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Göttingen kündigt Taschenkontrollen an

Nach Terroranschlag in Berlin Göttingen kündigt Taschenkontrollen an

Erstmals wird es beim Neujahrsempfang der Stadt Göttingen in der Stadthalle Einlass- und Taschenkontrollen geben – aus Sicherheitsgründen, sagt Verwaltungssprecher Detlef Johannson. Die BG Göttingen will unterdessen die Sicherheitskontrollen bei Heimspielen noch einmal verstärken.

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Der Einlass in die Stadthalle wird auf 18 Uhr vorverlegt.

Quelle: Archiv

Göttingen. „Wir können 14 Tage nach dem schrecklichen Anschlag in Berlin bei der Organisation einer offenen Großveranstaltung mit mehreren Hundert Besuchern nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, begründet Johannson den Schritt. Jeder Besucher und jede Tasche werde daher von Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes beim Neujahrsempfang am Donnerstag, 5. Januar, kontrolliert. Weil dies sehr aufwändig sei, werde der Einlass auf 18 Uhr vorverlegt. Außerdem seien in diesem Jahr beide Eingänge links und rechts des Foyers geöffnet. Der Sicherheitsdienst werde auch den außen gelegenen Raucherbereich im Auge haben.

Ausgeschlossen vom Neujahrsempfang, der um 19 Uhr beginnt, sei aber ausdrücklich niemand, betont Johannson: Der Empfang soll und wird offen bleiben. Deshalb sind alle willkommen. Aber alle wollen gleichzeitig auch Sicherheit. Diesem Wunsch entspricht unsere Vorsorgemaßnahme. Dafür werden die allermeisten Besucher des Empfangs volles Verständnis haben, bin ich mir sicher.“ Genauso sicher sei er, so Johannson, „dass wir uns alle künftig bei öffentlichen Großveranstaltungen auf noch mehr Sicherheitsvorkehrungen einstellen müssen“.

Die Fans der BG Göttingen haben dies bereits zu spüren bekommen. So waren die Einlasskontrollen beim Spiel des Basketball-Bundesligisten gegen die Walter Tigers Tübingen am 20. Dezember in der Lokhalle, also einen Tag nach dem Anschlag in Berlin, verstärkt worden. Das Lokhallen-Management hatte darauf explizit hingewiesen, es bildeten sich später aber doch lange Schlangen am Eingang. Das habe zu „sehr, sehr viel Ärger geführt“, sagt BG-Sprecherin Birte Meyenberg. Man habe sich umgehend bei den Fans entschuldigt, aber die Kontrollen seien wichtig. Das bekräftigt auch Nils Leunig, Spieltagsorganisator der BG Göttingen. Schon vor dem Anschlag habe es Einlass- und Taschenkontrollen gegeben. Diese würden jetzt noch verstärkt, auch bei den Spielen in der Sparkassen-Arena. Die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes seien dafür extra von der Göttinger Polizei eingewiesen worden.

Überrascht, dass die Stadt Göttingen Kontrollen bei ihrem Empfang plant, zeigen sich Bürgermeister aus der Region. Bovendens Bürgermeister Thomas Brandes (SPD) hielte Taschen- und Personenkontrollen für eine Veranstaltung wie den Bovender Neujahrsempfang für „überzogen“. 500 Gäste, die Brandes beim Empfang am 14. Januar im Bürgerhaus erwartet, sei keine Größenordnung für terroristische Anschläge.

„Wir sind mutig, demokratisch und voller Zuversicht, dass nichts passiert“, sagt auch Julia Bytom, Sprecherin der Mündener Stadtverwaltung, auf die Frage, ob beim dortigen Neujahrsempfang Kontrollen geplant sind. Unabhängig davon würden ohnehin der Bürgermeister, der Schornsteinfeger und der Hausmeister die Besucher am Eingang des historischen Rathauses in Empfang nehmen. „Unliebsame Gäste“ würden notfalls durch Einsatzkräfte „vor die Tür“ gesetzt, so Bytom.

Ähnlich werde man beim Gleichener Neujahrsempfang verfahren, sagt Bürgermeister Manfred Kuhlmann (SPD): „Wir werden zwar keine Taschenkontrollen machen. Wir werden aber Kollegen im Eingangsbereich postieren, die gucken werden, ob es Verdächtiges gibt.“ Mehr halte er für übertrieben, sagt Kuhlmann. „Alles zweihundertprozentig zu kontrollieren, wo soll das hinführen“, fragt er sich. Er hoffe einfach, „dass sich der Terror auf dem Lande nicht so breit macht wie in den Metropolen“.

„Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht“, sagt auch Johannson. Es gehe aber um „vorsorglich getroffene Maßnahmen“ bei größeren offenen Veranstaltungen. „Wir werden einen schönen Neujahrsempfang und einen guten gemeinsamen Start ins neue Jahr haben“, sagt Johannson. „Aber wir können nicht mehr so sorglos in die Vorbereitung solcher Veranstaltungen gehen wie vor Jahren noch.“ afu/be

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