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Nach der Taufe drohen Abschiebung und Tod

Asylamt verlangt Beweise Nach der Taufe drohen Abschiebung und Tod

Kann ein Christ sein, wem der Name seines Pastors nicht einfällt? Zählt die Taufe für die Zugehörigkeit zum Christentum oder muss man auch den Katechismus beherrschen? Und muss man ein Erweckungserlebnis gehabt haben, um Christ zu werden? 

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Überzeugte Christin oder verkappte Muslima? Nach der Taufe droht Mahtaj Ramazani die Abschiebung in den Iran.

Quelle: Gückel

Adelebsen. Die falsche Antwort auf diese drei Fragen könnte die 44 Jahre alte Iranerin Mahtaj Ramazani das Leben kosten. Die seit elf Jahren in Deutschland lebende Asylbewerberin ist zum Christentum konvertiert. Dennoch soll sie abgeschoben werden in ein von Mullahs beherrschtes Land, in dem Konvertiten der Tod droht.

Ramazani war Muslima, als sie 2001 aus dem Iran floh und mit ihrer Familie in Deutschland Asyl suchte. Inzwischen ist sie von ihrem Mann geschieden, die beiden Töchter haben Deutsche geheiratet und bereits Kinder, und sie hat in Adelebsen unter Christen Freunde gefunden. Sie ist voll integriert, aber arbeiten darf sie nicht. Seit Jahren besucht sie regelmäßig den Gottesdienst der evangelischen St.-Martini-Gemeinde, nimmt teil am Gemeindeleben, hilft beim Kirchencafé, hat sich 2009 sogar taufen lassen.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge beeindruckt diese Hinwendung zum Christentum nicht. Es unterstellt der 44-Jährigen Opportunismus, weil ihr erster Asylantrag abgelehnt worden war. Dass sie „keinen ernsthaften Glaubenswechsel vollzogen“ habe, schließt das Amt aus einer Anhörung, in der sie „umfangreiche Kenntnisse betreffend die christlichen Feste“ nicht habe vorweisen können. Sie habe auch nicht schildern können, welches „Erweckungserlebnis“ dazu geführt habe, sich taufen zu lassen. Den Namen ihres Pastors habe sie in dem Test auch nicht nennen können. Der heißt Hartmud Plath und ist entsetzt, „wie unser Staat mit Christen umgeht“.

Pastor sauer

Plath erzürnt, dass man ihm die Kompetenz abspricht, seine „Gemeindemitglieder seelsorgerisch einzuschätzen und geistlich beurteilen zu können“, ihm gar unterstellt, ein Gefälligkeitsgutachten erstellt zu haben. Denn das Zeugnis, das er der Konvertitin seiner Gemeinde erstellt hat, ist nach Auffassung der Behörde „nicht geeignet, die Ernsthaftigkeit des Glaubenswechsels zu belegen“. Dabei beschreibt der Pastor darin, wie sich die Frau schwer tat, sich gegen den Widerstand ihrer Familie schließlich doch taufen zu lassen.

Aus der Familie, durch das Verhalten ihres Ex-Mannes, droht der Frau im Falle einer Abschiebung nun gar die größte Gefahr. Der Geschiedene hat angekündigt, den iranischen Behörden mitzuteilen, dass die 44-Jährige sich hat taufen lassen. Der Abfall vom Islam wird im Mullah-Regime mit dem Tode bedroht. Doch für das Bundesamt ist das kein Grund, die Adelebserin davor zu schützen und ihr Asyl zu gewähren. Im Ablehnungsbescheid heißt es: „Den iranischen Behörden ist bekannt, dass viele Asylantragsteller, deren Erstantrag abgelehnt wurde, sich (...) auf einen Religionswechsel berufen. Deswegen wird im Iran dem formellen Religionsübertritt im Ausland (...) keine große Bedeutung beigemessen.“

Das Schicksal der einst persischen Muslima und getauften Christin könnte sich morgen entscheiden. Dann verhandelt ab 9.15 Uhr das Verwaltungsgericht Göttingen ihren Fall.

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Kurz vor dem „Vater unser“ beginnt das Publikum zu murren: „peinlich“ oder „entwürdigend“ grummeln die zahlreichen Zuhörer der Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht. Gerade hat Richterin Christiane Habermann die Klägerin gefragt, was sie denn so bete, und die hat geantwortet: „...unser täglich Brot gibt uns heute.“ Das vollständige Gebet als Glaubensbeweis aufzusagen, bleibt der 44 Jahre alten Asylbewerberin Mahtaj Ramazani dann doch erspart.

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