Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Nazis raus aus Turm 2.0 in Northeim

Hausverbote für Neonazi-Kader Nazis raus aus Turm 2.0 in Northeim

Die Musik- und Kulturkneipe Turm 2.0 hat zwei bekannten Neonazi-Kadern Hausverbot erteilt. Gleichzeitig hat der Vorstand des Vereins „Jugend, Musik und Kultur im Alten Brauereiturm“, der die Kneipe betreibt, den beiden führenden Köpfen der Northeimer und südniedersächsischen Neonazis-Szene die Mitgliedschaft in dem Fördervereins verwehrt.

Voriger Artikel
Prozess gegen Frührentner aus Osterode: Frühere Ehefrau gehört
Nächster Artikel
Ungemach um Dornröschenschloss in Hofgeismar
Quelle: Settnik/dpa (Symbolfoto)

Northeim. Der Verein reagiert damit auf Vorwürfe, die Jugendkneipe hätte sich zu einem Treffpunkt der Neonazis entwickelt. Auch die beiden Neo-Nazi-Kader und ihr Freundeskreis gehörten zu den regelmäßigen Gästen.

Schon im Mitte Juni hatte der Vereinsvorsitzende Kevin Häuser auf der Facebook-Seite des Turms 2.0 deutlich gemacht, dass der Verein „völlig unpolitisch“ sei. In den Räumen des Vereins sei jeder Mensch geduldet und respektiert, „sei er schwarz, weiß, Christ, Moslem, rechts links oder neutral“. Weder rechter noch linker Extremismus werde toleriert, dazu gehöre der Versuch „der Rekrutierung für egal welche Seite“, genauso wie das Tragen von „explizit in ein Extrem gehende, verbotene Symboliken“. Besucher und Vereinsmitglieder, die gegen diese Auflagen verstießen, erhielten „umgehend Hausverbot sowie weiterführende Strafen falls nötig“.

Häuser wehrt sich gegen den Vorwurf von Antifaschisten, die Neonazis hätten im Turm, der im Dezember eröffnet hat, regelmäßig ihre Kameradschaftsabende abgehalten. „Niemand hat seine politische Meinung vertreten“, sagt er.

„Ist der Turm 2.0 wirklich unpolitisch?“, fragt Szenebeobachter Erik A.. Er wirft den Turmbetreibern vor, den Rechten zu lange Raum gewährt zu haben. „Kids, die was gegen Rechts machen wollen, trauen sich nicht rein“, sagt Wiedener. Das Verhalten der Stadt, die sowohl Eigentümerin des Gebäudes ist als auch Mitglied im Vereinsvorstand, sei „grob fahrlässig“, ergänzt Antifaschist Rune Wiedener. Gleichzeitig mangele es in Northeim an Angeboten für Jugendliche, so dass der Turm die einzige Alternative sei. Die rechte Szene sei in Northeim längst ein Teil der Jugendkultur. Rechte Ansichten gehörten fast zur Normalität, erklärt A.

Die nun erfolgte Erteilung von Hausverboten für den Turm 2.0 und die Verwehrung von Vereinsmitgliedschaften für Nazi-Kader werten Beobachter der Szene als positives Signal. „Gut, dass sich der Verein so entschiden hat. Das Problem ist erkannt“, sagt Erika Göbel vom Bündnis gegen Rechts. Auch Silke Doepner von der Koordinierungsstelle Lokaler Aktionsplan des Landkreises Northeim sieht darin einen „ersten positiven Schritt“. Jetzt müssten pädagogische Konzepte erstellt werden, um Neonazi-Sympathisanten,  Mitläufer und Aktivisten zu erreichen. Auch sie sieht das Vakuum an Jugendangeboten in Northeim, das die Rechten nutzten, Jugendliche auf ihre Seite zu ziehen.

Für Northeims stellvertretenden Bürgermeister, Jörg Dodenhöft (CDU), hat der Verein mit dem Hausverbot und Mitgliedsantrag gegen zwei „führende Akteure“ ein Zeichen gesetzt. Allerdings sieht er wenig Handhabe gegen Rechte, wenn sie sich „satzungskoform“ verhielten. Dies sei ein „Spagat“ für den Verein.

Die Polizei hat den Turm 2.0 derweil unter Beobachtung: „Wehret den Anfängen“, sagt Northeims Polizeisprecher Uwe Falkenhain.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016