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"Direkte Konfrontation angestrebt"

Flyeraktion des "Freundeskreises" "Direkte Konfrontation angestrebt"

Mit einem Großalarm und Kräften aus ganz Südniedersachsen hat die Polizei am Montagabend ein erneutes gewalttätiges Aufeinandertreffen von Linksautonomen und Rechtsradikalen in der Göttinger Innenstadt verhindert. NPD-Kandidat Jens Wilke hatte erneut NPD-Flyer verteilt. Linke Gegner machten darauf mobil.

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Quelle: AP

Göttingen. Schon am Sonntagabend hatten 40 bis 50 mutmaßlich linke Göttinger eine Gruppe von sechs Mitgliedern des "Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen" in der Groner-Tor-Straße überfallen und dabei einen 28-Jährigen durch Reizgas verletzt. Zur Tatzeit hatte die Polizei die Rechtsradikalen nach Verlassen eines Lokals schon angesprochen und begleitet. Dennoch kam es zum Angriff. Freundeskreis-Sprecher Jens Wilke, NPD-Landratskandidat, hatte nach einem Platzverweis für die Gruppe bereits angekündigt, auch künftig Wahlkampf in der Stadt betreiben zu wollen.

Am Montagabend gegen 20.40 Uhr teilte ein Zeuge dem Lage- und Führungszentrum der Polizei mit, dass erneut NPD-Flyer vor einer Gaststätte am Papendiek verteilt werden. Die Polizei sprach die Gruppe an. Es sei aber ein sachliches Gespräch nicht zustande gekommen. Im Nahbereich hätten sich bereits Personen aus der linken Szene aufgehalten und "erste Mobilisierungsaktionen" seien festgestellt worden. Darauf wurden bis zu 80 Polizisten aus dem ganzen Landkreis und auch aus Northeim sowie eine Bereitschaftspolizeihundertschaft gerufen worden. Vermutlich aufgrund hoher Polizeipräsenz, so heißt es in der Pressemitteilung, sei ein Aufeinandertreffen beider Gruppen vermieden worden. Die Rechtsextremen verließen die Innenstadt dann in Richtung Bahnhof.

Die Polizei erklärt dazu, "dass sowohl die Angehörigen des Freundeskreises, als auch eine größere Personenzahl der gewaltbereiten linksextremen Szene die direkte Konfrontation und körperliche Auseinandersetzungen bewusst anstreben" würden. Es wurde als Konsequenz eine höhere Polizeipräsenz und konsequente Strafverfolgung gegen beide Gruppen angekündigt. "Das Gewaltmonopol bleibt nach wie vor dem Staat vorbehalten", sagt Göttingens Inspektionsleiter Thomas Rath. Auf Tageblatt-Anfrage ergänzt Rath: "Die ehemals konstruktive Kommunikation des Freundeskreises mit der Polizei hat sich extrem verschlechtert, weil Herr Wilke weitgehend das Gespräch mit uns ablehnt. Man kann nicht sagen, dass er und seine Gruppe sich unseren Weisungen widersetzt, aber Kommunikation verweigert er gänzlich."

Zu den bereits angemeldeten beziehungsweise angekündigten beinahe 100 Gegendemonstrationen zu den vier Kundgebungen der Rechtsradikalen meint Rath: "Wir werden mit ausreichendem Personaleinsatz darauf reagieren und uns darauf konzentrieren, die Veranstaltung des Freundeskreises zu schützen. Aber wir können nicht für jede Versammlung, bei der gar keine Konfontation droht, Personal abstellen." Nach Tageblatt-Informationen wird es bei der Versammlungsbehörde am Mittwoch das erste Kooperationsgespräch zu der für Freitagabend angemeldeten Kundgebung "Bürgerwut in den Kreistag" auf dem Albaniplatz (Freitag, 19.30 bis 22.30 Uhr) geben.

Behauptungen, nach denen die Rechtsradikalen Sonntag und Montag Waffen getragen hätten, bestätigt die Polizei nicht. Es habe lediglich eine Person ein Tierabwehrspray bei sich getragen. Das sei keine erlaubnispflichtige Waffe, erklärt Polizeisprecherin Jasmin Kaatz, sondern dürfe offen getragen werden.

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Von Redakteur Jürgen Gückel