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Neuer Golfplatz in Geismar: Das sagen die Betreiber anderer Golfplätze

„Wir sind bei Weitem nicht ausgelastet“ Neuer Golfplatz in Geismar: Das sagen die Betreiber anderer Golfplätze

Ein geplanter neuer Golfplatz bei Geismar auf einer Fläche von 75 Hektar ist weiter umstritten. Einer der Kritikpunkte: In Südniedersachsen gebe es bereits fünf Golfplätze zwischen Einbeck, Harz und Staufenberg – ein weiterer Platz sei überflüssig.

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Der schottische Golftrainer Neil Reid zeigt im Golfclub Rittergut Rothenberger Haus, wie‘s geht.

Quelle: Richter

Göttingen. Die Initiatoren hingegen sind sicher, dass es für ihren geplanten Volks-Golfplatz mit einer eigenen Zielgruppe dennoch einen Bedarf gebe. Dabei richten sie ihr Augenmerk vor allem auf eine weitgehend öffentliche und jeder Zeit frei zugängliche Anlage, die ohne hohe Clubbeiträge genutzt werden kann. Nach dem Motto „pay and play“ sollen Interessierte spontan kommen und eine Runde oder einen Tag spielen können. Ist das auch auf den anderen Golfanlagen möglich? Und sind sie ausgelastet?

„Wir sind bei Weitem nicht ausgelastet“, sagt Norbert Hoffmann, Geschäftsführer des Golf- Clubs Hardenberg auf dem Gut Levershausen. Dabei gibt er für die große Profianlage eine Quote von immerhin 50 Prozent an. Ein 6-Loch-Kurs für Nicht-Clubmitglieder und Anfänger sei hingegen wesentlich schlechter frequentiert. Dort könnten an einem Sechs-Stunden-Tag etwa 180 Gäste spielen, im Schnitt sei es aber kaum mehr als eine Handvoll. Dieser offene Spielbetrieb trage sich bei Eintrittspreisen von zehn Euro je Start für Erwachsene und fünf Euro für Kinder allerdings nicht selbst. Er werde über die Vereinsstruktur des Clubs gefördert. Das große Clubareal werde von den 1330 Clubmitgliedern und etwa 10 000 nationalen Gästen im Jahr genutzt.

Auch auf der 18-Loch-Anlage des Golfclubs Rittergut Rothenberger Haus bei Duderstadt dürfen nur Mitglieder eines Vereins im Deutschen Golfverband spielen. Allerdings gibt es auch hier nach Angaben der Betreiberin Johanna Elsner von der Malsburg eine kleinere offene Anlage für Anfänger  (fünf Euro Tagesgebühr). Beide seien „gut ausgelastet, aber wir haben noch Luft“. Das Göttinger Modell sehe sie als eine „sehr interessante Ergänzung“, die vielleicht viele neue Spieler für den Golfsport motivieren könne: „Ich freue mich darauf“.

Der Golf-Club Harz bei Bad Harzburg bietet keinen öffentlichen Bereich für Hobby-Spieler an. Auch auf dem Platz des Golf-Clubs Leinetal-Einbeck darf nur spielen, wer Platzreife oder Mitgliedschaft eines anerkannten Golfclubs besitzt, sagt Sprecher Arndt Windhorst. Es habe zwar Überlegungen gegeben, einen 6-Loch-Platz wie in Levershausen anzulegen, das sei aber aus Platzgründen und finanziell nicht darstellbar gewesen. Außerdem fehle die Nachfrage.
In Göttingen könne ein Volks-Golfplatz aber durchaus funktionieren, sagt Windhorst. „Das halte ich für eine gute Idee.“ Dort gebe es wegen der vielen Studenten eine jüngere Klientel. Zudem könne man auch Interessierte aus dem Bereich Witzenhausen ansprechen.

Dass sich vor allem Naturschützer um teilweise bedrohte Vögel und andere Tiere sorgen, deren Lebensraum durch den Golfplatz in Geismar zerstört werde, kann Windhorst nachvollziehen. Aber auch an einem Golfplatz siedelten sich Tiere und Pflanzen an, sagt er. Die Ideengeber weisen die Vorbehalte der Naturschützer ebenfalls zurück und versichern, dass die Anlage nur genehmigt würde, wenn ökologische Vorgaben eingehalten würden.
Der Betreiber des Golf-Resorts Gut Wissmannshof in der Gemeinde Staufenberg war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Von Andreas Fuhrmann und Ulrich Schubert

Riskiert die Stadt Steuergeld?

Göttingen. Kritiker beklagen immer wieder, die Stadt und ihre Göttinger Sport und Freizeit GmbH (GöSF) Steuergeld zu Lasten anderer wichtiger Projekte auf Spiel setze, wenn sie einen Golfplatz baue oder finanziell unterstütze. Das sei schlicht falsch, sagt dazu GöSF-Chef Alexander Frey: „Die Stadt und ihre GöSF will einen Golfplatz weder planen, bauen noch betreiben.“ Und er ergänzt: „Uns motoviert allein die Entwicklung des Sports in Göttingen.“ Sei Golf als weiteres Angebot in der Stadt politisch gewollt, würde die GöSF das Gelände dafür ausweisen und vorhalten - ohne finanzielles Risiko, auch nicht in Form einer Bürgschaft.

Das Risiko liege allein beim Investors ob als Privatunternehmen oder genossenschaftliche Gruppe. Im schlechtesten Fall könne die GöSF Pachteinnahmen für die zur Verfügung gestellte Fläche verlieren - „und das ist nicht anders als jetzt auch für die verpachteten Ackerflächen"

Von Ulrich Schubert

 

Investor und Betreiber tragen Risiko

Geismar. Erhebliche Zweifel an den bisherigen betriebswirtschaftlichen Angaben der Ideengeber und möglichen Nutzerzahlen eines neuen Volks-Golfplatzes in Göttingen hat der Adelebser Andreas Vogelsang. Mehr als 1000 interessierte clubunabhängige Spieler in Göttingen „ist irre“, kommentiert der langjährige Golfspieler eine entsprechende Aussage von Alexander Frey, Geschäftsführer der Göttinger Sport und Freizeit GmbH (GöFS). Auch die Berechnungen der Planer zu den Betriebsausgaben und möglichen Einnahmen seien „extrem geschönt“.

Vogelsang hat nach eigenen Angaben acht Jahre lang als Office-Manager einen Golfclub geführt. Er gehe davon aus, dass  die geplante Anlage bei Geismar bei einer 30-prozentigen Auslastung maximal 300 000 Euro im Jahr einbringen würde. Damit könnten vielleicht die laufenden Betriebsausgaben für Personal, Grünpflege und Pflegematerial von Grassamen bis Diesel für Mäher ausgeglichen werden, sagt Vogelsang. Aber: „Über die Millioneninvestition für den Bau und die verschiedenen erforderlichen Geräte haben wir dabei noch gar nicht geredet.“ Zumal der Markt nach seinen Beobachtungen gesättigt und ein kurzzeitiger Golf-Boom bereits wieder vorbei sei.

Solche „Zahlenspiele“ seien für die GöSF als vorbereitende städtische Einrichtung „im Moment gar nicht maßgeblich“, kontert ihr Geschäftsführer Frey. Zurzeit gehe es nur darum, ob Golf in Göttingen sportpolitisch gewollt sei und die Stadt dafür eine Fläche ausweise und vorhalten solle. Wenn das am Ende der jetzigen Diskussion bejaht werde, müsse die Politik entscheiden, ob die Konzepte eines oder mehrerer Investoren ihren Vorstellungen entsprechen und auch betriebswirtschaftlich realistisch sind. Das finanzielle Risiko dabei trage dann allein der Investor und Betreiber.

Von Ulrich Schubert

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