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„Die ersten Fahrten sind ziemlich zäh“

Motorradrennfahrer Christoph Pudlo „Die ersten Fahrten sind ziemlich zäh“

Die Motorradsaison ist eröffnet – auf deutschen Rennstrecken und Straßen. Wer auf zwei Rädern sicher durchstarten möchte, sollte sich und sein Motorrad gut vorbereiten. Wie steht es bei Renn- und Hobbyfahrern mit der körperlichen Fitness? Und wie können die Maschinen straßentauglich gemacht werden? Tipps von Motorradprofis.

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Christoph Pudlo ist Göttingens erfolgreichster Rennfahrer. Mit seiner Rennmaschine ist er allerdings nicht auf den Straßen der Region unterwegs.

Quelle: EF

Göttingen. Am liebsten fährt er auf dem TT Circuit im niederländischen Assen. Doch auch in der Region gibt es Strecken, die Christoph Pudlo reizen würden. Der „Kampfschlumpf“ ist Göttingens erfolgreichster Rennfahrer und tritt mit dem „HMC Racing Team powered by Sparkasse Göttingen“ beim DLC-Langstreckencup an. Auf der Landstraße ist Pudlo mit seinem 1000-Kubikzentimeter-Boliden allerdings nicht unterwegs.

Info

Als Instrukteur unterstützt Pudlo Motorradfahrer, die erste Erfahrungen im Rennsport sammeln möchten. Informationen darüber und über seine Rennen gibt es im Internet.

„Meine BMW hat keine Straßenreifen und kein Licht. Auf der Rennstrecke haben wir außerdem große Auslaufzonen, Leitplanken und Gegenverkehr gibt es hingegen nicht. Ich möchte einfach nichts riskieren“, erklärt der 28-Jährige, den das Rennfieber seit acht Jahren gepackt hat. Nach Ablauf seiner aktiven Karriere könne er sich jedoch gut vorstellen, „einen ruhigen Stiefel“ über Göttingens Landstraßen zu fahren. „Es gibt hier attraktive Routen, die sich für Hobbyfahrer anbieten“, sagt Pudlo. „Bei den Schedener Kurven lässt sich gut fahren, wenngleich man dort ein wenig aufpassen muss. Zudem ist das Gebiet rund um Hemeln bis zur Fähre sehr schön. Und natürlich der Harz, speziell Netzkater und Torfhaus.“

 
Für bedenklich hält es Pudlo, wenn ambitionierte Hobbypiloten ein zu hohes Risiko eingehen – angefangen bei der Kleidung. „Helm, Lederausrüstung und Handschuhe sollten immer dabei sein. Auf der Rennstrecke habe ich aufgrund der Schutzkleidung nach einem Sturz bei 170 Stundenkilometern lediglich eine Brandblase am Ellbogen davongetragen. Wer im Sommer mit kurzer Hose und Latschen unterwegs ist, riskiert aber schon bei 40 Stundenkilometern schwere Verletzungen“, warnt der erfahrene Racer, der bei Volkswagen in Wolfsburg im Konzerneinkauf arbeitet.

 
Der Unterschied zwischen Renn- und Hobbyfahrern sei schnell ausgemacht, so Pudlo: „Auf der Landstraße stehen Natur, Umgebung und der Genuss des Motorradfahrens im Vordergrund. Auf der Piste sind wir dagegen am Limit der physikalischen Eigenschaften unterwegs.“ Gemeinsamkeiten gebe es aber auch: „Die ersten Fahrten nach der Winterpause sind ziemlich zäh. Das geht mir genauso“, bemerkt er und klagt über den Muskelkater, mit dem er sich gerade beim Trainingslager im französischen Pau Arnos herumquält.

 
Gemeinsam mit seinen Teamkollegen Mario Mantai und Thorsten Hohnemann fährt Pudlo in dieser Saison auf Rennstrecken in Deutschland, Tschechien und der Niederlande um die Langstrecken-Meisterschaft. Ein Rennen kann bis zu 1000 Kilometer lang sein und acht Stunden dauern. Saisonstart ist am Ostersonnabend auf dem Hockenheim-Ring. Pudlos Ziel: „Wir wollen mehrfach aufs Podest, ein Laufsieg wäre das I-Tüpfelchen.“

Vorsicht, Unfallgefahr

Sein Testament abzuschließen, ist zwar keine zwingende Voraussetzung vor dem Start in die Motorradsaison, zu schwerwiegenden Unfällen kommt es allerdings immer wieder. Im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Göttingen haben sich 2015 drei Strecken aus dem normalen Unfallgeschehen mit Motorradfahrern abgehoben:

  •  Bundesstraße 3, Schedener Kurven
  •  Bundesstraße 446, die sogenannte „Hölle“ zwischen Ebergötzen und Nörten-Hardenberg
  •  Landesstraße 530 zwischen Duderstadt und Hilkerode, auf Höhe Breitenberg.

Die Polizeiinspektion Northeim/Osterode hat laut Verkehrssachbearbeiter Peter Schiep ebenfalls drei Strecken besonders im Auge:

  •  Europastraße 242 von Bad Grund nach Clausthal-Zellerfeld
  •  Bundesstraße 498 von Osterode vorbei am Söse-Stausee in den Oberharz
  •  Bundesstraße 27 von Bad Lauterberg in Richtung Oder-Stausee und Braunlage

Noch „kein Kopfzerbrechen“ bereitet den Beamten die für Motorradfahrer attraktive Bundesstraße 241 durch den Solling, sagt Schiep. „Wir haben sie aber im Visier.“ fab

Technik prüfen und Kopf einschalten

Dennis Kirstein checkt sein Motorrad für die Saison.

Dennis Kirstein checkt sein Motorrad für die Saison.

Quelle: Pförtner

Die Saison ist eröffnet, doch die erste Ausfahrt mit dem Motorrad muss warten. Zumindest ein paar Minuten. Bevor die Maschine aus dem Schuppen gerollt wird, sollte eine Inspektion erfolgen. Dennis Kirstein, KfZ-Mechatroniker beim Autohaus Peter und leidenschaftlicher Biker, erklärt, was beachtet werden muss.

  • Reifendruck überprüfen: „Ganz wichtig“, sagt Kirstein. Ist der Reifen zu stark aufgepumpt, bläst er sich auf wie ein Ballon. „Dann hat man weniger Auflagefläche auf der Straße, was sehr gefährlich werden kann.“ Hat er zu wenig Luft, beginnt das Motorrad schneller zu rutschen – ebenfalls nicht ungefährlich. Zwar gebe es je nach Fahrer und Maschine einen „Wohlfühldruck“, der sollte sich aber zwischen 1,4 und 2,5 bar bewegen, erklärt der 20-jährige Bischhausener.
  • Kettenspannung und -schmierung : Die vorgeschriebene Kettenspannung, auch Kettendurchhang genannt, unterscheidet sich je nach Hersteller und Modell. Meistens liegt sie im Bereich 20 bis 40 sowie 30 bis 50 Millimeter und sollte zum Saisonstart ebenfalls überprüft werden. Die Antriebskette ist eines der am heftigsten beanspruchten Bauteile. Mit speziellen Fetten sollte die Kette gut alle 1000 Kilometer geölt werden. Die durchschnittliche Lebensdauer liegt bei ungefähr 20 000 Kilometern. „Beim Fetten muss man aufpassen, dass kein Sprühfett auf die Reifenprofilfläche gelangt, da das zu verheerenden Unfällen führen kann“, betont Kirstein.
  • Motorölstand und Batterieladung überwachen: selbsterklärend.
  • Kühlflüssigkeit erneuern: „Einige Fahrer kippen zusätzlich Frostschutzmittel in den Kühler. Otto-Normal-Fahrer müssen das aber nicht, da sie ohnehin nicht bei Frost fahren“, merkt der KfZ-Mechatroniker an.
  • Beleuchtung kontrollieren: „Da Motorradfahrer schlecht gesehen werden, sollte keinesfalls riskiert werden, mit kaputten Leuchten unterwegs zu sein“, warnt Kirstein.
  • Kopf einschalten: Unfälle können mit der sichersten und neusten Maschine passieren. Experte Kirsten mahnt: „Bei der ersten Ausfahrt auf keinen Fall die Grenzen austesten, sondern sich zunächst langsam wieder herantasten. Wenn das alles passt, kann man vernünftig in die Saison starten.“

 

Trotz Sicherheitsdenken darf Spaß nicht verlorengehen

Nachgefragt... bei Georg „Schorsi“ Günther (links), 53 Jahre alt und seit seinem 16. Lebensjahr Motorradfahrer. Der Hetjershäuser ist seit 2010 anerkannter Rennstrecken-Instruktor und war im Motorrennsport lange in der Deutschen Seriensport-Meisterschaft aktiv. Aktuell fährt er auf seiner 750er Suzuki die „GSX-R-Challenge“. Günther ist verheiratet und hat vier erwachsene Töchter, er ist Inhaber von Günthers Küche aktiv Göttingen.

Nachgefragt... bei Georg „Schorsi“ Günther (links), 53 Jahre alt und seit seinem 16. Lebensjahr Motorradfahrer. Der Hetjershäuser ist seit 2010 anerkannter Rennstrecken-Instruktor und war im Motorrennsport lange in der Deutschen Seriensport-Meisterschaft aktiv. Aktuell fährt er auf seiner 750er Suzuki die „GSX-R-Challenge“. Günther ist verheiratet und hat vier erwachsene Töchter, er ist Inhaber von Günthers Küche aktiv Göttingen.

Quelle: EF

Was sollten Motorradfahrer bei ihrer ersten Tour nach dem Winter unbedingt beachten?
Motorradfahrer müssen sowohl in ihre passive als auch aktive Sicherheit investieren. Das heißt: Sie müssen wieder trainieren, um die Maschine zu beherrschen und sich an die starken Beschleunigungs- und Bremskräfte zu gewöhnen. Und natürlich an die Schräglage. Der Mensch ist auf maximal 20 Grad Schräglage programmiert. Das entspricht der Lage, die ein Neandertaler auf nassem Gras gehen konnte ohne umzufallen. Da hat sich in Sachen Evolution nichts geändert. Motorradfahrer erreichen deutlich mehr Schräglage, das muss trainiert werden. 

 
Und in puncto passiver Sicherheit?
Adäquate hochwertige Kleidung ist essenziell. Handschuhe, Stiefel und eine vernünftige Lederkombi mit Protektoren sollten Standard sein. Am besten mit Rücken- und  Brustprotektoren. Es gibt auch Airbag-Westen auf dem Markt, die sich etabliert haben. 

 
Warum passieren gerade zu Beginn der Saison so viele Unfälle?
Weil sich Fahrer überschätzen. Dabei gilt: Meine Hausstrecke kann und darf ich zu Saisonbeginn nicht so fahren wie auf der letzten Fahrt zum Saisonende. Generell gilt: Auf der Straße kann man nur rasen und nicht sportlich schnell fahren. Wer das will, muss auf die Rennstrecke. 

 
Gibt es Klassiker bei Unfällen?
Ja, viele sind selbstverursacht, weil falsch beschleunigt oder gebremst worden ist. Viele Unfälle passieren in Kurven, weil Fehler beim Kurvenfahren passieren, viele resultieren aus der beschriebenen Schräglage-Problematik. Selbstüberschätzung und Imponiergehabe gehören leider zu den klassischen Unfallgründen. Und dann gibt es die nicht selbstverursachten Unfälle.

 
Hier kommen die Autofahrer ins Spiel. Was können sie machen?
Autofahrer müssen sich erst wieder an die Motorräder im Verkehr gewöhnen. Motorräder sind einspurige Verkehrsteilnehmer und werden trotz Abblendlicht leicht übersehen. Zudem gibt es über den Winter viele Fahranfänger, die Straßenverkehr mit Motorrädern nicht kennen. Oft erschrecken sich viele und machen Fahrfehler, weil sie von einem lauten Motorrad überholt werden. 

 
Welchen Anteil an Unfällen haben die Straßen?
Das ist gerade hier in Südniedersachsen, dem Weserbergland und dem Westharz ein Problem. Die Straßen gelten nicht als die besten. In den ersten Wochen nach dem Winter muss aber unbedingt mit verbliebenem Rollsplitt und mit noch nicht reparierten Straßenschäden gerechnet werden. 

 
Empfehlen Sie Fahrtrainings oder Auffrischungseinheiten?
Unbedingt. Der ADAC bietet diese an und es gibt auch andere gute private Anbieter. Ein gutes Training kostet etwa 180 Euro am Tag. Das sollte sich ein Motorradfahrer seine Sicherheit kosten lassen. Eines ist klar: Sicherheit gibt es nur auf der Rennstrecke. Hier gibt es Auslaufzonen, überwachte Strecken und keinen Gegenverkehr. Wenn ich im Straßenverkehr teilnehme, muss ich versuchen, mit meinem Motorrad auch alle Unwägbarkeiten einzukalkulieren. Eine doppelte Sicherheitsreserve kann da schnell überlebensnotwendig werden. Bei allem Sicherheitsdenken sollte aber der Spaß am Motorradfahren nicht verloren gehen.
 Interview: Mark Bambey

Kennzeichen für die Saison

  • Nutzen : Wenn der Fahrzeughalter seine Maschine nicht das ganze Jahr zulassen möchte, spart er mit einem Saisonkennzeichen Zeit und Kosten, weil er nicht zweimal zur KfZ-Zulassungsbehörde muss.
  • Gültigkeit : Ist auf einen expliziten Zeitraum beschränkt.
  • Beschriftung : Auf der rechten Seite des Kennzeichens wird der Zulassungszeitraum angezeigt. Ein Wunschkennzeichen ist möglich.
  • Versicherung : Durch die verkürzte Zulassungsdauer lassen sich üblicherweise deutlich verbesserte Konditionen erzielen. Der Versicherungsschutz verfällt mit Saisonende.
  • Beantragung : Ist bei jeder KfZ-Zulassungsstelle möglich.
  • Saisonzeitraum : Änderungen des Gültigkeitszeitraums erfordern eine neue Versicherungsbestätigung und neue Kennzeichen.
  • Nach Ablauf : sind Fahrten verboten. Selbst das Parken mit abgelaufenem Kennzeichen kann ein Bußgeld zur Folge haben. fab
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