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Müllers Mühle: Mühlentag in der Region Göttingen

Thema des Tages Müllers Mühle: Mühlentag in der Region Göttingen

Am Pfingtmontag, 25. Mai, ist Mühlentag. Auch in der Region öffenen viele historische Mühlen ihre Türen für Besucher. Mühlen gelten als die ältesten Kraftmaschinen der Menschheit, manche sind noch heute in Betrieb. Seit 1994 wird dieser Tag von der Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung organisiert.

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Die Mahlstühle aus den 50er-Jahren sind funktionstüchtig: Müller Constantinescu und Inhaber Lücke in der Obermühle Rosdorf.

Quelle: Hinzmann

Rosdorf. Im Jahr 1308 ist die Obermühle in Rosdorf erstmals erwähnt worden, noch immer ist sie in Betrieb. „Heute mahlen wir aber nur noch Schrot“, sagt Max-Henning Lücke, der die Obermühle Rosdorf heute führt. Neben dem Getreide ist längst der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten, biologischen und regionalen Lebensmitteln, Tierfutter oder Reitsportbedarf Bestandteil des Betriebs.

 
Dennoch sind die so genannten Mahl- oder Walzenstühle aus den 1950er-Jahren voll funktionstüchtig. „Ich bin im Jahr 2001 bei meinem Vater ins Geschäft eingestiegen“, sagt der 36-Jährige Mühlenbesitzer. „Seitdem war an den Mahlstühlen nichts zu reparieren. „Hier und da mal etwas Öl, mal einen Antriebsriemen austauschen, das sei es dann auch schon gewesen. Lückes Schrot-und-Kornprodukte finden unter anderem bei regionalen Bäckern und in den Küchen Göttinger Spitzengastronomen  Absatz. „Dinkel, Weizen, Roggen, eigentlich alles“ wird in der Obermühle geschrotet. Staubfeines, so genanntes Auszugsmehl, wie es im Supermarktregal steht, stellt Lücke nicht mehr her. Die vielen Aussiebvorgänge machen diese Arbeit im kleinen Stil nicht mehr rentabel. „Wir können hier in einem Monat 220 Tonnen mahlen, wenn die Maschinen rund um die Uhr laufen“, so Lücke. Große Industriemühlen schaffen diese Menge in wenigen Stunden. Die Obermühle ist eine Walzmühle, die Turbine für den Antrieb steht im Keller.

 
Dass die Obermühle auf eine lange Geschichte zurück blickt, spürt man dort auf Schritt und Tritt. Das großzügige Gelände mit dem Kopfsteinpflasterhof ist von Fachwerkgebäuden gesäumt, in denen früher Platz für Fuhrwerke und Pferdeställe war. In dem eigentlichen Mühlengebäude, das seit 1908 das alte Gebäude an der Straße ersetzt, wird gerade Hafer abgefüllt, den ein Landwirt vorne angeliefert hat. An der Abfüllmaschine steht Friedrich-Wilhelm Constantinescu. Der 79-Jährige ist noch gelernter Müller – ein Beruf, der heute selten geworden ist. Er hatte die Mühle in den 60er-Jahren von seinem Großvater Fritz Lambach übernommen. Der wiederum war der Enkel von Friedrich Lambach, der die Obermühle 1884 erwarb. Seit 1884 ist der Betrieb im Familienbesitz.

160 Arten Mühlenkraft
Über 160 Anwendungsbereiche für Mühlenkraft konnten laut der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung bis heute nachgewiesen werden. Neben der Verarbeitung von Getreide dienten Mühlen beispielsweise dem Sägen von Holz, Pressen von Öl, Stampfen von Flachs (Bokemühle), Schöpfen und Pumpen von Wasser, als Antrieb für Schmiedehämmer, zum Schleifen, zur Papierherstellung und vieles mehr. Ziel des Deutschen Mühlentages ist es, die Aufmerksamkeit und das Interesse der Öffentlichkeit auf diese technischen Denkmäler zu richten, deren Geschichte über 2000 Jahre zurückreicht.
 
Mühlen in der Region sind geöffnet

Bilshausen : Rhumemühle Mühlenstrasse 2: Wassermühle mit zwei Turbinen zur Stromerzeugung, Fachwerk-Mühlenhof und Mühlencafé. Programm: Stündliche Führungen, Kaffee und Kuchen, Imbiss. Ausstellung „Kunst im Maschinenraum“. Bilderausstellung „Alex und die Geister – Träume eines Jungen” von Harald Kijewski und Werke von Michael M. Nogal und Agnieszka Nogal.

 
Bühren : Wasserradanlage Bühren, Grund 9: Seit dem Sommer 2007 ist der Nachbau einer oberschlächtigen Wasserradanlage in Betrieb. Maschinenbaumeister Manfred Fischer hat die Anlage auf seinem Grundstück erbaut. Das Wasser wird über historische Graben- und Rinnenführungen aquäduktartig auf das Wasserrad geleitet. Die Anlage ist Teil des „Kulturpfades Bühren“ und zu jeder Zeit zugänglich. Das neu errichtete Wasserrad hat einen Durchmesser von drei Metern und wiegt 1000 Kilogramm. Programm: Die „Wasserradanlage auf dem Mühlenhof“ kann von 13 Uhr bis 17 Uhr  besichtigt werden, wobei über die Mühlengeschichte des Dorfes und die Kunst des Wasserbaus informiert wird. Um 15 Uhr startet ein  Dorfrundgang zu den historischen Mühlenstandorten. Am Nachmittag treten der Männergesangvereins und der Tanzkreis Bühren auf. Von 13 bis 17 Uhr gibt es einen Infostand des Heimat- und Kulturvereins Bühren.
 
Ebergötzen : Wassermühle Wilhelm-Busch-Mühle, Mühlengasse 8. Oberschlächtige Wassermühle, zwei Steinmahlgänge und gußeisernes Getriebe, voll funktionsfähig. Die Anlage wird als Museum genutzt und vorgeführt. Programm: Mahlbetrieb, Besichtigung, Führungen, Bewirtung und Spielmöglichkeiten für Kinder, Kindertheater, Volkstanzvorführung und Live-Musik.
 
Mühlen im Europäischen Brotmuseum , Göttinger Straße 7: Wassermühle unterschlächtig, Stand der Technik etwa aus dem Jahr 1500. Angetrieben durch den Auebach. Programm: Bei geeignetem Wind wird die Windmühle drehen, die Wassermühle dreht immer. Regelmäßige Mühlenführungen mit dem Museumsmüller. Jeder Museumsbesucher erhält eine gebackene Überraschung. MuseumCafe.
 
Rosdorf :  Wassermühle Obermühle, Obere Mühlenstraße 3. Im Jahre 1308 erstmals erwähnt, wurde die Obere Wassermühle 1322 vom Kloster Hilwartshausen erworben, gehörte dann zu den Stadtgütern von Göttingen  und wurde 1721/22 an einen Herrn Schrader verkauft. Von Hermann Hesse, der die Mühle 1860 kaufte, erwarb 1884 Friedrich Lambach die Obermühle. Seitdem ist sie in Familienbesitz. Programm: Mühlenführungen, Ponyreiten, Stände, Informationen und Produkte rund ums Tier.
 
Worbis : Handelsmühle Büschleb, Büschlebsmühle 1: Die Büschlebsmühle ist ein großes Wassermühlengehöft an der Wipper mit Mühlenteichen und funktionstüchtigem Wasserrad zur alternativen Energiegewinnung. Programm: Ab 11 Uhr können sich Besucher über den Weg des Mahlgutes vom Getreide über das Mehl bis hin zum Brot informieren. Über den Tag verteilt finden Mahlvorführungen statt. Ein stählernes sechs Meter großes Wasserrad produziert in einer historischen Radkammer rund um die Uhr Ökostrom.  Die Wasserzuführung auf das Rad in Form des Sandsteinaquäduktes kann am Mühlentag besichtigt werden. Außerdem kann man verschiedene kulinarische Spezialitäten probieren. Eine Ausstellung „Mühlenwanderweg an Wipper und Ohne“ zeigt, wie viele Mühlen es einmal an diesen Flussläufen gegeben hat. In der Mühle wurden viele alte Bilder gesammelt, die in einer kleinen Ausstellung die Geschichte der Büschlebsmühle erzählen. Wie jedes Jahr findet während des gesamten Tages ein Oldtimertreffen statt. Ab der Mittagszeit gibt es Live-Musik im Innenhof der Mühle. Hüpfburg , eine Malstraße und Spiele nach Müller Art warten auf die Kinder. Im Mühlengarten wird eine Kaninchenausstellung organisiert.
 
Moringen : Mühle am Opferteich, Zum Opferteich 1, Wassermühle mit oberschlächtigem Mühlrad, die das Wasser aus dem Opferteich – einer keltischen Kultstätte – bezieht. Der Opferteich ist ein  stets neun  Grad kalter Teich, der sein Wasser und ständig aufsteigende Gase aus unterirdischen Quellen bezieht. Programm: Besichtigung der Mühle, Führungen zum Opferteich und Sagenerzählungen, jeweils zur halben und zur vollen Stunde, Keltische Kräutersuppe, Besuch im Mühlengarten, in dem außer vielen einheimischen Blumen auch zahlreiche Heilpflanzen zu finden sind.  Besichtigung von Figuren aus der Wachsgießerei, Büchertisch und Wachsbearbeitung für Kinder. bib

 

Foto: Hinzmann

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