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Northeim: Bündnis ruft zu Kundgebung gegen „Pegida“-Ableger „Nogida“ auf

Facebook-Fans machen mobil Northeim: Bündnis ruft zu Kundgebung gegen „Pegida“-Ableger „Nogida“ auf

Gegen Rassismus und Ausgrenzung, für eine solidarische und soziale Gesellschaft will das Northeimer Bündnis gegen Rechtsextremismus am Montag, 19. Januar, ab 17 Uhr am Northeimer Münster demonstrieren. Damit reagiert das Bündnis auf einen Ableger der Pegida-Bewegung, der seit vergangener Woche unter dem Namen „Northeimer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Nogida) im sozialen Netzwerk Facebook vertreten ist.

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Quelle: Screenshot Facebook/Archiv

Northeim/Göttingen. Die Initiatoren dieser Seite sind auch der Northeimer Polizei, nach Auskunft von Polizeisprecher Uwe Falkenhain, weiterhin nicht bekannt. Derzeit hat die Seite mehr als 260 Fans, die Gegenseite No Nogida inzwischen knapp 470.

„Migranten sind Bestandteil einer Gesellschaft, die sich nicht durch Terror spalten lassen darf“, heißt es in einer Stellungnahme des Northeimer Bündnis gegen Rechtsextremismus. Wenn jetzt bei den gegenwärtigen bundesweiten Montagskundgebungen wie Pegida in Dresden oder Kagida in Kassel erneut nationalrassistische Parolen skandiert und soziale Verteilungsfragen auf dem Rücken von Flüchtlingen ausgetragen würden, sei der Moment gekommen, „geschlossen und unmissverständlich“ auch in Northeim der Empörung Ausdruck zu verleihen.

Bei der geplanten Kundgebung wollen Erika Goebel, Vorsitzende des Ortsverband Northeim des deutschen Gewerkschaftsbundes, Pastor Bernd Ranke, stellvertretender Superintendent des Kirchenkreises Leine-Solling, ein Mitglied der türkisch-islamischen Gemeinde zu Northeim und ein Mitglied des Festkomitees vom Günterser Frühlingsfest sprechen. Sie rechne mit rund 100 Teilnehmern, sagt Goebel gegenüber dem Tageblatt. „Wenn es mehr werden, umso besser.“

Nogida hat sich am Dienstag auf Facebook gegen „Extremismus aller Art“ distanziert und ihre Unterstützer zur Teilnahme an der Kundgebung am kommenden Montag aufgerufen. „Bringt von der letzten Fußball-Weltmeisterschaft eure Deutschlandfahnen mit, schminkt die Gesichter wieder in den Farben. Kommt einzeln oder in Gruppen, mischt euch unter die anderen Teilnehmer. Auch wir werden da sein, und vielleicht dürfen wir ja auch unseren Standpunkt vor den Teilnehmern vertreten“, heißt es auf der Seite. Polizeisprecher Falkenhain geht trotz allem von einer friedlichen Kundgebung aus. „Wer nicht stört, kann kommen“, kommentiert Göbel den Aufruf.

Weitere Aktivitäten von Pegida-Anhängern gibt es in der Region nicht. „Aus dem Bereich Osterode sind uns bisher keine Aktivitäten in dieser Richtung bekannt“, sagt Polizeihauptkommissar Jürgen Horst. Der stellvertretende Pressesprecher sieht derzeit auch nicht, welche Köpfe Nachahmer der Pegida-Demonstrationen auf den Plan rufen sollten. „Die dafür infrage kommenden Personen sind nach unserem Wissen alle verzogen“, erklärt er. Die politische Interessenlage gebe ebenfalls keinen Hinweis darauf, dass die Gründung einer solchen Initiative bevorstehe. Auch in Duderstadt gebe es „keinerlei Feststellungen, die in diese Richtung weisen“, sagt der Leiter der Duderstädter Polizei, Otto Moneke und verweist darauf, dass es in seinem Zuständigkeitsbereich keine ausgeprägte Demonstrationskultur gebe. Ähnlich sieht es auch im Obereichsfeld aus: „Gerade heute hatten wir ein Gespräch mit dem Leiter des Ordnungsamts“, erklärt Polizeihauptkommissar Olaf Eberhardt von der Polizeiinspektion Eichsfeld. „Hier gibt es keinen Grund zur Sorge.“ In Kassel hingegen ruft die Initiative „Kassel gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Kagida) zur inzwischen zehnten Montagskundgebung auf. Am vergangenen Montag standen dabei rund 230 Kagida-Demonstranten 500 Gegendemonstranten gegenüber.

Facebook-Fans machen mobil gegen Pegida

Gerade einmal zehn Stunden hat es gedauert, bis 500 Menschen die Facebook-Seite „No Pegida NordThüringen“ mit „Gefällt mir“ markiert hatten. In weniger als einem Tag fanden sich 1000 Sympathisanten der Seite, die sich „für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ und „gegen Fremdenfeindlichkeit und plumpe Stimmungsmache“ ausspricht.

Die Resonanz auf die Seite, die am Dienstag online gegangen ist, zeigt, dass die Menschen in der Region Warnungen, die islamfeindliche Bewegung könnte sich auf die Region zwischen Heiligenstadt, Mühlhausen und Nordhausen ausdehnen, ernstnehmen. „Nordthüringen soll bunt bleiben“ ist die Botschaft, die die Facebook-Befürworter unterstützen.

Am Mittwoch hatte die SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Becker, Kreisvorsitzende in Nordhausen, dazu aufgerufen, „in der Öffentlichkeit frühzeitig ein Stopp-Signal zu setzen“. Aus Nordthüringen waren Meldungen bekannt geworden, in denen von weiteren Pegida-Ablegern die Rede war. Bisher existiert eine Pegida-Nachfolgegruppe. In Suhl waren am Montag Demonstranten der „Sügida“ auf die Straße gegangen. An ihrer Spitze befanden sich, wie Polizei und Verfassungsschutz bestätigten, auch bekennende Neonazis.

„Wir, die Bürger, dürfen den selbsternannten Rettern des Abendlandes nicht auf den Leim gehen“, appelliert Becker. „Wir müssen rechtzeitig und unmissverständlich deutlich machen, was sich hinter Pegida verbirgt: eine zutiefst antihumanistische und in Teilen faschistoide Bewegung, die darauf abzielt, unsere Demokratie in ihren Grundfesten zu erschüttern“, so Becker weiter. Dem Protest gegen Pegida schlossen sich auch die Jusos Eichsfeld an. „Stellt Euch dem braunen Volksmob entgegen“, riefen die Mitglieder der Jugendorganisation der SPD auf und teilten die Seite „No Pegida NordThüringen“.

Über tatsächliche Pegida-Aktivitäten insbesondere im Eichsfeld ist derzeit nichts bekannt.

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