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Na, Maisernte?

Wochenendkolumne Na, Maisernte?

Heute mal was zu den Grundregeln der höflichen Gesprächsführung. Eine davon ist, dem Interesse am jeweiligen Gegenüber durch höfliches Nachfragen Ausdruck zu verleihen. Nicht zu verbindlich und wenn möglich nur rhetorisch. „Wie geht‘s?“ – ein unanfechtbarer Klassiker. „Geschnitten oder am Stück?“ – klasse und zudem schnell beantwortet.

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Tageblatt-CvD Markus Scharf.

Quelle: Archivbild (Symbolfoto)

Eine Variante für norddeutsch Wortkarge ist das universell einsetzbare „Und?“. Nur gesteigert durch das in einigen Dörfern am Harzrand verwendete „Nu?“, das mit leicht geänderter Betonung auch als Bestätigung funktioniert. Ganze Generationen sollen so verheiratet worden sein: „Nu? – Nu!“

Doch zurück zum höflichen Smalltalk. Fortgeschrittene beherrschen die situative Variation der Befragung.

Beispiel: Ich in dieser Woche auf einem öffentlichen Parkplatz vor meinem verschmutzten Auto. (Gruß von der anderen Straßenseite) „Hallo!“ (dann Blick aufs Auto und weiter:) „Na, Maisernte?“ – (mir wäre aus Ehrfurcht vor so viel Smalltalk-Talent beinahe ein „Nu“ rausgerutscht, statt dessen leicht dümmlich:) „Ja, und selbst?“

Wer so geschickt Wetter, Jahreszeit, Landwirtschaft und Straßenverhältnisse in eine Zwei-Wort-Frage verpacken kann, zählt zweifelsohne zu den Königen des Genres und ist dumme Antworten gewohnt.

Gefährlich hingegen auch für Profis der Versuch, das politische Weltgeschehen in ein solches Gespräch einfließen zu lassen. Hier gilt grundsätzlich: Je größer das Konfliktpotenzial, desto weniger geeignet für den kleinen Wortverkehr.

Wieder ein Beispiel. (Supermarktkasse, zwei Herren nach offensichtlich intensiver Meinungsbildung) „Gelesen? Die da in Syrien?“  „Die Kurden?“ – „Ja, und dann noch die Türken.“ (Es folgt eine Reihe von Beschimpfungen aller beteiligter Konfliktparteien und die Frage an den bis dahin unbeteiligten Kassierer) „Und Sie? Kurde oder Türke?“ – „29.30 Euro bitte.“ Wir sehen, dass diese Art Befragung im Smalltalk nicht zur gewünschten Antwort führt.

Hervorragend für beiläufige Fragen eignet sich übrigens das Thema Kultur. Beispiel gefällig? „Am Wochenende ist Literaturherbst. Nu?“ – „Nu!“

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