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Neujahrsempfang 2016 der Stadt Göttingen

„Wir müssen und wir werden das schaffen“ Neujahrsempfang 2016 der Stadt Göttingen

Die Flüchtlingssituation in Göttingen hat Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) am Dienstagabend in dem Mittelpunkt seiner Neujahrsansprache gestellt. Rund 900 Gäste, darunter viele Flüchtlinge und ihre Helfer, kamen zum Neujahrsempfang der Stadt in die Stadthalle.

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Quelle: CH

Göttingen. „Wie unsere Stadt aus der Flüchtlingskrise eine Flüchtlingshilfe gemacht hat – das beeindruckt mich und macht mich stolz“, sagte Köhler. „Hilfsbereitschaft, Menschlichkeit, Zuwendung – die zählen“, sagte er.

 

Er sei stolz auf die „sagenhaften Leistungen“ der vielen Hilfsinitiativen, Vereine, freiwillige Helfer, Kirchen, Firmen und Hochschulen, gesellschaftlichen Gruppen und Einrichtungen. „Die übrigens alle mehr denn je auch in diesem neuen Jahr 2016 gebraucht werden“, sagte Köhler. Denn die Zahl der Göttingen zugewiesenen Menschen wächst: So habe Göttingen von 2013 bis 2015 rund 1400 Flüchtlinge aufgenommen. In den drei Monaten bis März 2016 würden, so viel stehe fest, noch einmal rund 1400 Schutz suchende Menschen nach Göttingen kommen. „In einem Vierteljahr so viele wie zuvor in 36 Monaten. Mehr muss man zur Dramatik der Lage, zur Größe unserer Aufgabe und zu den Dimensionen der Herausforderung für uns nicht sagen“, sagte Köhler. „Da mag manchen Bange werden. Ob wir das schaffen? In der Kürze der Zeit. Mit unseren Möglichkeiten. Ich schließe mich da nicht aus. Aber wir müssen und wir werden das schaffen.“ Allerdings, so Köhler, werde das „der Not gehorchend“ nicht mehr ohne die bislang vermiedenen „Containersiedlungen“ gehen.

©Hinzmann

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Köhler hob auch die Arbeit der Verwaltung rund um die Flüchtlingshilfe hervor: „Wir tun, nahezu rund um die Uhr, was wir können. Wenn ich vorhin die sagenhafte Leistung der vielen Freiwilligen zu Recht gewürdigt habe, dann gehört an diese Stelle ein dickes Kompliment für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung und der Feuerwehr.“ Köhler ging in seiner Rede zudem auf die „Millionenförderung“ vom Bund für Kunstquartier und Forum Wissen ein. Das Geld fließe, weil „unsere zum Teil mit der Universität gemeinsam entwickelten Konzepte voll überzeugt haben“. Die Stadt, so Köhler weiter, werde alles tun, die Uni bei ihrem Beitrag für die neue Exzellenzinitiative zu unterstützen. Optimistisch zeigte sich Köhler für das neue Jahr bei der beantragten Förderung für das Otfried-Müller-Haus. Auch gebe es klare Aussagen für das Städtische Museum und zum richtigen Standort, den alten, der Stadthalle.

 

Nach Köhlers Rede entrollten Aktivisten aus dem besetzten, ehemaligen DGB-Haus in der Oberen-Masch-Straße ein Transparent auf der Empore. „Flüchtlinge sind nicht das Problem. Es ist der Kapitalismus“, war dort zu lesen. Eine Sprecherin lobte das ehrenamtliche Engagement der Göttinger. Nun bräuchten die Geflüchteten und Ehrenamtlichen mehr „politische, materielle und finanzielle Unterstützung. Von Köhler forderte sie, die Ausgabe von Wertgutscheinen an Flüchtlinge nicht wieder zuzulassen. „Machen Sie den Leerstand mit Namen der Eigentümer öffentlich und üben Sie endlich Druck auf diejenigen aus, die ihre Wohnungen lieber leer stehen lassen, als an Geflüchtete zu vermieten“, forderte die Sprecherin angesichts „massenhaft leerstehenden“ Wohnraums in Göttingen. Viele der knapp 900 Gäste haben den Appell allerdings nicht gehört. Der Rednerin wurde vorzeitig das Mikro abgestellt.

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