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Pharma-Geld für Ärzte

Zahlungen auch in die Region Pharma-Geld für Ärzte

Normalerweise erfährt kein Patient, ob sein Arzt Geld von der Pharmaindustrie erhält. Jetzt aber schon: In einer neuen Datenbank lässt sich dem nachforschen. Auch aus Stadt und Region sind zahlreiche Mediziner dabei.

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Eine eine Datenbank zeigt, dass es auch in der Region Göttingen zu Geldzuweisungen von Pharma-Firmen an Mediziner kam.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen/Essen/Hamburg. Die Recherchegruppe „Correctiv“ und Spiegel online haben die Dokumente ausgewertet, in denen 54 Pharmafirmen offenlegten, wie viel Geld sie an Ärzte in Deutschland zahlen. Das war ein Haufen Arbeit: 119 Millionen Euro haben Unternehmen der Pharmabranche im vergangenen Jahr für Vortragshonorare, Fortbildungen und Reisespesen, aber auch als allgemeines Sponsoring an insgesamt mehr als 71000 Ärzte, Fachkreisangehörige und medizinische Einrichtungen bezahlt. Und viele der Dokumente mussten, weil nicht computerlesbar, manuell ausgewertet werden.

Daraus ist im Internet eine interaktive Datenbank entstanden. Kaum verwunderlich, konzentriert sich der überwiegende Teil der Zahlungen für die Region in Göttingen. Größte Zahlungsempfänger sind das Universitätsklinikum und seine Mediziner: An die Adresse Robert-Koch-Straße 40 flossen 2015 an 58 Abteilungen und einzelne Ärzte insgesamt knapp 594000 Euro. Mindestens 150000 Euro davon sind ausweislich der Datenbank von „Correctiv“ und Spiegel Online Geld- und Sachspenden, 63500 Euro tragen das Etikett „Sponsoring“.

Gegenüber den Zuwendungen für das Universitätsklinikum nehmen sich die knapp 31200 Euro, die das Weender Krankenhaus, seine Mediziner und dort niedergelassene Ärzte von der Pharmabranche erhielten, ziemlich bescheiden aus. Darüberhinaus verteilen sich die Empfänger von Zahliungen der Pharmaindustrie über die gesamte Region: acht in Hann. Münden, drei in Duderstadt und sechs in Northeim. Weitere Ärzte, die Geld empfingen, sind über kleinere Orte in Südniedersachsen verteilt. Viele begünstigte niedergelassene Mediziner erhielten jedoch nur Summen im dreistelligen Bereich, beispielsweise für Reisekosten.

Allerdings geben die aufgearbeiteten Daten nur die halbe Wahrheit wieder – oder genauer gesagt, ein knappes Drittel: Veröffentlicht wurden nur die Namen jener Ärzte, die einer Veröffentlichung ihres Namens zugestimmt haben. Und das waren nur 29 Prozent aller Mediziner, die in den Listen der Pharmaunternehmen auftauchten.

Und nicht alle in Deutschland aktiven Pharmafirmen haben Daten veröffentlicht. Aber schließlich gibt es für Patienten, die es genauer wissen wollen, einen weiteren Weg: einfach seinen Arzt fragen.

Aufrufbar ist die Datenbank unter www.spiegel.de.

„Zum Wohle der Patienten“

. Die beiden größten Zahlungsempfänger in der Region, das Göttinger Universitätsklinikum und das Evangelische Krankenhaus Weende, rechtfertigen Zahlungen der Pharmaindustrie an medizinische Einrichtungen und Ärzte.

„Eine Zusammenarbeit zwischen Pharmaindustrie und Universitätsmedizin ist in der klinischen Forschung unerlässlich,  um die Entwicklung neuer Wirkstoffe und Therapien zum Wohle der Patienten zu ermöglichen“, erklärt das Uni-Klinikum. „Für Vereinbarungen oder Verträge, die die Universitätsmedizin Göttingen mit Pharmaunternehmen abschließt, gelten Verfahrensregelungen, um eine Einflussnahme auszuschließen.“

„Seit Jahren“, teilt das Evangelische Krankenhaus Weende mit, „genehmigen wir Unterstützungen der pharmazeutischen Industrie an Mitarbeiter oder das Krankenhaus selbst nur gegen adäquate Gegenleistungen wie Vorträge, Beratertätigkeiten beziehungsweise für Fortbildungsveranstaltungen des Krankenhauses. Wir halten uns dabei an die Empfehlungen der Niedersächsischen Ärztekammer von 2013. Alle Anträge werden vom Medizinischen Geschäftsführer auf das Äquivalenzprinzip persönlich geprüft. Außerdem wird großer Wert auf die Einhaltung des Trennungsprinzips gelegt, so dass diese Unterstützungen unabhängig von irgendwelchen Umsatzgeschäften stattfinden. Deswegen sind die Beträge im Evangelischen Krankenhaus Weende auch so gering."          

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