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Nachtigall und Nachbarn bedrohen Baupläne

Rosdorfer Baugebiete Nachtigall und Nachbarn bedrohen Baupläne

Die Zwergfledermaus, die Nachtigall und die Nachbarn aus der Friedensstraße haben kompliziert gemacht, was Rosdorfer Kommunalpolitiker sich schon als komplikationslose Umsetzung ihrer Baulandpläne ausgemalt hatten.

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Nachtigall bedroht: Seltene Tiere haben sich in der Bauland-Brache am Luhbach angesiedelt.

Quelle: Vetter

Nächtliche Mähdrescherfahrten eines Landwirtes könnten nun gar dafür sorgen, dass ein seit langem geplantes und als lukrativ angesehenes neues Baugebiet am Luhbach wirtschaftlich fraglich geworden ist. Der Bauausschuss hörte am Mittwoch jedenfalls mit Staunen, was Bau- und Landschaftsplaner erforscht und errechnet haben. Da ist zum einen das Gebiet am Luhbach zwischen Freibad und Bauernhof. Schon lange sind die einstigen Kleingärten Bauerwartungsland. Bewirtschaftet werden sie nicht mehr.

Inzwischen seien in dem kaum durchdringlichen Dickicht „Freizeitbiotope“ entstanden, von denen er nicht sagen könne, ob sie „Freizeitnutzung oder Abfallbeseitigung“ genannt werden müssen. Es wimmele von zusamengefallenen Hütten und Schuppen, abgestellten Wohnwagen und Schrott. In alle dem, so habe das erforderliche faunistische Gutachten gezeigt, habe sich eine Fledermauspopulation entwickelt, die in den Holzruinen ideale Schlafplätze findet. Und die geschützte Nachtigall lebe auch dort. Nun bedrohe das Baugebiet zwar die beiden Arten, nicht aber müsse es andersherum sein. Denn eine Lösung könnte sein, ein zusätzliches Gebiet nördlich des Luhbaches als Biotop anzulegen, so dass die Arten dort hin umziehen können. Wenn das Baugebiet Auflagen wie Anpflanzung oder Erhaltung von Laubbäumen erhält, könnte es gehen.

Ebenfalls mit Bauauflagen muss im Nordosten des Gebietes gearbeitet werden: Passiver Lärmschutz und keine Balkone oder Terrassen nach Norden. Denn Freibad und Festplatz seien trotz Lärmwall zu laut.
Noch keine Lösung gibt es für ein anderes Problem. Weil der Landwirt an der Ecke Siekweg/Olenhuser Straße zur Erntezeit auch nachts den Mähdrescher rausholt, liegen sechs der geplanten Grundstücke in der davon betroffenen Lärmzone. Sie wären unbebaubar. Vorausgesetzt, der Mähdrescher führe mehr als zehnmal im Jahr.

Ob sich das Gebiet mit zwei erforderlichen langen Zufahrtstraßen und den entsprechenden Kosten bei um 20 Prozent verminderter Bauplatzzahl dann noch vermarkten würde, ist fraglich. Dem Bebauungsplanentwurf stimmte der Bauausschuss bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung zwar zu, aber unter dem Vorbehalt der noch zu klärenden Fragen.

Zugestimmt wurde auch der öffentlichen Auslegung der Pläne für das Baugebiet nördlich der Bahnhofstraße. Es müsse gewährleistet sein, so Volker Hempfing (SPD), dass Kritiker ihre Einwände dazu formulieren können. Die Baupläne hat nämlich die Anlieger der Friedensstraße überrascht. Beide Ratsfraktionen hatten zwar beschlossen, innerorts die Bebauung zu verdichten und deshalb zuzustimmen, dass in die riesigen Gärten der Bahnhofstraße hinein eine Stichstraße ein neues Gebiet für fünf neue, zweigeschossige Häuser erschließt.

Den Nachbarn der Friedensstraße rücken die Neubauten aber dicht an die Grundstücksgrenzen. Eine Anliegerin verteilte im Ausschuss ein zweiseitiges Protestschreiben, in dem Beschattung, Emissionen, Lärmbelästigungen und vieles mehr sowie im Ergebnis Wertminderung ihrer Wohngrundstücke befürchtet wird.

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