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Nach 500 Jahren alte Schmiede ausgegraben

Funde aus dem späten Mittelalter Nach 500 Jahren alte Schmiede ausgegraben

Wichtige neue Erkenntnisse über die frühe Stadtgeschichte hat die Göttinger Stadtarchäologie bei Grabungen neben der Jacobi-Kirche gewonnen. Deutlich wird, wie intensiv die damals schon äußerst begehrte und teure Innenstadtlage während der Jahrhunderte genutzt wurde.

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Steht mitten in mittelalterlicher Kloake: Stadtarchäologin Betty Arndt erläutert die Funde.

Quelle: Pförtner

Derzeit werden das Gebäude der früheren Buchhandlung Calvör und das Nachbargebäude am Kirchplatz zu einer Filiale der Modekette S. Oliver umgebaut. Um archäologische Relikte zu finden und zu bergen, leitete die Stadtarchäologie vor vier Wochen umfangreiche Grabungen ein. Entdeckt wurde unter anderem eine Schmiede aus dem ausgehenden Mittelalter – ungewöhnlich so nah an einer Kirche. Außerdem traten zu Tage eine rätselhafte Steintreppe, deren Gang später als Kloake benutzt wurde – und jede Menge Funde darin.

Unter den etwa 350 Einzelfunden sind kloakenübliche Funde wie beispielsweise beschädigtes Kochgeschirr, aber auch Hinweise auf den Wohlstand des damaligen Haushalts wie Scherben bemalten Glases, Buchschließen oder ein kleiner, aus Knochen sorgfältig geschnitzter Spielwürfel. Die Treppe ist aus massiven Sandsteinblöcken gebaut – damals ein viel zu teurer Baustoff, um ihn für eine Kellertreppe zu verwenden. Stadtarchäologin Betty Arndt will nicht ausschließen, dass die Steine beim Kirchenbau übrig geblieben sein könnten. Auch wohin die abwärts in Richtung Süden verlaufende Treppe führt, ist noch unklar: Das Ende ist und wird nicht ausgegraben, weil dort schon das nächste Gebäude beginnt, das von der Stadtarchäologie nicht untersucht wird.

Interessanter noch ist die Entdeckung einer Schmiede, die sich unüblicherweise nicht im Hinterhof, sondern im damaligen Vorderhaus befunden haben muss, wie die Grabungen ergaben. Jetzt befindet sich die Grube, in der die Relikte des Ofens und des zugehörigen Arbeitsraumes gefunden wurden, in der Mitte des derzeitigen, um 1800 errichteten Gebäudes, damals war die Häuserfront gute zwei Meter weiter vom Kirchenschiff entfernt.

Schlackenreste und Schmauchspuren gaben eindeutige Hinweise auf den Zweck der kleinen Anlage mitten im Stadtkern. Angelegt wurde die Schmiede in einer Erdschicht, die dem ausgehenden 15. Jahrhundert zugeordnet wird. Wie lang sie genutzt worden sei, sagt Stadtarchologin Arndt, sei unbekannt. Die Schlacke wird jetzt untersucht, um Details über die Produktion der Schmiede zu erfahren.

„Bislang“, sagt Stadtarchäologin Betty Arndt, „haben wir über die frühere Nutzung dieses Areals so dicht an der Kirche kaum etwas gewusst.“ Nach vier Wochen Grabungen ist jetzt klar, dass es dort im Verlauf der Jahrhunderte mindestens drei Gebäude gab.

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