Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Nach Badeunfall in Dransfeld: Jeskos Mutter will klagen

„Leben ist komplett auf den Kopf gestellt“ Nach Badeunfall in Dransfeld: Jeskos Mutter will klagen

Vor zwei Jahren hatte Jesko Dörmann in Folge eines Badeunfalls im Dransfelder Freibad einen Schlaganfall erlitten. Jetzt will die Mutter des heute Elfjährigen Klage gegen die Samtgemeinde einreichen. Hauptkritikpunkt: Zum Zeitpunkt des Unfalls sei im Bad die Aufsichtspflicht verletzt worden.

Voriger Artikel
Seniorenheim Göttingen weist Einsperr-Vorwurf zurück
Nächster Artikel
Demos: Keine Routine-Meldungen mehr aus Göttingen an Verfassungsschutz

Jesko und Julia Dörmann mit Andreas Vogelsang.

Quelle: Pförtner

Dransfeld/Erbsen. Julia Dörmann schildert, wie es zu dem folgenschweren Badeunfall an dem heißen Junitag im Jahr 2013 kam. „Das Bad war sehr voll“, erinnert sie sich. Jesko sei gerutscht, doch noch bevor er sich habe entfernen können, sei ein 15- bis 16-Jähriger Junge auf Knien die Rutsche heruntergekommen und habe Jesko an Kinn und Hals „mit voller Wucht getroffen“. Jesko sei „schreiend angerannt“ gekommen, schrieb sie später in ihr Tagebuch. Er sei panisch gewesen und habe sich kaum beruhigen lassen. Jesko habe zu ihr gesagt „Ich habe Sterne gesehen“. Sie sei mit dem damals Neunjährigen ins Krankenhaus gefahren, wo die Ärzte zunächst nichts hätten finden können. In der Nacht habe sich Jeskos Zustand rapide verschlechtert. Er habe einen Schlaganfall erlitten und musste notoperiert werden. Durch den Badeunfall sei Jeskos Halsschlagader eingerissen.

 
Jesko habe drei Tage lang im Koma gelegen, sagt Dörmann heute. „Wir wussten mehrere Tage nicht, ob er überhaupt überlebt.“ Vier Wochen lang habe er im Krankenhaus bleiben müssen, fünf Monate Reha schlossen sich an. Heute sei Jesko linksseitig gelähmt. „Das Leben ist komplett auf den Kopf gestellt und wird nie wieder, wie es war“, fasst Jeskos Mutter zusammen.

 
Julia Dörmann und ihr Lebensgefährte Andreas Vogelsang kündigen jetzt Klage gegen die Samtgemeinde Dransfeld an. Ihr Vorwurf: an dem Tag von Jeskos Unfall sei die Badeaufsicht nicht ausreichend gewesen. Einer der beiden Bademeister habe bei der Montage der Solaranlage geholfen, der andere habe sich um einen Badegast gekümmert. Zudem hätten Jeskos Freunde schon länger jenen Jungen auf Knien rutschend beobachtet, der später Jesko am Hals getroffen hatte. „Da hätte der Bademeister schon einschreiten müssen“, meint Dörmann.

 
Juristisch vertreten wird die Familie von Dinah Stollwerck-Bauer. Die bisherigen Versuche einer außergerichtlichen Einigung mit der Gemeinde hätten zu keiner Lösung geführt, sagt sie. Die Frage, ob am Tag des Unfalls genügend Personal im Einsatz war, um der Aufsichtspflicht gerecht zu werden, müsse nun das Gericht klären, so die Juristin. Auch sei zu prüfen, ob nicht bestimmte Bereiche des Bades zeitweise gesperrt werden müssten, wenn vorübergehend die Badeaufsicht nicht gewährleistet werden könne.

 
Samtgemeindebürgermeister Mathias Eilers will sich zu der bevorstehenden Klage inhaltlich nicht äußern. Der Fall sei an den kommunalen Versicherungsträger gegeben worden. Was Jesko habe durchmachen müssen, sei zweifellos schlimm. Es habe sich aber um eine bedauerliche Verkettung unglücklicher Umstände gehandelt, so Eilers.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Britta Eichner-Ramm

Das Tanz-Team des TSC-Schwarz-Gold Göttingen