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Nadine Schlosser ist krank – aber sie sorgt sich vor allem um ihr Kind

„Mein Sohn hat etwas Besseres verdient“ Nadine Schlosser ist krank – aber sie sorgt sich vor allem um ihr Kind

Immer wieder geraten Menschen in Not, werden Opfer von persönlichen Katastrophen und Tiefschlägen. Diesen Menschen bieten soziale Einrichtungen in der Region Hilfe. Zugunsten dieser Anlaufstellen in Krisenzeiten sammelt „Keiner soll einsam sein“, die Weihnachtshilfe des Göttinger Tageblatts. In loser Folge stellen wir einige Schicksale vor.

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„Mein Sohn hat etwas Besseres verdient“: Nadine Schlosser ist krank, sorgt sich aber vor allem um ihren Sohn.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Als Nadine Schlosser* das erste Mal die Luft wegblieb, hat sie sich nichts dabei gedacht. Erst hielt sie die Kurzatmigkeit und den Husten für eine Erkältung, als die Beschwerden nicht abklangen, für eine Allergie. Als am Karfreitag diesen Jahres noch starke Schmerzen im Brustkorb hinzukamen, musste die alleinerziehende Mutter in die Notaufnahme. Etwas, das war der 32-Jährigen jetzt klar, stimmte mit ihr nicht.  Dieses Gefühl verstärkte sich, als die gegen eine vermutete Lungenentzündung verschriebenen Antibiotika keine Wirkung zeigten.

Es war ihr zehnjähriger Sohn Aaron, der wenige Tage später den Arzt rief, als seine Mutter es nicht mehr konnte. „Er kannte nur den Namen meines Arztes, also hat er einfach bei der Auskunft angerufen. Dass ein zehnjähriger Junge so reagiert hat, imponiert mir noch heute“, erzählt Schlosser und umfasst ihre Kaffeetasse mit beiden Händen. Jetzt gerade sitzt sie im Diakonischen Werk, zu dem sie durch eine Alleinerziehendengruppe schon vor ihrer Krankheit Kontakt hatte. Nun bekommt sie hier Unterstützung bei allen Fragen ihres neuen Alltags.

Denn arbeiten kann sie derzeit nicht mehr. Die Ärzte haben eine Lungenembolie und Herzmuskelentzündung festgestellt. Von letzterer erholt sie sich jetzt langsam. Doch die Regeneration ihres Herzens braucht Zeit. Zeit, in der sie nicht arbeiten darf – und so ist die Frau, die vorher als Haus- und Familienpflegerin gearbeitet hat, nun auf Sozialhilfe angewiesen. Ihre Sorge gilt vor allem ihrem Sohn Aaron: “Mein Sohnemann muss viel zurückstecken, die Situation ist nicht leicht für ihn.”

Damit meint sie nicht nur, dass sie durch ihre Krankheit unverschuldet in finanzielle Probleme geraten ist. Aaron leide vor allem unter der Ungewissheit, ob seine Mutter irgendwann wieder ganz gesund wird. Obwohl er gerade auf dem Flur spielt, wird an den häufigen Blicken seiner Mutter zur Tür und dem ungezwungen-liebevollen Umgang zwischen den beiden klar, dass sie sich sehr nah sind. Schlosser wünscht sich natürlich trotzdem, dass sie ihrem Sohn auch materiell das geben kann, was für andere Kinder normal ist: Konzertbesuche, Ausflüge, vielleicht sogar ein kurzer Urlaub.

Beide verbindet die Liebe zum Zirkus und zur Musik, früher haben sie Konzerte von Angelo Kelly immer gemeinsam besucht. An solche Erlebnisse ist in ihrer derzeitigen Situation nicht zu denken. Selbst die Zahlung des Schulgelds musste Schlosser aussetzen – weil ihre Bezüge einfach nicht reichen. Auch die Zahnspange ihres Sohnes bringe Kosten mit sich, die sie nicht tragen könne. Ihr Sohn, meint sie mit fester Stimme, habe etwas Besseres verdient: “Für das, was er für mich getan hat, bewundere ich ihn noch heute.”

Von Jonas Rohde

*Namen von der Redaktion geändert

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