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„Neue Wege gehen“: Innovationspreis 2015 des Landkreises Göttingen

Thema des Tages: „Neue Wege gehen“: Innovationspreis 2015 des Landkreises Göttingen

Unter dem Motto „Neue Wege gehen“ startet der Innovationspreis 2015 des Landkreises Göttingen in seine 13. Runde. Ab Anfang März kann sich jeder mit einem innovativen Produkt, einer innovativen Dienstleistung oder einfach mit einer innovativen Idee bewerben. Nur: wozu eigentlich? Das Tageblatt gibt Antworten.

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Hatten neue Ideen für innovative Produkte und Dienstleistungen: die Teilnehmer des Innovationspreises 2014 bei der Preisverleihung im Deutschen Theater.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Geld allein macht nicht glücklich – nicht mal in der Wirtschaftsförderung. „Wir richten den Blick der Unternehmen auf alle Dinge, die für ihren Erfolg wichtig sind“, sagt Detlev Barth, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Göttingen (WRG). Als Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Göttingen berät die WRG Unternehmer nicht nur zu finanziellen Förderungsmöglichkeiten. Genauso wichtig ist die Begleitung im unternehmerischen Alltag von der Existenzgründung bis zur Nachfolge. Die WRG soll Unternehmen erfolgreich machen. Aber ist dieser Erfolg eigentlich messbar?

Für Barth beginnt seine Arbeit schon in kleinen Dingen: „Wenn alle 37 Passwörter einer Firma nur im Kopf der Geschäftsführerin existieren, gibt es ein Problem.“ Im Beratungsalltag bieten er und sein Team oft ganz pragmatische Hilfe an. „Bei alltäglichen Fragen wie beispielsweise der Immobiliennutzung lassen Unternehmen viel Geld liegen“, sagt Barth, der Geschäftsführern auch schon geraten hat, ihre Büroräume zu verkleinern. Beratungsformen sind offene Informationsveranstaltungen, Ortsbesuche oder natürlich die Individualberatung.

Die Themenspanne reicht von der Existenzgründung über Wissenstransfer bis zur Ansiedlungsberatung. Ein weiteres Förderungsinstrument, das sich in der Zeit zu einem zentralen Forum für lokale Entscheider entwickelt hat, existiert seit 2003: Der Innovationspreis des Landkreises Göttingen soll Ideen fördern, die die regionale Wirtschaft weiter voranbringen. In drei nach der Mitarbeiterzahl gestaffelten Kategorien vergibt die Fachjury je drei Preise, die mit 1000 bis 3000 Euro dotiert sind – angesichts der Entwicklungs- und Personalkosten mancher Erfindungen sind diese Beträge nicht mehr als ein Taschengeld.

„Forum für Ideen“

Kostja Hausdörffer, der an der Göttinger Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Wirtschaftsförderung und Regionalmanagement studiert und ein Praktikum bei der WRG absolviert, erklärt, warum das Format dennoch beliebt ist: „Es geht ganz maßgeblich um die Bekanntheit von Unternehmen und Innovationen. Auf der Mikroebene haben wir den Innovationspreis, auf der Makroebene ist er in eine Netzwerkumgebung eingebettet. In der Wissenschaft wird die Wirtschaftsförderung nämlich vor allem als Initiator von Netzwerken gesehen“, so Hausdörffer.

Das Netzwerk des Innovationspreises hat übrigens auch einen Namen: Das „Forum für Ideen“ wurde von ehemaligen Teilnehmern gewünscht, die stärker miteinander in Kontakt treten wollten. Laut Hausdörffer habe sich tatsächlich gezeigt, dass ein Drittel der Unternehmer durch hier initiierte Kooperationen neue Produkte geschaffen haben. In einer Studie der WRG wurde die Effizienz dieses Netzwerks im vergangenen Jahr untersucht: Die standardisierte schriftliche Befragung von 55 Teilnehmern förderte zutage, dass 60 Prozent von ihnen neue Geschäftsbeziehungen knüpfen konnten. 92 Prozent waren der Ansicht, dass die Veranstaltung einen „mittelmäßig bis ziemlich großen allgemeinen Nutzen“ habe – das Format scheint seinen Zielen also gerecht zu werden (siehe Grafik links).

In einer Studie der Privaten Hochschule Göttingen (PFH) wurde die Effizienz des Innovationspreises schon 2010 unter die Lupe genommen: 85 Prozent der 136 Umfrageteilnehmer gaben gaben als Teilnahmegrund die Aufmerksamkeit für ihre Innovation an, für 60 Prozent stand auch das Netzwerken im Vordergrund. Eine Zahl imponiert allerdings besonders: 85 Prozent der Unternehmen konnten durch die Entwicklung einer Innovation weitere Arbeitsplätze schaffen. Die Unterstützung des Entwicklungsprozesses durch die Schaffung einer öffentlichkeitswirksamen Plattform und eines Netzwerkes scheint durch den Innovationspreis also gegeben zu sein. Geld, so zeigt ein Blick auf die Arbeit der WRG, ist zwar wichtig – aber eben längst nicht alles.

Von Jonas Rohde

Bewerber mit guten Ideen gesucht

Gesucht werden innovative Produkte, Verfahren, Dienstleistungen, Prozesse, Geschäftsideen oder einfach gute  Ideen.Für den Innovationspreis bewerben kann sich jeder, ganz gleich ob Gründer, Unternehmen, Institution, freier Träger oder Einzelperson. Es gibt drei Kategorien:   

Gründerund Jungunternehmer (bis 2 Jahre)

Bewerber mit bis zu 20 MitarbeiterInnen

Bewerber über 20 MitarbeiterInnen

Für die besten drei Innovationen jeder Kategorien gibt es Geldpreise zwischen 1000 und 3000 Euro. Für Fragen oder Hilfestellungen zur Bewerbung steht die WRG unter Telefon  05 51 / 99 95 49 8 -2 oder 4 sowie per E-Mail unter info@wrg-goettingen.de zur Verfügung.

 
Öffentlichkeit und Anerkennung

Vielfältig sind die Gründe, sich um den Innovationspreis zu bewerben. Manche suchen nach Jahren des zurückgezogenen Tüftelns und Ausprobierens die öffentliche Anerkennung. Andere versprechen sich eine Erleichterung bei der Markteinführung ihres Produkts. Dann gibt es die Unternehmer, die sich mit innovativen Firmen der Region messen, aber auch mit ihnen vernetzen wollen.

Um die Steigerung der Bekanntheit eigener Produkte geht es vielen Existenzgründern. Günther Michalke von der Firma GTM Fahrzeugbaumodule etwa ist dabei, den Greifus, seine Abschlepphilfe für Sattelanhänger, am Markt zu positionieren. Dabei hilft ihm nun der erste Platz, den er beim Innovationspreis in der Kategorie der kleinen Firmen machte. Daniel Frank von der Firma Goechem hat ein digitales Chemikalienkataster für den naturwissenschaftlichen Bereich entwickelt.

Manchmal erschweren falsche Vorstellungen bei Kunden den Verkauf. „Viele Menschen verbinden mit Pellet-Heizungen einen hohen Feinstaub-Ausstoß“, weiß Dominic Umscheid von der Firma Solarvent aus Bad Gandersheim. Bei seinen Anlagen, mit denen er den Sonderpreis Umwelt holte, liegt die Belastung dagegen weit unter den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten.

Sich immer wieder neu herausfordern will die Firma Grünewald aus Scheden. Sie hat mehrfach am Innovationspreis teilgenommen, zuletzt mit einem Drainagesytem für Duschen und Badewannen. Auch André König, der geschäftsführende Gesellschafter der Göttinger Firma Erpa, macht seit Jahren mit immer neuen Projekten beim Wettbewerb mit. „Nicht zuletzt Innovationen sichern den Erfolg eines Unternehmens“, betont er. König hebt auch den Netzwerk-Charakter hervor. Die Treffen ermöglichen es Inhabern kleiner Firmen mit Verantwortlichen großer Unternehmen der Region ins Gespräch zu kommen.

Um eine Imageverbesserung der eigenen Branche geht es dem Moringer Nebenerwerbslandwirt Bernd Bundstein von der Direktsaat GmbH. „Innovationen gibt es nicht nur bei den Hightech-Firmen im Umfeld der Göttinger Universität“, sagt er. Er hat sich mit einem neuartigen Saatverfahren um den Preis beworben, bei dem der Boden nicht mehr gepflügt werden muss.

Von Michael Caspar

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