Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
Nichts Unbekanntes essen

Vorsicht, Giftpflanzen Nichts Unbekanntes essen

Beim Giftinformationszentrum Göttingen (GIZ-Nord) gehen am Tag zwischen 80 und 100 Anrufe ein. „Im Frühjahr und Sommer wird unsere Hilfe wegen giftiger Pflanzen häufiger benötigt. Vor allem Kinder sind in dieser Zeit gefährdet“, erklärt Andreas Schaper von der GIZ-Nord.

Voriger Artikel
Vor der Firmung geht es in den Hörsaal
Nächster Artikel
Neustart nach Kirchenstreit in Hardegsen

Kennt sich mit Giftpflanzen aus: Gabriele Weis inmitten von blauem Eisenhut.

Quelle: Hinzmann

„Wir sind umgeben von Giftpflanzen“, bestätigt Gabriele Weis, die im Botanischen Garten für Öffentlichkeitsarbeit, Gartenpädagogik und Dokumentation zuständig ist. „Etwa sieben von zehn Pflanzen sind giftig.“ Weis rät allen Hobbygärtnern, bei giftigen oder unbekannten Pflanzen im Garten nicht in Panik zu verfallen. „Es kommt immer auf die Menge an. Von vielen Pflanzen müsste man schon ziemlich viel essen, um überhaupt vergiftet zu werden“, erklärt sie.

Baumschulgärtner Herbert Keisers beunruhigte die Entdeckung von Aronstab neben Erdbeeren im Beet eines Privatgartens. Die Kinder der Familie könnten die Beeren essen und sich vergiften. Diesen Fall beurteilt die Botanikerin allerdings als nicht besonders gefährlich: „Auf den ersten Blick wird es zwischen den Pflanzen keine Verwechslung geben. Natürlich sollte man Kinder nicht allein zum Pflücken schicken.“ Kinder könnten das natürliche Warnsystem der Pflanzen noch nicht erkennen. Durch Farbe, Geruch oder spätestens den bitteren Geschmack könne man Giftpflanzen häufig erkennen, so Weis.

Dennoch gibt es giftige Pflanzen, die mit essbaren verwechselt werden können. „Zum Beispiel werden Tollkirschen immer wieder mit Brombeeren verwechselt. Die Blätter von Herbstzeitlosen und Maiglöckchen sehen denen von Bärlauch sehr ähnlich. Im Gegensatz zu Bärlauch sind beide Pflanzen sehr giftig. „Aus ihnen werden aber beispielsweise auch Medikamente hergestellt“, erzählt Weis. Die Botanikerin betont, dass aus vielen Giftpflanzen Nützliches für den Menschen gewonnen werden kann: „Die Blätter und die Samen der roten Beeren der Eibe sind giftig. Das Gift nutzte man früher zur Waffenherstellung, heute werden daraus Krebsmedikamente gemacht. Aus dem Holz der Eibe werden Musikinstrumente gefertigt.“

Auch viele Zierpflanzen sind giftig. Dazu zählen Oleander, Engelstrompete, Ziertabak, Bilsenkraut, Petunien, Eisenhut, Rizinus und die schwarzen Hülsen des oft in Parks zu findenden Lederhülsenbaums. „Bilsenkraut hat man früher dem Bier zugeführt. Da kippten die Leute dann schon nach einem Glas um“, sagt Weis. Besonders mit dem Eisenhut, dessen Blüten gelb oder blau sein können, sollte vorsichtig umgegangen werden. Allein durch Berührung könnten Vergiftungen hervorgerufen werden. „Deshalb sollte man bei der Gartenarbeit immer Handschuhe tragen“, rät Weis. Trotz der Vielzahl der Pflanzen, die für den Menschen giftig sind: „Vergiftungen durch Pflanzen gibt es viel seltener, als solche durch Spülmittel oder Lampenöl.“ Der Tipp von Weis für alle, die sich nicht jeden Tag mit den 20 000 Pflanzenarten im Botanischen Garten beschäftigen: „Man sollte nichts Unbekanntes essen.“

Für Fragen steht das Giftinformationszentrum unter Telefon 05 51 / 1 92 40 zur Verfügung.

Von Madeline Kaupert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Bundestagswahl: Die Kandidaten im Netz