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Neubau am Groner Tor Göttingen: Neue Varianten vorgestellt

Architekten und EBR präsentieren überarbeitete Entwürfe Neubau am Groner Tor Göttingen: Neue Varianten vorgestellt

Die Diskussion um den geplanten Sparkassen- und Hotel-Komplex am Groner Tor geht weiter. Erneut haben sich die Architekten Roger Ahrens und Gesche Grabenhorst mit den Fassaden beschäftigt. Die EBR Projektentwicklungs-GmbH hat gestern drei neue Varianten vorgestellt, die sich jedoch nur in Details unterscheiden. An Höhe und Anordnung halten die Planer fest, „die Gebäudeteile korrespondieren mit ihrer Umgebung“, sagt Ahrens.

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Groner Tor: Variante 1 mit Blick auf das Hotel hinter der Zoologie.

Quelle: Ahrens / Grabenhorst

Göttingen. „Das Grundstück ist nicht einfach zu bebauen“, meint Bourzou Rafie-Elizei, geschäftsführender Gesellschafter der EBR, die als Investor den Komplex für die Sparkasse Göttingen und den Gräflichen Landsitz Hardenberg errichten will.

Zum einen stehe noch eine Untersuchung auf Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg bevor, die durch Überreste der Abbrucharbeiten sicher erschwert werde.

Außerdem gebe es eine „Grundwasserproblematik“ sowie hohe Anforderungen an den Lärm- und Schallschutz wegen der Belastung durch Straßen- und Zugverkehr. „Ein Filetstück ist das Areal erst, seit sich die Sparkasse dafür interessiert“, betont Rafie-Elizei. Er ärgert sich über „unsachlich vorgetragene Kritik“ an der Planung, „wir haben genauso viel Interesse an einer schönen Stadt, wie diejenigen, die sie jetzt proklamieren“.

Das in Nachbarschaft zur Zoologie an der Ecke Berliner Straße und Groner Landstraße gelegene Hotel greift aus Sicht der Architekten wesentliche Elemente der Fassade des Altbaus auf – so etwa die Backsteinoptik, horizontale und vertikale Linienführungen sowie Arkadenelemente. Kritische Anmerkungen, so Ahrens, seien in den neu entwickelten Varianten berücksichtigt worden.

„Wir sind gespannt auf die Reaktionen“

So gebe es bei Variante 2 einen Glas- und Stahlaufbau auf dem Sparkassengebäude, um den Höheneindruck zu mindern. Die Varianten 3 und 4 seien durch vertikale Bauelemente stärker gegliedert, und auch der Eingangsbereich würde anders strukturiert. Ob sich durch die Veränderungen Mehrkosten ergäben, „wird noch geprüft“, berichtete der Architekt. „Das ist aber kein Kriterium, das in die Waagschale geworfen wird.“

Rafie-Elizei wies während der Präsentation darauf hin, dass der Vorplatz von Hotel und Zoologie „verkehrsberuhigt“ und neu gestaltet werden solle. Ein begrünter Hinterhof über einer Tiefgarage ist hinter dem Gebäudekomplex geplant. Die Garage mit voraussichtlich 170 Stellplätzen sei nicht öffentlich, erklärte Ahrens, weshalb die Zahl der täglichen Fahrzeugbewegungen auf unter 1000 geschätzt werde.

Die neuen Varianten wurden am späten Dienstagnachmittag während einer Informationsveranstaltung in der Zoologie vorgestellt (siehe unten). „Wir sind gespannt auf die Reaktionen“, sagt Rafie-Elizei. Die EBR könne „mit jeder Variante gut leben“. Die Planer hoffen auf einen Baubeginn im zweiten Quartal des kommenden Jahres. Die Bauzeit wird voraussichtlich zwei Jahre betragen.

Von Katharina Klocke

Kritik an scharfer Kurve, Lob für neue Entwürfe

Auch nach Änderungen im Detail sind die Fronten verhärtet: Ein proportional angepasster und optisch zurückgenommener Bau schafft Ordnung und Übersicht an einer hässlichen Kreuzung mit Torfunktion für die Göttinger Innenstadt, sagen die einen. Zu massiv und dominant, unansehnlich und weit in den öffentlichen Raum greifend, kritisieren andere.

Etwa 50 Bürger diskutierten am Dienstagabend während einer zweiten Informationsveranstaltung über den geplanten Hotel- und Sparkassenkomplex am Groner Tor direkt neben der alten Zoologie – mal hitzig, aber überwiegend sachlich.

Dabei rückte die bisherige Diskussion über Gebäudegröße, Fassade und das Planungsverfahren in den Hintergrund. Inzwischen richtet sich die Kritik verstärkt gegen geplante Änderungen im öffentlichen Bereich vor dem neuen Gebäudekomplex. Das Hotel an der Ecke Berliner Straße und Groner Landstraße soll im Vergleich zu den früheren Gebäuden der Tiermedizin deutlich vorgezogen werden – auf Kosten der Flächen zur Ampelkreuzung.

Große Gefahren für Radfahrer

„Damit opfern Sie öffentlichen Raum Investoreninteressen“, kritisierte nicht nur der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Christoph Lehmann. Andere sehen in der vorgezogenen Hotelecke und der dadurch entstehenden scharfen Kurve große Gefahren vor allem für Radfahrer. „Warum können Sie den gesamten Komplex nicht weiter nach hinten schieben oder zurücksetzen“, fragten Zuhörer.

Dann würden Hotel und Bürogebäude der Sparkasse kleiner und damit für die Investoren nicht mehr wirtschaftlich tragbar, sagte Baudezernent Thomas Dienberg.

Neue Varianten zur Fassadengestaltung kamen bei den Besuchern der Infoveranstaltung gut an: deutlich ansprechender seien diese, so die vorherrschende Meinung der Bürger, auch wenn sich viele nach wie vor an der „Masse“ des Gesamtkomplexes stören.

Von Ulrich Schubert

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Lob für neue Fassaden-Ideen
Foto: Scharfe Ecke: freier Platz für Busse vor der Zoologie verschwindet.

Kopfschütteln gibt es immer wieder, inzwischen auch zustimmendes Kopfnicken. Aber dieser Satz von Architekt Roger Ahrens löst bei vielen der etwa 50 Gäste nur abfälliges Gelächter aus: „Wir wollen aus der gefühlten Enge eine Weite machen.“

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