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Nach Brandanschlag: Linke Rechtsaufsteiger verdächtig

Bei Fahrradkontrollen Brandstifter gesucht Nach Brandanschlag: Linke Rechtsaufsteiger verdächtig

Ideenreich waren die Ermittler nach dem Brandanschlag in einer Teeküche im Kreishaus am 22. Januar. Das hat ganz Göttingen gemerkt. Die massiven Kontrollen von Radlern in der Innenstadt im Monat März waren eigentlich Teil der Fahndung nach dem Brandstifter.

Die Polizei suchte nach einem Fahrer, der sein Rad von rechts besteigt. Sechs Tage und über je acht Stunden wurden mit einem Großaufgebot tausende von Radlern in der City beim Ab- und Aufsteigen beobachtet. Das wird jetzt öffentlich, nachdem Rechtsanwälte der nach dem Anschlag Verdächtigten Inhalte der Ermittlungsakte preisgeben.

Demnach, so Rechtsanwalt Sven Adam, habe eine Videoaufnahme vom Tattag auf dem Hof des Kreishauses einen Verdächtigen von hinten gezeigt, der aufs Rad steigt – von rechts. Bei den Kontrollen war dann die Ermittlungsgruppe (EG) mit dabei, alle Rechtsaufsteiger genau zu visieren.

Die „EG Teeküche“ ließ sich noch mehr einfallen: Eine Zeugin hatte die Augenpartie des Verdächtigen gesehen und „dunklen Teint“ beschrieben. Weil unterstellt wurde, der Anschlag komme von „Linksextremisten“, wurde bei Linken nach dunkler Haut gesucht. Den Antrag, einen jungen Mann, der bei Demos aufgefallen war, rund um die Uhr zu observieren, lehnte die Staatsanwaltschaft ab, ihm DNA zu entnehmen, verweigerte das Gericht. Schließlich gab es außer der Hautfarbe kein Indiz. Gegen den trickreichen Versuch, ihn wegen angeblicher Verstöße bei Demos doch in die Verbrecherkartei zu bekommen, läuft ein Verwaltungsgerichtsprozess.

Geprüft wird wohl auch, ob die Polizei beim Scannen der in der Roten Straße beschlagnahmten Computer korrekt vorging. Gezielt wurde nach den Namen mehrerer Rechtsanwälte gesucht – möglicherweise das Ausspähen von Verteidigerpost, das einzig ein Gericht anordnen darf.

Gescheitert ist auch das Lahmlegen des weltweiten Indymedia-Internetservers in den USA, um die Identität eines Kommentators zu erfahren, der mit „Täterwissen“ geprotzt hatte. Dabei hatte der seinen vollen Namen genannt und wäre beim Googlen schnell als bekannter Aufschneider entlarvt worden.

Zuletzt fielen zwei Leute unter Verdacht, weil sie Dienstaufsichtsbeschwerden gegen Kreis-Bedienstete geschrieben hatten. Der eine gehbehindert, der andere 80.

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