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Niederländer van Tuyll leitet Heimatverein Diemarden

Heimat gefunden Niederländer van Tuyll leitet Heimatverein Diemarden

Unter uns leben viele interessante Menschen. Einer davon ist Cornelis „Kees“ van Tuyll. Der 68-jährige Niederländer ist Vorsitzender des Heimatvereins Diemarden. Vor seiner Pensionierung hat er für die „Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit“ (GIZ) die ganze Welt bereist.

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Lebt heute auf Klostergut: Cornelis „Kees“ van Tuyll.

Quelle: Hinzmann

Diemarden. Dass ein Zugezogener Vorsitzender eines Vereins wird, der sich der Heimat- und Traditionspflege widmet, ist eher ungewöhnlich.

Doch nachdem Elfriede Füllgrabe nach 20 Jahren im Amt 2012 zurücktrat, wollte niemand in ihre Fußstapfen treten – „also suchten die Diemardener einen Dummen, und da kam ich gerade recht“, lacht van Tuyll.

Seine Hauptaufgabe sieht der Abkömmling eines alten niederländischen Adelsgeschlechts darin, „Menschen und Meinungen zusammenzuführen“. Er wolle die Begegnung fördern, gerade auch zwischen Ur-Diemardern und Zugezogenen. Heimat: „Für mich ist das nicht der Ort, von dem ein Mensch stammt, sondern der, an dem er gerne lebt“, sagt van Tuyll.

Und Heimat ist die Region für ihn schon lange. 1969 kam er als junger Mann nach Göttingen, um sein Forstwirtschafts-Studium zu beenden. Nach Diplom, Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promotion ging er 1981 nach Eschborn zur GIZ. Als der Kosmopolit und seine Frau Rosemarie sich vor sechs Jahren entscheiden mussten, wo sie nach der Rente leben wollten, zogen sie dorthin zurück, „wo Menschen leben, die wir besuchen können, ohne sie vorher anrufen zu müssen.“

„Ich konnte was erreichen“

In ihrem Haus gibt es zwei Wohnbereiche, die von Andenken an ihre langjährigen Aufenthalte auf den Fidschi-Inseln und in Vietnam dominiert werden. In dem kleinen Inselstaat im Südpazifik leitete van Tuyll vier Jahre lang ein Kiefer-Aufforstungsprogramm. „Ich flog von Insel zu Insel“, erinnert er sich, „wo ich stets als Allererstes dem Dorfältesten meine Aufwartung machte.“ Zur Begrüßung gab es Yagona – ein Getränk, das „aussieht wie braunes Abwaschwasser und genauso schmeckt“, graust es van Tuyll noch heute.

Trotz Yagona und zahlreicher Hurrikans ist ihm sein Aufenthalt in sehr guter Erinnerung geblieben: „Ich konnte was erreichen“. Außerdem seien die Inseln wirklich so, wie in Reiseprospekten geschildert: „Das Meer ist durchsichtig-blau, die unendlich weiten Sandstrände menschenleer – die Fidschis sind landschaftlich ein Paradies.“

In Vietnam war van Tuyll für die Mekong-Fluss-Kommission als Berater tätig, musste zwischen vier Ländern – Vietnam, Thailand, Laos und Kambodscha – vermitteln. Was ihm bei seiner Arbeit häufig einen Strich durch die Rechnung machte, war die grassierende Korruption, die ihn häufig daran zweifeln ließ, ob eine nachhaltige Entwicklung in den vier Ländern überhaupt möglich sei.

Zweifel hat er auch, ob er wirklich nie Hundefleisch gegessen hat: „Bewusst definitiv nie, aber ob mir doch mal Hund vorgesetzt wurde – ich weiß es nicht.“ Bewusst probiert hat er auf jeden Fall mal Kakerlake, mit dem Ergebnis: „Das muss ich nicht noch mal haben.“

Heute lebt der Weltbürger auf einem wunderschönen Klostergut in der südniedersächsischen Provinz. Außer Heimatvereins-Vorsitzender ist er auch Mitglied im Kirchenvorstand.

Von Hauke Rudolph

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