngeren Leute kein Interesse daran hätten, sich in den Garten zu stellen und Äpfel aufzusammeln. „Unsere Kunden sind entweder Ältere oder Familien mit kleinen Kindern“, sagt Lücke. Jeder Apfel, der vom Baum falle, sei reif und könne in eine Mosterei oder Annahmestelle gebracht werden, appelliert er.

„Wir freuen uns über jeden Apfel, der genutzt wird“, sagt auch Goldhagen. Der LPV biete Hilfe bei der Pflege von Streuobstwiesen an. „Obstbäume sind wertvolle Biotope und artenreiche Lebensräume“, meint Goldhagen. Wer keine Zeit oder keine Lust hat, das Obst selbst zu ernten und aufzusammeln, kann seinen Bestand ab zehn Bäumen auch beim LPV Göttingen melden. Weitere Informationen gibt es bei Anna Goldhagen vom LPV Göttingen unter Telefon 0551 / 5313708 oder per E-Mail an lpv@lpv-goettingen.de.

Von Kimberly Fiebig

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