Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
Oberbürgermeister fordert mehr Disziplin

Radler in Fußgängerzone Oberbürgermeister fordert mehr Disziplin

Die einen schimpfen über rücksichtslose Radfahrer, für die offenbar keine Regeln gelten. Die anderen klagen über zu wenig eigene Wege und zu viele Barrieren auf ihren Strecken. Die Stimmung zwischen Göttinger Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern ist gereizt.

Voriger Artikel
Großeinsatz am Heidkopftunnel
Nächster Artikel
Mit Tempo 191 in Baustelle

Zurzeit auch nachts verboten: Radfahren in der Fußgängerzone.

Quelle: CR

Göttingen. Inzwischen ist auch Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) „echt genervt von dem andauernden ideologischen Krieg“ – vor allem zwischen Fußgängern und Radfahrern.

Im Ratsausschuss für allgemeine Angelegenheiten machte der passionierte Radfahrer seinem Unmut überraschend emotional Luft. Die eigentlich diskutierte Frage blieb trotzdem offen: Soll die Fußgängerzone in der Göttinger City von 21 bis 9 Uhr für Radfahrer frei gegeben werden? Der Vorschlag kommt aus der Grünen Jugend. Die Stadtverwaltung lehnt ihn ab, die Ratspolitiker sind sich uneins und teilweise unsicher.

Er habe gerade selbst erlebt, wie einfach und gut es sein könne, erklärte Meyer. In der Großstadt Kopenhagen mit bekanntlich sehr vielen Radfahrern kämen alle „völlig problemlos“ miteinander aus. Warum das so sei, weiß der Oberbürgermeister auch: „Weil alle einfach unheimlich diszipliniert und rücksichtsvoll sind und nur ihre Wege nutzen“. Das scheint selbst bei Ratspolitikern nicht auf Gegenliebe zu stoßen: „Ich fahre regelmäßig mit dem Fahrrad durch die Fußgängerzone“, outete sich Pirat Martin Rieth. Und fügte sogleich an: „Weil das ja nicht legal ist, bin ich natürlich besonders aufmerksam“, Fußgänger blieben so geschützt. Seine überraschende Schlussfolgerung daraus: Die Fußgängerzone sollte für Radfahrer tabu bleiben, dann fahre er auch vorsichtig genug – Gelächter im Saal.

Zu dieser Zeit seien nur noch wenige Fußgänger in der Weender Straße und auf davon abzweigenden Fußgängerstraßen unterwegs, meinen die Grünen. Hätten Radfahrer dann freie Fahrt, kämen sie viel schneller durch die City, ohne Umweg über den Busring. Davon könnten Partygänger ebenso profitieren wie Berufspendlern und Studenten am frühen Morgen. Schließlich würde so ein Angebot das Radfahren auch für Radmuffel in der Stadt attraktiver machen.

Die Stadtverwaltung sieht das ganz anders und hat Vorbehalte: Laut Straßenverkehrsordnung sei es nicht gestattet Einbahnstraßen wie in der Fußgängerzone „nur zeitweise“ frei zu geben. Außerdem sei es zwischen Restaurantstühlen und festen Einrichtungen viel zu eng für eine weitere Nutzergruppe, wenn morgens ab 5 Uhr auch noch der Lieferverkehr rolle. Und: Anders als in anderen Städten sei die Göttinger Fußgängerzone auch abends vergleichsweise belebt.

Meyer und Ordnungsdezernent Siegfried Lieske räumten allerdings ein, dass eine direkte Ost-West-Verbindung durch die City fehle. Aber jungen Menschen sei es „durchaus zumutbar“, 100 Meter weit auf die nächste befahrbare Straße am Busring auszuweichen. „Genau das stimmt nicht“, konterten sofort Mitglieder der Grünen Jugend aus den Zuschauerreihen.Und: „Wenn man erst einmal in der Zone drin ist, muss man ja auch wieder zurück, um den Busring zu erreichen“.

Für die SPD ist „das alles doch ein sehr komplexes Thema“, klagte ihr Fraktionschef Frank-Peter Arndt. Für die CDU hingegen gibt es eine einfache Antwort auf den Vorschlag der Grünen: „Eine Fußgängerzone ist für Fußgänger da – erst einmal“, sagte Holger Welskop. Und Göttingen sei mit ihrer auch nachts belebten Innenstadt nicht mit anderen Städten wie Wolfenbüttel vergleichbar. Ganz abgeneigt scheinen aber die Christdemokraten offenbar nicht: Wenn die Zone für Radfahrer frei gegeben wird, „dann vielleicht ab 24 Uhr“, so Welskop. Ob das kommt, blieb offen. Auf Wunsch der SPD vertagte der Ausschuss eine Entscheidung.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Bundestagswahl: Die Kandidaten im Netz