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Nacktfotos von Zwölfjähriger erpresst

Haftstrafe für Psychiatrie-Patienten Nacktfotos von Zwölfjähriger erpresst

Das Landgericht Göttingen hat am Dienstag einen bereits einschlägig vorbestraften Psychiatriepatienten wegen sexuellen Missbrauchs und Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt.

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Göttingen. Das Verfahren sei im negativen Sinne ein Lehrstück für alle Eltern und Jugendliche über die Gefahren des Internets, sagte der Vorsitzende Richter Michael Kalde.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 46-jährige Angeklagte mit Hilfe eines in das Maßregelvollzugszentrum Moringen eingeschmuggelten internetfähigen USB-Sticks Kontakt zu einem zwölfjährigen Mädchen aufgenommen hatte. Im weiteren Verlauf der Chat-Kommunikation hatte er dann das Mädchen durch erpresserische Drohungen dazu gebracht, ihm Nacktfotos von sich zu schicken.

Der 46-Jährige, der seit seiner Pubertät durch sexuelle Übergriffe auf Mädchen aufgefallen und seit 22 Jahren im Maßregelvollzug untergebracht ist, hatte die Vorwürfe weitgehend eingeräumt. Nach Ansicht des Gerichts ist der Angeklagte mit großer Raffinesse und krimineller Energie vorgegangen. Um die Sicherungsmechanismen im Maßregelvollzug zu umgehen, hatte er sich den USB-Stick über einen früheren Mitpatienten besorgt und den Rechner eines Mitpatienten benutzt.
Der Angeklagte hatte in dem Chat zunächst eine Freundschaftsanfrage an das 12-jährige Mädchen gestellt und sich dabei als 16-jähriger „Tom aus Hannover“ ausgegeben. Später schickte er ihr ein Foto von drei nackten Menschen am Strand, auf dem angeblich er gemeinsam mit seiner Schwester und seiner Mutter zu sehen sei. Er forderte sie auf, ihm ebenfalls ein Nacktfoto von sich zu schicken, was sie auf sein Drängen hin schließlich tat. Da auf dem Bild ihr Schambereich nicht zu erkennen war, forderte der 46-Jährige weitere Fotos. Als sie sich weigerte, drohte er, das Bild ihren Eltern zu senden und in ihrer Schule zu verbreiten.

Die Zwölfjährige war durch diese wiederholten Drohungen so verängstigt, dass sie ihm schließlich fünf weitere Intimfotos schickte. In ihrer nichtöffentlichen Vernehmung gab sie an, dass sie damals an Selbstmord gedacht habe. 

Dann aber fand sie einen Ausweg: Sie erstattete eine Online-Strafanzeige beim Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen. Das sei extrem mutig gewesen, sagte der Vorsitzende Richter. Die Ermittler fanden schließlich heraus, dass sich hinter dem 16-jährigen „Tom“ ein pädophiler Sexualstraftäter verbarg, der erneut rückfällig geworden war.

Wäre die diesmal verhängte Freiheitsstrafe um drei Monate höher ausgefallen, hätte das Gericht auch eine Unterbringung in der Sicherungsverwahrung geprüft, sagte der Richter. „So weit entfernt ist es davon nicht.“

Von Heidi Niemann

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