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Neue Video-Beratungs-Methode „Marte Meo“

Awo-Familienhilfe Göttingen Neue Video-Beratungs-Methode „Marte Meo“

„Etwas aus eigener Kraft“ erreichen – dafür steht die Methode „Marte Meo“. Die Sozialpädagogische Familienhilfe der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Göttingen gGmbH zählt das auf eigene Stärken ausgerichtete Video-Beratungskonzept für Eltern und Kinder zu ihren Angeboten.

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Sozialarbeiter und Marte Meo-Therapeut Daniel Schütz und Mutter Sandra Müller schauen sich gemeinsam einen Videoclip an, der die Mutter mit ihrem Sohn Hamsar zu Hause in einer positiv verlaufenden Interaktion zeigt.

Quelle: Niklas Richter

Göttingen. „Guck mal, was ich für ein Auto habe“, sagt Hamza. „Ey cool, zeig mal“, sagt seine Mutter und nimmt das Spielzeugauto, das ihr Sohn ihr entgegenstreckt. Hamza strahlt. Der Neunjährige freut sich ganz offensichtlich. Seine Mutter schaut sich das kleine Auto an und fragt auch gleich nach „Was ist denn das …?“

Wenige Sekunden dauert die Filmsequenz, die Sandra Müller und ihren Sohn in einer Alltagssituation zeigt und die, wie zahlreiche andere Filmausschnitte, beiden sehr weitergeholfen hat. „Durch Marte Meo habe ich ganz viel gelernt. Erst mal gucken, ob wir es alleine klären können. Überhaupt mir bewusst werden, was mein Kind braucht. Auch ganz viel nonverbal.“

Die dreifache, alleinerziehende Mutter bilanziert die ein Jahr dauernde Unterstützung durch die Marte-Meo-Methode als Erfolg für sich, Hamza und ihre fünf- und siebenjährigen Töchter.. „Ich bin wesentlich ruhiger geworden.“ Auch die Beziehung zu ihrem Sohn sei verbessert worden. „Das Band wird fester geknüpft.“

„Das Besondere an der Methode Marte Meo ist, dass es um das Sichtbarmachen der eigenen Stärken geht und um positive Momente.“ Dies erklärt Daniel Schütz vom Team der Sozialpädagogischen Familienhilfe Awo Göttingen gGmbH, der Sandra Müller und ihren Sohn im vergangenen Jahr begleitet hat. „Es ist eine Einladung zur Entwicklung mit dem Fokus auf gelingende Interaktionen zwischen Eltern und Kindern“, ergänzt der Sozialarbeiter, der seine berufsbegleitende Ausbildung zum Marte-Meo-Therapeuten im März abgeschlossen hat.

Finanziert durch den Auftraggeber

„Eingebettet ist das das Video-Beratungskonzept in Sozialpädagogische Familienhilfe oder eine Erziehungsbeistandschaft“, erläutert Susanne Hobert, Leiterin der ambulanten Awo-Familienhilfe. Finanziert werde das Angebot jeweils durch den Auftraggeber, wie beispielsweise das Jugendamt der Stadt Göttingen.

2014 habe sie mit dem Jugendamt Kontakt aufgenommen, berichtet Sandra Müller. „Es ging gar nichts mehr.“ Wenn man Unterstützung in Fragen der Erziehung brauche, könne man sich an das Jugendamt als ersten Ansprechpartner wenden, so Schütz. Zu dessen Aufgaben zähle, wenn angesagt, Hilfe einzuleiten. Der examinierten Krankenschwester wurde schließlich die in den 90er-Jahren entwickelte Marte-Meo-Methode vorgestellt. Die Maßnahme lief schließlich, federführend vom Jugendamt Göttingen begleitet, im Sommer 2016 an. Wöchentlich wechselten Filmaufnahmen und Besprechungen.

„Hamza ist sehr passiv. Er mag von sich aus gar keine Spielideen entwickeln und braucht Anleitung dazu, miteinander zu spielen“, erläutert Schütz den Anlass, die Therapie aufzunehmen. „Bei den Videoaufnahmen gibt man ein Thema vor, was man denn machen kann.“ Auch könne der Fokus immer wieder verändert und angepasst werden.

Kamera steht auf einem Stativ

Die Filmaufnahmen werden in Alltagssituationen gemacht. Die Kamera steht auf einem Stativ und läuft ohne weitere Begleitung mit. Aus den Filmen werden dann Sequenzen herausgeschnitten, die gelingende Situationen zeigen.

Ziel sei es, im sogenannten Review, beim Anschauen des Films, den Eltern zu zeigen, wo das Kind steht, was es schon gut entwickelt hat und wo die Eltern dies gut begleiten. Zudem gehe es darum, festzulegen, welche neuen Entwicklungsschritte sich hieraus ergeben und wie diese durch die Eltern positiv unterstützt werden können. Schütz: „Es geht darum, herauszukitzeln, was schon gut läuft, um dann daran anzuschließen.“ Müller: „Man merkt auch den Erfolg. Das ist etwas sehr Positives.“

Sozialpädagogische Familienhilfe

Seit 1984 bietet die Arbeiterwohlfahrt in Göttingen Sozialpädagogische Familienhilfe an. Zum Portfolio gehören unter anderem Sozialpädagogische Familienhilfe, Erziehungsbeistandschaft, Familienhilfe für psychisch kranke Eltern und Kinder sowie Patenschaften für Kinder psychisch kranker Eltern. In enger Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Träger der Jugendhilfe unterstützen zwei Fachkräfte-Teams Eltern und ihre Kinder bedarfsgerecht. Die Sozialpädagogische Familienhilfe fördert und stärkt Eltern bei der Bewältigung ihrer Erziehungsaufgaben nach dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe. Die neun Mitarbeiter zählende Familienhilfe hat ihren Standort in Göttingen, Untere Karspüle 12. Weitere Infos unter Telefon 0551/38445850, E-Mail: s.hobert@awo-goettingen.de.

Von Karola Hoffmann

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