Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Nachspiel zum Göttinger Transplantationsskandal

Patientin muss sich wegen Falschaussage verantworten Nachspiel zum Göttinger Transplantationsskandal

Der Prozess um den Transplantationsskandal am Göttinger Universitätsklinikum hat jetzt zu einem weiteren Strafverfahren geführt. Das Amtsgericht Göttingen hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen eine Patientin, die in dem Verfahren gegen den Transplantationschirurgen als Zeugin ausgesagt hatte, einen Strafbefehl wegen uneidlicher Falschaussage erlassen.

Voriger Artikel
Geld für Göttinger Musa und Voigtschule
Nächster Artikel
Mensa am Göttinger Wilhelmsplatz für 3,2 Mio. Euro saniert
Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Die 39-Jährige soll 90 Tagessätze zu 20 Euro (insgesamt 1800 Euro) zahlen, weil sie vor dem Landgericht Göttingen falsche Angaben zu ihrem Alkoholkonsum gemacht haben soll. Nach Angaben eines Justizsprechers hat die Patientin gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt. Dies hat zur Folge, dass sich das Amtsgericht demnächst in mündlicher Verhandlung mit dem Fall befassen wird.

Die Patientin hatte nach eigenen Angaben jahrelang täglich bis zu einer Flasche Wodka oder Korn getrunken und sich dadurch eine schwere Leberzirrhose zugezogen. Während es die Medizinische Hochschule Hannover ablehnte, sie in die Warteliste für ein Spenderorgan aufzunehmen, bekam sie im Mai 2010 im Göttinger Klinikum eine neue Leber eingepflanzt.

Bei ihrer Zeugenbefragung vor Gericht machte sie widersprüchliche Angaben zu ihrem Alkoholkonsum vor der Transplantation. Zunächst behauptete sie, etwa ein Jahr lang keinen Alkohol mehr angerührt zu haben. Später erklärte sie auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft, dass sie  seit etwas mehr als vier Monaten keinen Alkohol mehr getrunken habe. Nach Auffassung der Strafverfolgungsbehörde soll jedoch aus ihren Patientenunterlagen hervorgehen, dass sie noch wenige Wochen vorher regelmäßig Alkohol getrunken habe.

Die per Strafbefehl verhängte Geldstrafe von 90 Tagessätzen entspricht einer Freiheitsstrafe von drei Monaten. Dies ist die niedrigste Strafe, die für eine uneidliche Falschaussage verhängt wird. Die Höchststrafe liegt bei fünf Jahren. Zu der Verhandlung gegen die Patientin sind unter anderem die Richter der Schwurgerichtskammer als Zeugen geladen.

Die Kammer hatte Anfang Mai den Chirurgen frei gesprochen. Die Richter sahen es zwar als erwiesen an, dass der Angeklagte die Manipulation von Patientendaten veranlasst oder davon gewusst habe. Dies sei aber damals nicht strafbar gewesen. Der Arzt habe auch gegen Richtlinien der Bundesärztekammer verstoßen.

Dies sei jedoch ebenfalls strafrechtlich nicht relevant, weil die Richtlinien verfassungswidrig seien. Diese schreiben vor, dass alkoholkranke Patienten nur dann eine Spenderleber erhalten dürfen, wenn sie sechs Monate lang trocken waren. Seit kurzem liegt das schriftliche Urteil vor, es umfasst 1231 Seiten. Während die Kammer für das Abfassen mehrere Monate Zeit hatte, muss die Staatsanwaltschaft ihre Revision innerhalb eines Monats begründen.

Von Heidi Niemann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Schauspieler-Casting im Göttinger „Kauf Park“