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„Nicht nur Profi-Sprecher können gut vorlesen“

Stimmtrainer im Interview „Nicht nur Profi-Sprecher können gut vorlesen“

Ob langsam oder schnell, laut oder leise: Worauf kommt es beim Vorlesen an? Welche Texte bieten sich an? Darüber sprach Andreas Fuhrmann mit dem Göttinger Stimmtrainer Christian Römer.

Tageblatt: Wem lesen Sie persönlich am liebsten vor?
Römer: Meinen beiden Kindern – und zwar Abenteuergeschichten.

Worauf sollten Laien beim Vorlesen besonders achten?
Sie sollten nicht einfach nur den Text ablesen, sondern sich bewusst machen, dass sie für jemanden vorlesen. Man muss Spaß am eigenen Tun entwickeln und darf sich vor allem stimmlich nicht zurücknehmen. Um so mehr sich jemand beim Vorlesen dem Text öffnet und sich traut, ihn sprecherisch und stimmlich zum Leben zu erwecken, um so mehr Genuss bereitet er den Zuhörern.

Was sollten Laien vorlesen?
Texte, die ihnen selber gut gefallen und am Herzen liegen, die sie mit Spaß und Freude für sich und die Zuhörer vorlesen können.

Haben Sie ein paar Tipps, wie man das Vorlesen schnell verbessern kann?
Zu allererst ist es das Wichtigste, sich zu trauen, den Text zu gestalten. Was der Vorleser an sich als Übertreibung erlebt, macht häufig für die Zuhörer den Text erst lebendig. Zudem sollte man beim Vorlesen auf eine gute Grundgeschwindigkeit achten. Bei zu schnellem oder langsamem Vorlesen steigen Zuhörer aus. Natürlich darf und sollte die Geschwindigkeit variieren. Außerdem sollte man den Text vorher für sich lesen und überlegen, wie der Text gestaltet werden kann. Es ist soviel einfacher, einen bekannten Text gut gestaltet vorzulesen, als einen neuen unbekannten gleich laut zum Besten zu geben.

Welchen Stellenwert hat das Vorlesen Ihrer Meinung nach heute in der Gesellschaft?
Diese Frage kann ich nur sehr subjektiv beantworten. Durch meine Kurse komme ich mit Menschen in Kontakt, die das Vorlesen oder vorgelesen zu bekommen sehr schätzen. Ich glaube aber kaum, dass dies repräsentativ ist. Gleichzeitig ist in den vergangenen Jahren der Markt für Hörbücher explodiert, was zeigt, dass das Interesse an gehörten Geschichten groß ist. Doch fördert dieses Phänomen das eigene Vorlesen wohl eher nicht, da sich das Gefühl einschleicht, nur Profi-Sprecher könnten richtig gut vorlesen. Dies ist aber nicht der Fall – was man bei den Menschen, die meinen Vorlesekurs besucht haben, wunderbar sehen und vor allem hören kann.

  Zur Person
  Christian Römer ist staatlich geprüfter Atem-, Sprech- und Stimmlehrer nach Schlaffhorst und Andersen. Er studierte Germanistik, Anglistik und Theaterwissenschaft und bildete sich weiter zum systemischen Coach. Er arbeitet als Stimmtrainer, Coach und Sprecher in Göttingen und gibt Seminare und individuellen Unterricht. Daneben betätigt er sich als Vorleser mit eigenen Leseprogrammen und tritt als Rezitator mit dem Duo Piano & Poem auf. Kontakt: im Internet unter www.christian-roemer.de oder unter Telefon 05 51/3 05 47 38.
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Vorlesen wie ein Profi

Entscheidend ist nicht, was vorgetragen wird, sondern wie es vorgetragen wird. Carmen Barann und Yvonne Bangert (beide 54) haben das jetzt bei der VHS gelernt und sich von einem professionellen Sprech- und Stimmtrainer zu Vorleserinnen schulen lassen. Das hat lange gedauert und war nicht ganz billig. Aber es war „besser als ein neues Kleid“, sagt Barann. Und das ist ja schon mal ein Wort.

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