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Nikolausberger sorgen sich um Ruhe im Wohngebiet

Bebauungsplanänderung Nikolausberger sorgen sich um Ruhe im Wohngebiet

Krach in Nikolausberg: Anwohner fürchten um die Ruhe in ihrem reinen Wohngebiet, weil die Stadt den Bebauungsplan „Südlich des Senders“ ändern will. Grund dafür: Die Jugendhilfe am Rohns hat in dem Haus in der Senderstraße 19 eine Tagesgruppe eingerichtet. Nach Baunutzungsordnung ist das aber nicht erlaubt.

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Senderstraße 19: Hier ist seit Dezember eine zehnköpfige Jugendgruppe der Jugendhilfe am Rohns untergebracht.

Quelle: Pförtner

Seit Dezember ist das Haus in der Senderstraße 19 Treffpunkt für eine Tagesgruppe der Jugendhilfe am Rohns. Zehn Kinder zwischen sieben und 14 Jahren werden in der Woche von vier Pädagogen an den Nachmittagen betreut. Die Kinder aus „schweren familiären Verhältnissen“ seien „extrem verhaltensauffällig, aber nicht gemeingefährlich“, beschreibt die Leiterin der Jugendhilfe, Regine Schünemann. Durch die Arbeit der Jugendhilfe bestehe die berechtigte Hoffnung, dass die Kinder, die derzeit die Förderschule der Jugendhilfe besuchen, wieder an öffentlichen Schulen integriert werden können.

Erlaubt ist die Betreuung der Kinder in Nikolausberg aber nicht. Zwar hat die Jugendhilfe eine mündlich ausgesprochene, vorläufige Betriebserlaubnis bis Ende des Jahres vom Landesamt für soziale Aufgaben erhalten, der Bebauungplan und die derzeit geltende Baunutzungsverordnung von 1962 lässt so eine Einrichtung in dem reinen Wohngebiet aber nicht zu.

Nun hat die Stadt vorgeschlagen, die aktuelle Baunutzungsverordnung von 1990 für das Gebiet anzuwenden. Dann wären dort auch „Anlagen für soziale Zwecke sowie den Bedürfnissen der Bewohner des Gebiets dienende Anlagen für kirchliche, kulturelle, gesundheitliche und sportliche Zwecke“ erlaubt.

Nach Angaben von Schünemann habe sie bereits im August bei der Stadt einen Antrag auf Nutzungsänderung gestellt. Doch erst Anfang des Jahres hat die Stadtverwaltung das Thema auf die Tagesordnung der politischen Gremien gesetzt. Eine Antwort der Stadt hat Schünemann daher auch noch nicht erhalten.

Viele Anwohner fürchten mit einer Änderung des Bebauungsplanes, dass es in ihrem Gebiet zu mehr Lärm und Verkehr kommt. „Wir sind doch bewusst in ein reines Wohngebiet gezogen“, machten sie in der jüngsten Ortsratssitzung deutlich. Sie kritisierten das Vorgehen der Stadt, „klammheimlich“ den Bebauungsplan ändern zu wollen. Zudem toleriere die Stadt eine Umnutzung, die rechtswidrig sei.

„Belästigung für Nachbarn“

Direkte Nachbarn zur Senderstraße 19 schürten während der Sitzung auch Angst vor der Tagesgruppe: Zwar schätze man „selbstverständlich“ die Arbeit der Jugendhilfe, aber zehn Jugendliche seien sehr wohl eine Belästigung für die Nachbarschaft. „Die sind mehr als verhaltensauffällig“, hieß es weiter. Auch sei es in der Vergangenheit zu Sachbeschädigungen gekommen. Die Schuldigen: die Kinder aus der Jugendgruppe, so die Verdächtigungen. „Und wieso müssen die Kinder ausgerechnet in Nikolausberg untergebracht werden“, fragte eine Anwohnerin. Außerdem befürchten Eigentümer nun, dass ihre Grundstücke durch die neuen möglichen Nutzungen rund die Hälfte ihres Wertes verlieren.

Der Ortsrat hat die Pläne der Stadt einstimmig abgelehnt. Burghard Wegener (CDU) und Gabriele Funck (FDP) kritisieren, dass der Bebauungsplan wegen eines Vorhabens geändert werden soll. Wegener erachtet das als „rechtswidrig“. Gerhard Cassing (SPD) fürchtet wie Wegener eine „Änderung der städtbaulichen Qualität“ in dem Gebiet. Cassing lehnt die Verwaltungspläne ab, will das aber nicht als Bewertung der Arbeit der Jugendhilfe Rohns verstanden wissen.

Für die Jugendhilfe würde ein Nein zu den Plänen bedeuten, dass sie das für sie ideale Haus, das sie nach knapp einjähriger Suche gefunden hatte, wieder verlassen muss. Inzwischen hat sich aber Stadtbaurat Thomas Dienberg nach Tageblatt-Informationen dafür ausgesprochen, den Bebauungsplan auch gegen das Votum des Ortsrates zu ändern. Das Thema soll im Bauausschuss diskutiert werden.

Michael Brakemeier

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