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Neubau an Sternstraße verstößt gegen Bebauungsplan

50 Zentimeter zu hoch Neubau an Sternstraße verstößt gegen Bebauungsplan

Das Wohnhaus in der Sternstraße 7 ist zu hoch; der Neubau überschreitet die im Bebauungsplan festgesetzten Höhen. Völlig offen ist, wie es nun weiter geht: Die Verwaltung hat dem Bauherren inzwischen eine Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplanes verweigert.

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Zu hoch: geplanter Neubau an der Sternstraße.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Verwaltungssprecher Detlef Johannson bestätigt den Sachverhalt: „Es ist richtig, dass die Trauf- und Firsthöhe des Gebäudes Sternstraße 7 die im Bebauungsplan festgesetzten Höhen um circa 50 Zentimeter überschreitet.“ So habe ein Anwohner durch einen Vermesser den Verstoß feststellen und der Verwaltung das Ergebnis durch einen Rechtsanwalt mitteilen lassen, erläutert Johannson. Ein daraufhin vom Bauherren angefordertes so genanntes Höhenaufmaß habe das bestätigt.

„Wegen der Höhenüberschreitung hat der Bauherr eine Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplan beantragt. Die haben wir verweigert“, sagt Johannson. Der Bauherr sei daraufhin in ein Widerspruchsverfahren gegen diese Entscheidung gegangen, das noch läuft. Weitere Details gibt Johannson mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht.

„Grundsätzlich kann von der Bauaufsicht ein Ordnungsverfahren eingeleitet sowie ein Rückbau gefordert werden“, sagte Johannson und räumt ein, dass die geforderten Maßnahmen „aber verhältnismäßig“ sein müssten. „Dazu können wir uns äußern, wenn wir im Verfahren weiter sind.“

Bauherr ist die W&M Immobilien GmbH mit ihrem Geschäftsführer Wolfgang Wucherpfennig. Der erklärt die um knapp 50 Zentimeter abweichende Gebäudehöhe mit zusätzlich nötigen Dämmaufbauten für die Zwischendecken des fünfstöckigen Gebäudes. Diese hätten sich am Ende auf knapp 50 Zentimeter addiert. Er beteuert, dass er die Aufstockung nicht selbst veranlasst habe. Auch habe sich nichts an den Raumhöhen von 2,5 Meter in den Wohnungen oder den Bebauungsgrenzen verändert. Aus seiner Erfahrung sei ein halber Meter Höhenabweichung bei Neubauten „nicht ungewöhnlich“. Das sei „im Rahmen“, was von der Baubehörde toleriert werde.

„Neben dem Bauherrn ist der Bauleiter dafür verantwortlich, dass das Bauvorhaben der Baugenehmigung entsprechend ausgeführt wird. So will es die Landesbauordnung. Die gilt überall in Niedersachsen.“ Die Bauaufsicht der Stadt Göttingen müsse diese Kontrollen nicht unternehmen. Und weiter: „Regelmäßige Kontrollen kann die Bauaufsicht nicht durchführen, weil dafür Zeit und Personal fehlen.“

Generell gebe es „wegen vermeintlicher oder tatsächlicher Verstöße“ gegen Festsetzungen eines Bebauungsplanes „immer mal wieder Beschwerden“, sagte Johannson. „Statistisch wird das aber nicht erfasst.“

Erste Proteste bereits 2011

Bereits 2011 bei der Diskussion um den neuen Bebauungsplan für des rund 3000 Quadratmeter große Gelände in der Sternstraße hatten Anwohner die Höhe der geplanten Gebäude kritisiert. 460 Unterschriften hatten sie gegen die geplante Neubauten gesammelt. Ihre Bedenken: Durch die künftig deutlich höheren Häuser als das bisherige Stern-Kino komme es zu einer starken „Verschattung“ auf der Südseite ihres und anderer Gebäude. Unter anderem ihre Proteste hatten die Aufstellung des Bebauungsplanes für das Areal immer wieder verzögert. Erst 2012 in der Juli-Sitzung des Rates der Stadt gab es nach Änderungen grünes Licht für das Vorhaben.

Die Gebäudetiefe wurde reduziert, die Häuser bekamen statt Flachdach ein Satteldach. Ihre Höhen orientieren sich nun an der Bebauung am Feuerschanzengraben und dem Gebäude Sternstraße 10/12. Entstanden sind zwei Wohnhäuser mit Eigentumswohnungen. Im Februar 2011 gab es im traditionsreichen Sternkino nach mehr als 60 Jahren die letzte Vorstellung. 1949 hatte die Firma Hugo Stinnes die ehemalige, 1936 gebaute Reithalle in ein damals modernes Lichtspielhaus umgebaut. Das Gelände gehörte einst zur Wörth-Kaserne.

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