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„Da müssen wir natürlich auch löschen“

Nach Feuer in London „Da müssen wir natürlich auch löschen“

„Hoffentlich passiert so etwas nie in Göttingen“, sagt eine Bewohnerin des Hochhauses in Nikolausberg zum Großbrand in einem Londoner Wolkenkratzers. Doch auch in Göttinger Hochhäusern hat es in der Vergangenheit schon Feuer gegeben, wie Feuerwehrsprecher Frank Gloth bestätigt.

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Beim Brand eines Wolkenkratzers in London sind am Mittwochmorgen zwölf Menschen gestorben.

Quelle: dpa

Göttingen. Der Gedanke an einen Großbrand im Hochhaus Auf der Lieth im Göttinger Stadtteil Nikolausberg sei furchtbar, meint eine der Bewohnerinnen. Elf Etagen habe das in 1969 erbaute Hochhaus, etwa 80 Menschen lebten in den 72 Wohnungen, sagt einer der Eigentümer und Bewohner der ersten Stunde, Manfred Baumert. Er erinnert sich, dass im Laufe der vergangenen 40 Jahre „immer mal wieder etwas gewesen ist“. Etwa wenn eine noch glimmende Zigarettenkippe im Müllschlucker entsorgt worden sei oder jemand sein Essen auf dem Herd vergessen habe, sagt Baumert.

Die Seniorin aus einem der oberen Stockwerke berichtet von einem Fall, als die Bewohner vorsorglich evakuiert worden waren. „Wenn aber von jeder Etage acht bis zehn Leute über das Treppenhaus nach unten laufen“, meint sie, „könnte ich mir vorstellen, dass schon Panik entsteht“. Sie selbst, so ergänzt die über 80-Jährige, habe sich schon öfter gefragt, wie sie im Ernstfall reagieren würde: „Ob man da noch einen klaren Kopf hat, wenn es brennt?“

Im Gegensatz zu der älteren Dame, die einige Stockwerke über ihm wohnt, vertraut Baumert auf den Brandschutz im Hochhaus Auf der Lieth: Rauchmelder auf den Fluren, Feuerlöscher in den Treppenhäusern, Notbeleuchtung und Fluchtweghinweise, eine Rauchabzuganlage, Brandschutztüren oder auch den Hydranten vor dem Haus, über den die Feuerwehr Löschwasser in die Druckerhöhungsanlage einspeisen könne. „Das wird alles regelmäßig von der Feuerwehr überprüft“, berichtet Baumert.

Als Hochhaus werden laut Baurecht Gebäude definiert, die etwa sieben Stockwerke und mehr haben. In Göttingen sind das außer dem Nikolausberger Hochhaus ein Teil des GDA-Wohnstiftes, die Bettenhäuser eins und zwei des Uniklinikums, das Iduna-Zentrum, die Wohnanlage Groner Landstraße 9, die Gebäude an der Goßlerstraße 77, am Christophorusweg 12 und 14, an der Robert-Koch-Straße 38 und an der Sollingstraße 3. Auch Blauer Turm und Neues Rathaus zählen zu den Hochhäusern, für die besondere Einsatzpläne gälten, erklärt Frank Gloth von der Göttinger Berufsfeuerwehr. Diese enthalten zum Beispiel Informationen über die einzelnen Ebenen des Gebäudes und darüber, welche Brandschutzeinrichtungen es gibt.

Immer über die Treppenhäuser

Je nach Abstand des Feuerwehrfahrzeugs zum Gebäude reiche die Drehleiter maximal bis in die siebte, achte Etage. Was aber, wenn es in einem darüberliegenden Stockwerk brennt? „Da müssen wir natürlich auch löschen“, sagt Gloth und betont, dass die Drehleiter in der Regel einen zweiten Rettungsweg sicherstellen solle. Brandbekämpfung und Menschenrettung erfolgten aber immer auch über die Treppenhäuser. Wenn allerdings ein Gebäude einzustürzen drohe, „kann man natürlich keinen mehr reinschicken“, ergänzt der Feuerwehrsprecher.

Was tun, wenn es brennt? Verhaltenstipps nicht nur für Hochhausbewohner

Ab einer Höhe von etwa 23 Metern ist für die Drehleitern Schluss. Dann müssen die Feuerwehrleute im Brandfall durch die Treppenhäuser ins Innere eines Hochhauses zu eventuell eingeschlossenen Menschen vordringen. So wie zum Beispiel im Februar dieses Jahres, als in der zehnten Etage des Gebäudes Groner Landstraße 9 ein Feuer ausgebrochen war und der Bewohner am Fenster gestanden und um Hilfe gerufen habe. Die Situation sei dramatisch gewesen, so Feuerwehrsprecher Frank Gloth, denn die Kleidung des Mannes habe bereits gebrannt. Vorsorglich habe die Feuerwehr ein Sprungpolster aufgestellt, weil der Mann kurz davor gewesen war zu springen. Grundsätzlich sollten Bewohner eines Hochhauses im Ernstfall alle Türen und Fenster schließen und in der eigenen Wohnung auf Hilfe warten. Die Benutzung von Aufzügen sei im Brandfall tabu, betonen die Feuerwehren. Grundsätzlich sollte der kürzeste Fluchtweg bekannt sein, das gelte insbesondere bei Hochhäusern. Treppenhäuser in Hochhäusern seien entsprechend des deutschen Baurechts so eingerichtet, dass kein Feuer oder Rauch eindringen kann. Damit sich Brandrauch nicht in Flure oder Rettungswege ausbreiten kann, sollten Bewohner Haustüren und Türen zum Sicherheitstreppenraum unbedingt hinter sich schließen.

Feuerwehren kritisieren Fassadendämmungen

Der Brand des Grenfell Towers im Westen Londons hat das Thema Fassadendämmung wieder aufgeworfen. Vor allem bei der Dämmung von Hochhäusern fordern die Feuerwehren „ausschließlich die Verwendung nicht brennbarer Baustoffe“, sagt Frank Gloth, Sprecher der Göttinger Berufsfeuerwehr. Hier würden in der Regel nicht brennbare Mineralwolle oder Steinwolle eingesetzt. Gloth weiter: „Gleichwohl besteht bei Gebäuden unterhalb der Hochhausgrenze die Möglichkeit der Verwendung schwer entflammbarer Baustoffe, wobei aber nur die verwendet werden dürfen, die im Brandfall nicht brennend abtropfen.“ Bei der Fassadendämmung von Hochhäusern dürfe sich die Dämmung sich nicht an der Brandentwicklung beteiligen, formuliert Gloth die Forderung der Feuerwehren.

„Und ebenfalls nicht unwichtig ist die Tatsache, dass wir hierbei immer von Baumaßnahmen und somit von Genehmigungsverfahren reden“, ergänzt er. „Wenn jemand sein Gebäude nachträglich mit einer Dämmung versehen will, ist dieses nicht genehmigungspflichtig und wird demnach nicht kontrolliert.“

Was wäre, wenn… es im Neuen Rathaus brennt?

Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung im Neuen Rathaus in Göttingen fühlen sich nach Auskunft von Verwaltungssprecher Detlef Johannson sicher, da die Fassade des Gebäudes sowie die Treppenhäuser nicht brennbar seien. „Wir haben im gesamten Haus eine Brandmeldeanlage. Außerdem schließen sich sichere Zwischentüren auf den Geschossen im Gefahrenfall automatisch“, erklärt Johannson.

Von jedem Büro gebe es einen direkten Weg in das nächst gelegene Treppenhaus. In allen vier Treppenhäusern des Turms seien ebenso wie auf allen Etagen Feuermelder, Feuerlöscher und Wasserentnahmestationen für die Feuerwehr. In jeder Etage gebe es unter den Mitarbeitern ausgebildete Brandschutzhelfer ausgebildet.

Im Brandfall werde über Lautsprecher für das gesamte Gebäude ein zentraler Alarm ausgelöst. „Das alles ermöglicht eine schnellen Einsatz der Berufsfeuerwehr und eine zügige, sichere Räumung des Hauses für Mitarbeietr und Besucher", zeigt Johannson auf, was für den Brandschutz im Neuen Rathaus getan werde. ve

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