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Neue Funde an Alter Mensa

Göttingen: 52 weitere Skelette Neue Funde an Alter Mensa

52 mittelalterliche Skelette hat das Team um Grabungsleiter Frank Wedekind und Sabine Stoffner auf dem Hinterhof der Alten Mensa in Göttingen bereits gefunden. Seit Juni untersuchen die Archäologen das Areal am Wilhelmsplatz, das im Mittelalter ein Friedhof war.

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Ausgrabungen am Wilhelmsplatz

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Dem Göttinger Archäologen Wedekind zufolge gehörte das Gelände um den Wilhelmsplatz herum zu einem mittelalterlichen Franziskaner-Kloster, das von der Barfüßerstraße bis zur Burgstraße reichte. Dem Kloster verdanke die Barfüßerstraße auch ihren Namen, da die Franziskaner Mönche auch „Barfüßer“ genannt wurden.

Bereits im vergangenen Jahr fanden die Archäologen bei einer Grabung auf einem benachbarten Areal des Hinterhofs unter anderem 80 Gräber. „Die neuen Funde bestätigen die Theorien zu den Funden aus dem Alten Areal“ erklärt Wedekind die Relevanz der neu entdeckten Grabstätten.

„Über das Kloster, zu dem der Friedhof gehört, weiß man eine Menge. Es ist auf ganz vielen alten Stadtplänen zu finden. Das Kloster wurde in den 1260ern erbaut und 1835 abgerissen“, erklärt der Grabungsleiter. „Es wurde während der Reformation aufgegeben. Die Stadt hat die Mönche verjagt und die Klosterkirche dann als Waffenmagazin genutzt. Deswegen wissen wir so viel darüber.“ Die Grabung betrifft das Areal hinter der Alten Mensa.

Die Grabungsfirma Streichardt & Wedekind wurde von der Göttinger Universität beauftragt, das rund 60 Quadratmeter große Areal bis Mitte August zu untersuchen. Bislang hat das Team zusätzlich zu den 52 Gräbern unter anderem Stoffreste, mehrere Nägel, zwei Brunnen und einige Scherben entdeckt. „Die Scherben könnten aus der Zeit der Bandkeramik stammen. Außerdem sind wir auf ein Feuersteinartefakt gestoßen, das vielleicht auch bandkeramisch ist“, sagt Wedekind. Die Nägel seien ein wichtiger Fund, da sie Auskunft über die Konstruktion der Särge geben. „Durch die Nägel wissen wir, dass die Toten zu der Zeit in Holzsärgen bestattet wurden.“ Die beiden Brunnen stammen dem Archäologen zufolge aus der Zeit nach 1533, also aus der Zeit nach dem Ende der Reformation.

Man kann durch die Bestattungen sehr viel über die Lebensweise der mittelalterlichen Göttinger herausfinden. Beispielsweise erfahren wir etwas über Ernährungsgewohnheiten, Krankheiten und sehr viele andere Dinge“, erläutert der 43-jährige Grabungsleiter. Die Bestattungsfunde sollen von der Anthropologie der Universität untersucht und für wissenschaftliche Arbeiten genutzt werden.

Die Archäologen fanden auch eine große Grube mit Brandschutt. „Wir vermuten, dass Herzog Albrecht II das Areal, das brandverwüstet war, den Franziskanern für den Bau eines Klosters geschenkt hat.“ Außerdem gehört auch „vor-klösterliche Keramik“, die auf 1200 und auf einige Zeit davor datiert wird, zu den Funden, so Wedekind.

Die Vergangenheit des Wilhelmsplatzes

Teile der Bausubstanz der Alten Mensa gehen bis auf das Franziskaner-Kloster aus dem 13. Jahrhundert zurück. Das Gebäude wurde als Kirche, Kloster, Theater, Kino und als Mensa der Göttinger Universität genutzt. Im Jahr 1920 wurde dort von einem Studentenverein die erste Mensa Deutschlands eröffnet – daher der Name „Alte Mensa“. Nach einem Umbau und einer Restaurierung wurde sie als neues Tagungs- und Veranstaltungshaus am 16. Februar 2016 wiedereröffnet.

Von Alisa Altrock

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