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Mountainbiker und Fußgänger vertreiben Wildkatze und Co.

Grünbrücke Mountainbiker und Fußgänger vertreiben Wildkatze und Co.

Die neue Grünbrücke über die B27 zwischen Roringen und Waake funktioniert: Fachleute registrieren immer mehr Wildtiere, die die viel befahrene Bundesstraße an dieser Stelle überqueren.

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Wird gern von Moutainbikern, aber bisher kaum von Wildkatzen benutzt: Grünbrücke über der B 27 zwischen Roringen und Waake.

Quelle: Hinzmann

Roringen/Waake. Noch häufiger wird sie aber von Menschen genutzt, obwohl die Brücke für sie Tabu ist. Vor allem Fahrradfahrer bereiten den Betreuern des Projektes Sorgen: „Das ist sehr schade“, sagt Helge Wolf, Diplomingenieur für Landespflege bei der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. „Wenn die Tiere Menschen riechen, ist erst mal ein bis zwei Stunden Stille, dann bleiben sie weg.“

Seit zwei Jahre ist die oft als „teure Wildkatzenbrücke“ verschmähte Grünbrücke fertig, „auch die Vegetation entwickeln sich gut“, so Wolf. Die 50 Meter breite und etwa 2,6 Millionen Euro teure Brücke soll Wildtiere aller Art gefahrlos über Straße leiten. Das sie funktioniert, belege ein intensives Monitoring von Fachleuten an der Uni Göttingen. Ihre Jahresbilanz für 2014 – trotz noch fehlender Leitzäune: 132 Rehe, 26 Wildschweine, zehn Hasen, fünf Füchse, fünf Waschbären, zwei Steinmarder, eine Wildkatze und jeweils ein Eichhörnchen und Dachs – zusammen 192. Darüber hinaus seien 12 Fledermausarten, die sich oft an Leitstrukturen wie einen Waldrand orientieren und Straßen meiden, sowie elf Tagfalterarten erfasst worden.

Mit Kameras seien aber auch 285 Fußgänger und 283 Mountainbiker registriert worden – also mehr als die erfassten Säugetiere. Die Mountainbiker kämen oft nachts, teilweise in Gruppen mit bis zu sechs Fahrern und hellen Strahlern am Helm. „Das ist sehr kontraproduktiv“, sagt Wolf. In der Dämmerung seien auch die Tiere unterwegs und würden vertrieben. Es gebe zwar Schilder mit dem Hinweis „Betreten verboten“, die würden aber oft ignoriert. Erfasst werden die Nutzer der Brücke mit verschiedenen Methoden, erklärt Wolf: Neben Kameras gibt es ein drei Meter breites Spuren-Bett aus Sand. Falter werden in speziellen Fallen gefangen, Fledermäuse mit Detektoren erfasst. Und Wildkatzen hinterlassen ihre Haare an Lockstäben mit einem besonderen Duft - bei einer Untersuchung 2012 waren es neun im Umfeld der Brücke. Mit den Kameras erfasst wurde im vergangene Jahr nur eine.

Ganz fertig ist das Projekt Grünbrücke noch nicht: Richtung Osten müssen an der B27 noch Leitzäune aufgestellt werden, die die Tiere wie eine Art Trichter zur Brücke führen.

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