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Neue Stolpersteine erinnern in Göttingen an NS-Opfer

Gedenken geht weiter Neue Stolpersteine erinnern in Göttingen an NS-Opfer

Weitere zehn Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer der nationalsozialistischen Diktatur sollen in Göttingen verlegt werden. Das bestätigt Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck (SPD).

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Stolpersteine im Göttinger Papendiek.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Seit März liegen bereits zehn Stolpersteine in Göttingen: vier Stolpersteine für die Familie Katz in der Groner Straße, im Papendiek fünf Stolpersteine für die Familie Asser sowie ein Stolperstein für Hermann Hirsch in der Weender Landstraße. Genauer Ort und genaue Zeit der Verlegung für die kommenden zehn Stolpersteine stehen noch nicht fest, so Schlapeit-Beck.

 
Die sich mit dem Thema befassende Arbeitsgruppe treffe noch letzte Vorbereitungen, damit der Kölner Künstler Gunter Demnig die Steine voraussichtlich im Februar 2016 in das Pflaster einlassen könne. Die Federführung der Gruppe unterliege der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Göttingen, sagt Ernst Böhme. Außerdem agieren der Göttinger Geschichtsverein, Pädagogen weiterführender Schulen und die Stadt Göttingen in der Arbeitsgruppe. Der Leiter des Stadtarchivs und des Städtischen Museums geht genauer auf deren Arbeitsweise ein: Im Vorfeld müsse herausgefunden werden, welche Personen überhaupt infrage kämen. „In Göttingen gibt es ein Spezifikum“ für das über Deutschland hinausreichende Projekt, so Böhme. Nur die Namen jener NS-Opfer sollen auf den Stolpersteinen zu lesen sein, deren Nachkommen und Angehörige auch ausdrücklich damit einverstanden sind. Die Zustimmungen müssten eingeholt werden. Darauf stehe die dazugehörige Recherchearbeit an: der geschichtliche Ablauf und die Biografie der Opfer müsse nachvollzogen werden. Außerdem müssten die Laudationen, die bei der Steinverlegung gehalten werden, auch vorbereitet werden, so Böhme.

 
Weiterführende Schulen seien in die Vorbereitung sowie in die spätere Stolpersteinverlegung einbezogen, sagt Schlapeit-Beck. So werde etwa im Geschichtsunterricht über das Projekt gesprochen, die entsprechende Recherche geleistet sowie Laudationen vorbereitet. Die kommende Verlegung solle eine öffentliche Veranstaltung sein, die zu einem „Ereignis gemacht werden“ soll, sagt die Sozialdezernentin. Eine Vorauswahl von „Namen für die übernächste Verlegung“ stehe auch schon fest, berichtet Schlapeit-Beck. Doch Künstler Gunter Demnig würde sich zurzeit nur auf einen Termin pro Jahr einlassen.

 

Von Friedrich Schmidt

 

Informationen zu den NS-Opfern

Seit 2000 verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig, der das Projekt initiiert hat, die Stolpersteine.  Auf den Steinen, die ins Pflaster eingelassen werden, befinden sich Messingplatten, auf denen Informationen zu den NS-Opfern eingraviert sind. Demnig hat in den vergangenen Jahren in Deutschland und anderen Ländern schon rund 50 000 Stolpersteine verlegt. Die meisten zeigen die Namen verfolgter Juden – einige erinnern aber auch an Sinti und Roma, Homosexuelle und andere Opfer der Nazi-Diktatur.

 
In Göttingen wurde das Projekt seit 2002 kontrovers diskutiert und deshalb immer wieder auf Eis gelegt. Hauptgrund waren Einwände, die das Jüdische Lehrhaus und später die konservative Jüdische Kultusgemeinde gegen das Verlegen der Steine vorbrachten. Die jüdische Kultur und die Namen der Opfer würden mit Füßen getreten, hieß es.

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