Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Pferdestärken und Brauwasser

Mühlenführung in Weende Pferdestärken und Brauwasser

Die Weende als Lebensader einer 1050 Jahre alten Ortschaft: Eine Mühlenführung hat am Sonntag Einblicke in die Geschichte Weendes und die Bedeutung eines Gewässers, das heute kaum mehr als ein Bächlein ist, geboten.

Voriger Artikel
Bauarbeiten im Heidkopftunnel
Nächster Artikel
GöVB: Takt der Linie 23 verdoppelt

Die Weende fließt schnell genug, um Mühlräder zu betreiben, berichtet Hans Otto Arnold
(kleines Foto) - ein Standortvorteil für den Ortsteil.

Quelle: Alciro Theodoro da Silva

Weende. Das war nicht immer so: Bevor die Stadt Göttingen begann, aus der Weende-Quelle Trinkwasser zu entnehmen, führte der Weende-Kanal nach den Worten von Hans Otto Arnold deutlich mehr Wasser. Und so war die Weende dem Vorsitzenden des heimatkundlichen Fördervereins zufolge vor allem eines: der Antrieb von Wassermühlen. Vor der Erfindung der Dampfmaschine konnte so beispielsweise Korn gemahlen, Stoff gewalkt oder Öl aus Leinsamen gepresst werden. Seit den 1960er-Jahren steht keine der Mühlen mehr, einige Gebäude sind Industriegebieten gewichen, andere zu Wohnhäusern umfunktioniert worden.

So wie die einstige Mittelmühle, die zum Mühlen- und Bäckereibetrieb „Schulze und Meinholz“ gehörte. Dank rund drei Metern Gefälle entsprach die Kraft des Wasserrads rund sechs bis sieben Pferdestärken. „Das reichte für einen Industriebetrieb“, erklärte Arnold den gut 30 Teilnehmern der Führung, die anlässlich der diesjährigen Feierlichkeiten zu 1050 Jahre Weende angeboten wurde.

Wann der künstliche Weende-Kanal angelegt wurde, ist bis heute unklar. Aber bekannt ist, dass es sechs Mühlen in Weende gab - die teils auch von weiter weg beliefert wurden, weil die Weende zu jeder Jahreszeit Wasser führt. So wurde schon Anfang des 17. Jahrhunderts nahe der Weende-Quelle Papier hergestellt, zwischenzeitlich betrieb auch das Kloster zwei Mühlen. Außerdem gab es eine Pulvermühle, wo Schießpulver hergestellt wurde - „bewusst etwas außerhalb des Dorfes“, erklärte Arnoldt angesichts des Explosionsrisikos.

Trotz allem war die Weende nicht nur für die Mühlen wichtig: Arnold vermutet, dass die Frischwasserquellen schon bei der Besiedelung der Region vor rund 7000 Jahren eine Rolle gespielt haben könnten. Und auch Ende des 19. Jahrhunderts erlebte das Weender Wasser einen Bedeutungszuwachs, als sich an der Quelle eine Vereinsbrauerei ansiedelte. „Gambrinus“ hieß das dort gebraute Bier. Die Brauerei ging in den 1920er-Jahren Pleite.

Für einige war die Pleite ein Glücksfall: Die alten Gemäuer entlang der malerischen Quelle dienten in den 1950er-Jahren als Spielplatz: „Für uns Kinder war das das Paradies“, erzählte Marianne Speidel während des Besuchs des heute meist abgezäunten Wasserwerks. Zumindest im unteren Verlauf der Weende könnte das bald wieder Realität werden: Dort ist nach Angaben von Arnold, der auch stellvertretender Ortsbürgermeister ist, eine Renaturierung geplant.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Schauspieler-Casting im Göttinger „Kauf Park“