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Nach Kopenhagen: Schluss mit Lustig? Eine Tageblatt-Umfrage

Thema des Tages Nach Kopenhagen: Schluss mit Lustig? Eine Tageblatt-Umfrage

Auch das Attentat von Kopenhagen hat zuerst einem Karikaturisten gegolten: Omar Abdel Hamid El-Hussein schoss am Sonnabend auf Menschen in einem Kulturzentrum, weil er dort Lars Vilks (68) töten wollte und später in der Nacht auf den Wachmann der Synagoge. Ist nun Schluss mit lustig? Eine Umfrage von Angela Brünjes und Christoph Oppermann bei denen, die sich auskennen mit Satire und was sie darf.

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Quelle: EF

Von dem schwedischen Zeichner Vilks stammen die Mohammed-Karikaturen, die im Jahr 2007 weltweit Proteste auslösten. Vilks hatte am Sonnabend an einer Diskussion über Meinungsfreiheit teilgenommen. Wie bereits am 7. Januar, als Mitglieder der Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris von islamistischen Attentätern umgebracht wurden, richtete sich die tödliche Gewalt auch in Kopenhagen gegen Menschen, die demokratische Grundwerte verteidigen. Die Freiheit und Freizügigkeit von Satire wird massiv bedroht.

Tim Wolff: „Ein wenig dankbar sein“

Wolf: Hintner

Quelle:

Nach den Anschlägen von Paris war plötzlich praktisch jeder „Charlie“. Hat die „Titanic“ viele neue Freunde?
Wolff: Ja. Aber die kriegen wir auch schnell wieder los, da bin ich mir sicher.

Und wie sieht‘s mit neuen Abonnenten aus?
Die haben wir auch zuhauf. Wir müssen also den Attentätern ein wenig dankbar sein.

Til Mette hat am Sonntag auf Facebook geäußert, dass die Anschläge von Kopenhagen unter seinen Kontakten in diesem sozialen Netzwerk kaum ein Thema seien und lakonisch die Frage „Empörungsmüdigkeit?“ gestellt. Haben Sie eine Erklärung dafür, dass die Attentate bedeutend weniger öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen als das vor wenigen Wochen nach dem Angriff auf „Charlie Hebdo“ der Fall war?
So funktioniert das nun mal mit billigen Nachahmern, wer isst schon lieber Nusspli als Nutella? Was mich aber als Satiriker daran ein wenig beruhigt: Die Terroristen müssen sich nun schon was anderes als Morde an Satirikern einfallen lassen, um die große Aufmerksamkeit zu erlangen.

Haben die Anschläge von Paris und Kopenhagen etwas an Ihrer Arbeit verändert?
Ja, ich werde ständig durch Interviews in meiner Arbeit unterbrochen.

Tim Wolff ist Chefredakteur der „Titanic“: titanic-magazin.de

 
 
Martin Sonntag: „Besucher wollen Karikaturen sehen“

Sonntag

Quelle:

Können Sie in einem Satz beschreiben, wo Satire ihre Grenzen hat?
Sonntag: Bei uns wird nicht gezeigt,  was nicht witzig ist,  was schlecht gezeichnet ist und was lediglich um des Provozieren willens provoziert.

Würden Sie auf Karikaturen mit religionskritischem Inhalt verzichten?
Dafür gibt es keinen Grund. Es zeigt sich regelmäßig,  dass sobald eine Religion institutionalisiert oder instrumentalisiert wird, dieses immer kritikwürdig ist.

Haben sich die Ansprüche der Museumsbesucher seit dem Attentat von Paris verändert?
In den ersten Tagen nach den Pariser Anschlägen waren die Betroffenheit und das Redebedürfnis sehr groß. Mittlerweile scheint der Mechanismus, der hinter diesen Anschlägen steckt, verstanden worden zu sein. Die Besucher wollen weiterhin Karikaturen sehen.

Martin Sonntag ist Leiter der „Caricatura - Galerie für komische Kunst“ in Kassel: caricatura.de

 
 
Achim Frenz: „Nein, wir verzichten nie“

Frenz

Quelle:

Haben Sie eine Erklärung dafür, dass die Attentate bedeutend weniger öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen als das vor wenigen Wochen nach dem Angriff auf „Charlie Hebdo“ der Fall war?
Frenz: Entweder sind wohl doch nicht so viele „charlie“, wie es anfangs  den Anschein hatte, oder es fehlt nur ein guter dänischer Slogan?

Können Sie in einem Satz beschreiben, wo die Satire ihre Grenzen hat?
Sie hat dann Grenzen, wenn  die Satire schlecht gemacht ist!

Würden Sie auf Karikaturen mit religionskritischem Inhalt  verzichten?
Nein, wir verzichten nie auf einen kritischen Inhalt!

Haben sich die Ansprüche der Museumsbesucher seit dem Attentat von Paris verändert?
Wir können das noch schlecht messen! Aber eine  große Betroffenheit der Besucher war spürbar.

Wie weit  ist die geplante virtuelle Gemeinschaftsausstellung zu „Charlie Hebdo“ gediehen?
Wir haben regelmäßige Treffen  der Projektbeteiligten bisher organisiert. Die Charlie Hebdo-Jahrgänge 2010 bis heute sind alle einzeln durchgearbeitet- und von unserer Übersetzerin vorsortiert worden. Am kommenden Donnerstag wird sich die Arbeitsgruppe wieder in Frankfurt treffen und die Auswahl diskutieren. Wir haben uns einen engen Zeitplan gesetzt und hoffen, dass wir neben unserer täglichen Arbeit bis Ende März fertig sind. Denn alle beteiligten Häuser befinden sich zurzeit in Ausstellungsproduktionen. Die Eröffnungen sind in den nächsten Tagen.

Gibt es seit den Anschlägen von Paris und Kopenhagen konkret zu benennende Gefährdungslagen für ihr Haus?
Es wurde uns geraten sich dazu nicht öffentlich zu äußern.

Achim Frenz ist Chef des Caricatura-Museums in Frankfurt/Main und Mitherausgeber der „Titanic“: caricatura-museum.de

 
 
 
 
Gisela Vetter-Liebenow: „Die Frage ist nur, wer müde ist?“

Gisela Vetter-Liebenow, Wilhelm-Busch-Museum Hannover. Thomas

Quelle:

Der Cartoonist Til Mette hat am Sonntag auf Facebook geäußert, dass die Anschläge von Kopenhagen unter seinen Kontakten in diesem sozialen Netzwerk kaum ein Thema seien und lakonisch die Frage „Empörungsmüdigkeit?“ gestellt. Haben Sie eine Erklärung dafür, dass die Attentate bedeutend weniger öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen als das vor wenigen Wochen nach dem Angriff auf „Charlie Hebo“ der Fall war?
Vetter-Liebenow: In der Frage von Til Mette liegt vielleicht auch die Antwort – die Frage ist nur, wer müde ist?

Können Sie in einem Satz beschreiben, wo Satire ihre Grenzen hat?
Satire hat immer dort ihre Grenzen, wo nach demokratischem Verständnis Kunst- und Meinungsfreiheit insgesamt ihre Grenzen hat.

Würden Sie auf Karikaturen mit religionskritischem Inhalt verzichten?
Nein, darauf verzichten wir nicht. Wir werden auch in Zukunft keine Themen von vornherein ausschließen, so auch religionskritische nicht.

Haben sich die Ansprüche der Museumsbesucher seit dem Attentat von Paris verändert?
Unsere Besucher sind es gewohnt, sich bei uns im Museum mit kritischen und unbequemen Meinungen auseinanderzusetzen, dies haben sie vor dem Attentat in Paris getan und tun dies jetzt auch. Es gibt grundsätzlich ein großes Informations- und Diskursbedürfnis.

Wie weit ist die geplante virtuelle Gemeinschaftsausstellung zu „Charlie Hebdo“ gediehen?
Die Online-Präsentation befindet sich im steten Aufbau und wir werden sie wie geplant Ende März veröffentlichen.

Gisela Vetter-Liebenow leitet das Haus „Wilhelm Busch. Deutsches Museum für Karikatur & Zeichenkunst“: karikatur-museum.de

 
 

Die Zeichnung ist von Joost Swarte, nach dem Anschlag von Paris entstanden, ist im Cartoonmuseum in Basel zu sehen.

Quelle:
 
 
Info: Karikaturen aus „Charlie Hebdo“
Von den Stilmitteln Übertreibung und Humor lebt die Karikatur. Ihr Thema ist schon seit Jahrhunderten insbesondere der Machtmissbrauch von Politikern oder Kirchenführern. An die im Januar bei einem Anschlag getöteten Zeichner der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ soll ab Ende März eine Ausstellung mit ihren Arbeiten erinnern. An der Online-Ausstellung, die vom Wilhelm-Busch-Museum in Hannover initiiert wurde, beteiligen sich die Karikaturenmuseen in Kassel, Frankfurt, Krems und Basel.

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