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Netzwerk für ambulante Ethikberatung geht in Göttingen an den Start

Sterbehilfe Netzwerk für ambulante Ethikberatung geht in Göttingen an den Start

Ärzte, Pflegedienste und Angehörige können sich im Fall ethischer Konflikte bei der ambulanten Versorgung von Patienten künftig in Göttingen beraten lassen. Das "Netzwerk für ambulante Ethikberatung" stelle sich am 29. September der  Öffentlichkeit vor, sagte die Ärztin Ildikó Gágyor.

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Göttingen. Gágyor ist eine der Koordinatorinnen der bundesweit einzigartigen Initiative. Nach Angaben der Medizinerin sind Hausärzte und das Pflegepersonal bei ethischen Konflikten häufig auf sich allein gestellt. Viele dieser Fragen, "aber nicht alle", beträfen die Themen Tod und Sterben. Das Netzwerk könne hier Entscheidungshilfen geben.

Konkret soll zunächst eine Telefonnummer bei der Ärztekammer Göttingen für Ratsuchende freigeschaltet werden. "Ein kleiner Kreis von Personen erfährt dann von dem jeweiligen Problem und gibt eine Empfehlung", erläuterte Gágyor. Die Ethikberatung werde von eigens dafür geschulten Fachleuten aus der Medizinethik und der medizinischen Praxis angeboten.

Das Netzwerk werde zudem durch "bestehende Qualitätszirkel" wie die der Palliativmedizin unterstützt. Zusätzlich soll die Aufgabe des Netzwerkes sein, Leitlinien für ethische Konflikte der ambulanten Versorgung zu entwickeln. In einemvorgeschalteten Forschungsprojekt waren in den vergangenen Monaten die bisherigen Erfahrungen mit ethischen Konflikten in der Betreuung schwer kranker Menschen untersucht worden.

Die Präsidentin der Ärztekammer, Martina Wenker forderte am Dienstag zudem eine Ausweitung der Bundestagsdebatte zur Sterbehilfe. "Sie klammert die allgemeine Krankenhausversorgung aus. Immerhin stirbt ja fast jeder zweite Mensch im Krankenhaus", sagte die Lungenfachärztin, die auch Vizepräsidentin der Bundesärztekammer ist. Das Netzwerk besteht aus Ärzten, Pflegekräften, Patientenvertretern und Medizinethikern. Sie sollen Hausärzten und Pflegekräften helfen, die in der ambulanten Versorgung oft auf sich allein gestellt.

Wenker kritisierte eine eklatante Begriffsverwirrung bei Sterbehilfe und Suizidbeihilfe. "Jeder versteht etwas anderes darunter, das macht die Debatte so schwierig." Patienten sollten am Ende ihres Lebens nicht durch die Hand, aber an der Hand des Arztes in Würde sterben. Es gelte, den Patientenwillen wieder stärker zu respektieren. Ein Therapieabbruch auf Patientenwunsch sei kein Töten auf Verlangen, sondern ein Respektieren des Patientenwillens, sagte Wenker.

epd/dpa

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