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Notfallpatienten bringen Kliniken in Not

Rund eine Milliarde Euro Fehlbetrag Notfallpatienten bringen Kliniken in Not

Die Notfallversorgung in deutschen Krankenhäusern wird zum Notfall. Alljährlich verursacht die ambulante Hilfe für Patienten rund eine Milliarde Euro Fehlbetrag, mahnte jüngst die Deutsche Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) und forderte eine kostendeckende Vergütung von den Krankenkassen. Denn durchschnittlich 30 Euro Vergütung je Patient reichten nicht aus – auch nicht in den Göttinger Krankenhäusern.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Dabei nimmt die Inanspruchnahme des Klinik-Angebots stetig zu. Jahr für Jahr mehr Patienten suchen im Notfall nicht den Hausarzt, sondern das Uni-Klinikum oder das Weender Krankenhaus auf. An der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) sind es im vergangenen Jahr acht Prozent mehr notfallmäßig versorgte Patienten gewesen. Das liege wohl, so Prof. Sabine Blaschke, ärztliche Leiterin der interdisziplinären Notaufnahme, an der Veränderung der hausärztlichen Versorgungsstruktur. Und es steigere stetig das Defizit.

An der UMG wurden im vergangenen Jahr bis zu 15 000 Patienten in der interdisziplinären Notaufnahme behandelt. Weitere rund 14 000 Patienten wurden unfallchirurgisch als Notfall registriert. Nur etwa 40 Prozent dieser Fälle verblieben stationär in der Klinik, 60 Prozent wurden ambulant behandelt und nach Hause geschickt. Für jeden einzelnen dieser ambulanten Fälle wurde eine Pauschale von rund 30 Euro vergütet. Der Aufwand aber, so Blaschke, der zu erbringen ist, könne je nach diagnostischem Aufwand zwischen 200 und 300 Euro Kosten verursachen. Betriebswirtschaftlich berechnet machten aktuell etwa 16 Prozent des Umsatzes der interdisziplinären Notaufnahme der UMG Versorgungsleistungen aus, die gar nicht vergütet werden. Die Tendenz sei steigend, genau wie die Zahl der Patienten.

Beim Weender Krankenhaus ist das nicht anders. In der dortigen zentralen Notaufnahme habe es in den vergangenen Jahren im Schnitt 40 000 Patientenkontakte gegeben, rechnet Sprecher Stefan Rampfel vor. „Im ambulanten Versorgungskonzept können wir nicht kostendeckend arbeiten, solange die Vergütungsstrukturen auf dem bekannt niedrigen Niveau bleiben“, sagt Dr. Tobias Harder, ärztlicher Leiter der Notaufnahme.

Während die DGINA eine „gesundheitspolitische Neubewertung der ambulanten Notfallversorgung“ mit „kostendeckenden Pauschalen“ fordert, hält eine Ärztin aus der Praxis wie Prof. Blaschke eine Abrechnung nach Einzelleistung auch für Notfälle für erforderlich. Als Übergangslösung, bis repräsentative Fallpauschalen ermittelt sind, hat die DGINA angeboten, wenigstens für jene Patienten die vorstationären Krankenhauspauschalen anzuerkennen und zu vergüten, bei denen eine teurere vollstationäre Behandlung durch die Notaufnahme vermieden werden kann.

Denn wenn es bei der bisherigen Praxis bliebe, so die DGINA, bestehe die Gefahr, dass Klinikverwaltungen nicht mehr bereit seien, die defizitäre Notaufnahme ausreichend mit Personal und notwendiger Ausstattung zu versorgen. Für Göttingen aber, so Blaschke, gäbe es noch eine andere Lösung: Würde die Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung, die sich gleich neben der Klinik-Notaufnahme befindet, ihre Öffnungszeiten auf Regel- und Bereitschaftsdienst ausweiten, könnte das den Anteil ambulanter Notfallversorgung in der UMG deutlich reduzieren.

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