Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Neubau am Groner Tor Göttingen: Das Areal, die Pläne und die Zukunft

„Da soll Leben hinkommen“ Neubau am Groner Tor Göttingen: Das Areal, die Pläne und die Zukunft

Seit 2008 ist das Groner Tor eines der zentralen städtebaulichen Projekte Göttingens. Vor sechs Jahren begann das Architekturbüro Ahrens & Grabenhorst sich als Sieger des ersten Investorenwettbewerbs mit dem Areal zu befassen. Inzwischen hat sich die Situation verändert: Die Architekten Gesche Grabenhorst und Roger Ahrens haben im September erste veränderte Pläne für den Neubau vorgestellt.

Voriger Artikel
Jugendraum im Container in Parensen wird eröffnet
Nächster Artikel
Göttinger Pflege-Forum: Experten geben 350 Gästen Informationen

Eine Vorstellung von Größenverhältnissen am Groner Tor: Roger Ahrens und Gesche Grabenhorst mit dem Model für den von ihnen entworfenen Gebäudekomplex.

Quelle: Brünjes

Göttingen. Am Montag, 24. November, werden sie ihr Konzept und neue Entwürfe bei einer Bürgerinformation präsentieren.

Anfangs sollte es ein Gebäude für ein Hotel und einen Discounter werden an der Groner Landstraße. Nun, nach Investorenwechsel und neuen Plänen, geht es um ein Hotel und ein Bürogebäude auf dem 7400 Quadratmeter großen Areal neben dem Zoologischen Institut der Universität Göttingen. Immer wieder hat das Team von Ahrens und Grabenhorst sich auf die neue Lage eingelassen.

„Das Projekt wird dichter und besser“, erklärt Architektin Gesche Grabenhorst – und, daraus macht sie keinen Hehl, es „ist ein sehr anstrengendes Projekt“, das seit Vorstellung der Entwürfe im September wegen der Fassadengestaltung und des Verfahrens heftig kritisiert wird.

„Bilder machen es schnell falsch“

„Wenn man ein größeres Projekt baut, das den öffentlichen Raum besetzt, dann ist es in Ordnung, wenn es politisch diskutiert wird“, sagt Roger Ahrens. Die Bedeutung des Groner Tors für die Erschließung der Innenstadt ist groß.
Die heftig geführte Diskussion, so Grabenhorst, habe sie in der Art und Weise überrascht. Andererseits stelle sie fest, dass die Bürgerbeteiligung zunehmend zur Legitimation für die entscheidenden politischen Gremien genutzt werde.

Diese Beteiligung zum frühen Zeitpunkt sei richtig. In Göttingen basiere die derzeitige Diskussion aber vor allem auf einem Vorentwurfsbild, das einen Zwischenstand zeigt. „Bilder machen es schnell falsch“, erklärt Grabenhorst, da es sich um eine Animation handele wie sie bei Wettbewerben neben Modellen und Lageplänen üblich sei.

Aber auf dem Entwurf ist nicht erkennbar, dass es sich um zwei eigenständige Gebäude handelt, die verzahnt sind: Ein Hotel und ein Bürogebäude für die Sparkasse Göttingen nach Vorgaben der Nutzer und des Investors Borzou Rafi-Elizei mit seiner Firma EBR Projektentwicklung.

Campus mit einem großen Innenhof

„Im Moment haben wir dort eine etwas unwirtliche Situation“, so Ahrens, die er so verbessern will, dass der Raum für die Öffentlichkeit attraktiv wird. Eine helle Ansicht Richtung Innenstadt mit einem Platz, der Hotel und Zoologie verbindet. „Sechsgeschossig zur Stadt, dann kommt ein viergeschossiger Teil, und dann der sechsgeschossige Bau der Sparkasse Richtung Bahnhof.“

Dass die Höhe der Gebäude dem entgegenwirken könnte, ist ihre Sorge nicht. Gleich hinter der Bahn und entlang der Berliner Straße gebe es diese Geschosshöhen auch. „Und die Dichte der Göttinger Altstadt, die jeder liebt, hat die auch“, sagt Ahrens, aber dort werde das anders angenommen.

Am Groner Tor „wird es ein Riesenareal werden, wunderschön. Es wird den tristessen Blick zur Bahn nehmen. Wie ein Campus mit einem großen Innenhof“, beschreibt Grabenhorst die neue Sicht vom Wall. Neue Architektur neben dem 1877 als Museum entstandenen Universitätsgebäude.

„Eine andere Wertigkeit erhalten“

Was sie planen, so Ahrens, „wird eine absolut hochwertige Architektur, die alle Nachhaltigkeitskriterien erfüllt.“ Auf etwa 50 Millionen Euro sind für die Gebäude kalkuliert.

Die Fassaden mit Natur-, Ziegel- und Werksteinen sollen zum Farbspektrum der sandsteinfarbenen Göttinger Gebäude passen. Aus den Anforderungen der Nutzer, der Gräfliche Landsitz Hardenberg für das Hotel und die Sparkasse Göttingen für das Bürogebäude, ergeben sich zwei unterschiedliche, prägnante Gebäude mit verschiedenen Ansichten in ähnlichem Stil. Damit verdeutlichen die Architekten auch, dass ein  ein Hotel anders funktioniert und aussieht als ein Bürohaus.

Dieses benötige eine völlig andere Organisation von Räumen mit einem modularen System. „Dieses Gebäude müssen wir so bauen, dass es flexibel mitwachsen kann und auf die nächsten 50 Jahre reagieren kann“, war für die Architekten das Ziel.

Und durch die seit Mai 2013 spruchreifen Pläne der Universität, im Zoologischen Institut das Haus des Wissens mit Sammlungen und Präsentationen unterzubringen, hat das Areal „eine andere Wertigkeit erhalten“, sagt Grabenhorst. Es mache das Projekt spannender, weil jetzt eine Verbindung zum Nachbargebäude gewollt sei. So gehe es um Synergieeffekte wie Café-Betrieb auch für das Haus des Wissens oder Tagungsangebote für wissenschaftliche Konferenzen.

Attraktive und urbane Räume schaffen

Ahrens sieht das Zoologie-Gebäude, dessen rückwärtige Anbauten überhaupt nicht mit der repräsentativen Front korrespondieren, noch im Dornröschenschlaf. Auch dort könne einiges geschehen, um zwischen den Neu- und Altbauten „qualitativ hochwertige Innenräume entstehen“ zu lassen.

Aber zur Berliner Straße hin kann die Zoologie ein Portal bieten, das zum Hereinkommen auffordert. Das sollen die Arkaden des Hotels ebenso erreichen wie der Eingangsbereich des Sparkassen-Hauses an der Groner Landstraße, dass Menschen diese Adresse wahr- und annehmen. Ahrens und Grabenhorst wollen diese Räume so gestalten, dass sie genutzt und als attraktiv, urban wahrgenommen werden.

Derzeit ist dort nur Verkehrsfläche. Aber auch das soll sich ändern: Ein Freiraumwettbewerb, bei dem es um die Verbesserung der umliegenden Plätze und Straßen geht, ist von Stadtverwaltung und Investoren bereits auf den Weg gebracht.

„Da soll Leben hinkommen“

Vor allem das Hotel werde dafür sorgen, dass der jetzt noch dunkle, unbelebte Ort sich verändern wird. „An so einer Stelle, einem so vermeintlich schwierigen Ort, wird das eine Aufwertung“, versichert Architekt Ahrens. Und das, so Grabenhorst, sei in Göttingen noch nicht klar geworden, dass hier ein wichtiger Stadtbereich belebt und neu gestaltet werden kann, um einen Ort der Begegnung zu schaffen: „Da soll Leben hinkommen“ – und es soll dort nicht nur darum gehen, dass die Autos schneller zur Autobahn kommen.  

Die Informations- und Diskussionsveranstaltung zur Fassadengestaltung des Neubau-Projektes am Groner Tor beginnt am Montag, 24. November, um 19 Uhr im Zoologischen Institut, Berliner Straße, Großer Hörsaal. Stadtbaurat Thomas Dienberg, Mitarbeiter der Bauverwaltung, der Firma EBR Projektentwicklung und des Architekturbüros werden Geschichte und aktuellen Stand des Bauvorhabens darstellen.

Eine Chronik der Ereignisse

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Kontrollaktion gegen Smartphones im Straßenverkehr