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Nordhessen greifen erneut nach Friedland

Bürgerforum Nordhessen greifen erneut nach Friedland

Die Einladung war nett gemeint und vorgetragen: „Im Namen des Herrn Bundespräsidenten und Ihres Landrates lade ich Sie zum Bürgerforum 2011 ein.“ Meines Landrates? Reinhard Schermann? Nein, korrigiert der Anrufer mit Callcenter-Freundlichkeit: „Im Namen Ihres Landrates Stefan Reuß.“

SPD-Mann Reuß ist Landrat des Werra-Meißner-Kreises, sitzt in Eschwege und verwaltet einen hessischen Landkreis. Gleichwohl lassen sich die Anrufer nicht beirren, wenn sie einen Niedersachsen aus dem Nachbarlandkreis an der Strippe haben. Die Telefonnummern stammten von der Bertelsmann-Stiftung, die das Bürgerforum des Bundespräsidenten organisiere, und nach diesen Telefonnummern werden Bürger eingeladen mitzumachen – eben auch Friedländer Bürger.

Das Bürgerforum ist ein bundesweites Beteiligungsprojekt zum Thema gesellschaftlicher Zusammenhalt – ausgerufen vom Bundespräsidenten, finanziert von Bertelsmann- und Nixdorff-Stiftung. 25 Städte und Kreise wurden 2011 unter den Bewerbern ausgewählt, darunter der Werra-Meißner-Kreis. 400 per Telefonnummer zufällig ausgewählte Bürger werden eingeladen, im Internet und bei öffentlichen Anhörungen mitzuwirken. Wer nicht formal eingeladen ist, kann sich auch nicht einbringen.

Unter den 400 Werra-Meißner-Bürgern werden, falls sie die Einladung annehmen, etliche Niedersachsen sein. Dem Tageblatt sind vier Friedländer bekannt, die aufgefordert wurden. Dabei geht selbst Horst Pipper, der in Eschwege Wirtschaftsförderung betreibt und das Forum örtlich organisiert, davon aus, dass nur Kreisangehörige aufgerufen seien. „Ich weiß nicht, welchen Sinn es macht, über die Kreisgrenzen hinaus einzuladen“, sagt Pipper. Dass Niedersachsen aus dem Kreis Göttingen im Nachbarbundesland mitreden, sei zumindest eigenartig. Und es ist auch gar nicht beabsichtigt, sagt Dominik Hirlemann von der Bertelsmannstiftung. Offenbar sei es so, dass bei der Auswahl der anzurufenden Telefonnummern nicht bedacht wurde, dass Ortsnetze auch schon einmal gemeinde- oder gar länderübergreifend sein können. So haben etwa die Neu-Eichenberger Ortschaften Hebenshausen, Hermannrode und Marzhausen die gleiche Vorwahl (0 55 04) wie die Gemeinde Friedland. Denn die Telekom (einst noch die Post) nahm bei deren Vergabe keine Rücksicht auf Jahrhunderte alte Grenzen zwischen Großherzogtum Hessen und Königreich Hannover.

Dass Nordhessen nach Friedland greift, ist so neu nicht. Lebhaft in Erinnerung blieb der Landtagswahlkampf, als SPD-Kandidat Thorsten Schäfer Gümbel flächendeckend in Friedland um Stimmen als hessischer Ministerpräsident warb. Und dass die Straßenmeisterei Eschwege schon einmal die Friedländer Ortschaft Mollenfelde eingemeindete, indem sie auf dem Ortsschild gleich die ganze Gemeinde dem Werra-Meißner-Kreis zuordnete, hat diesseits der Landesgrenze für nur zähneknirschend gespielten Unmut gesorgt.

Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD) sieht diesmal etwas Positives: „Ich rufe alle Friedländer, die eingeladen sind, dazu auf, auch teilzunehmen und die Hessen auf das B 80-Problem samt der Verfehlungen der Eschweger Straßenbauverwaltung hinzuweisen. Wenn sie uns schon einladen, sollen sie auch ungefiltert hören, was wir davon halten, uns hessischen Verkehr durch unsere Dörfer zu schicken.“

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