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Obstbäume für zwei Euro in Reyershausen

Versteigerung Obstbäume für zwei Euro in Reyershausen

Es sind wahre Schnäppchen: Zwei, drei, vielleicht vier Euro für einen ganzen Baum voller Äpfel – früher lag der Preis weit höher. Nur Pflücken müssen die Käufer sie selbst, aber gerade das reizt sie. Obstbaumversteigerungen sind wieder im Trend. Am Sonnabend kamen in Reyershausen etwa 60 Bäume unter den Hammer.

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Obstversteigerung in Reyershausen

Quelle: us

Reyershausen. Es geht Schlag auf Schlag von Baum zu Baum: Kaum hat die Gruppe den nächsten erreicht, legt Dorothea Schmidt los: „Der trägt ordentlich“, stellt die Vorsitzende der Realgemeinde Reyershausen fest. „Zwei Euro zum Ersten! Zwei Euro Zum Zweiten! Drei Euro... .“ „Drei Euro“, unterbricht Maria Gerling. Keiner bietet mehr. Ihr Name wird notiert, die Nummer des Baumes dahinter. Und schon gehen die etwa 15 potenziellen Käufer weiter – eine Reihe Zwetschgen am Feldrand sind ihr Ziel.

 

Es ist Tradition in fast allen Dörfern Südniedersachsens, dass Obstbäume an Feldwegen, Straßen und auf Streuobstwiesen der Gemeinschaft im Spätsommer versteigert werden. Wer den Zuschlag bekommt, darf die Früchte sammeln und pflücken. „Bis zu 20 Mark haben manche früher gezahlt“, erinnert sich Schmidt, die schon lange die Versteigerungen für die Realgemeinde und inzwischen auch für die Feldmarkinteressentenschaft des Dorfes leitet. Die Preise werden durch viele Faktoren bestimmt: Hängt ein Baum voll mit großen Äpfel, wird im Wettstreit geboten. Schwache Bäumchen an einem hinderlichen Graben bleiben auch schon mal besitzerlos.

 

Eine Zeitlang habe das Interesse nachgelassen, sagt Schmidt „inzwischen kommen aber wieder mehr“. Die meisten wollen die ersteigerten Äpfel und wenigen Birnen mosten lassen, „wir versorgen damit die ganze Familie“, verrät Gerling, „bis nach Bochum“. Sie und ihr Mann sind lange dabei, sie wissen längst, welche Apfelsorten am Reyershäuser Dorfrand dafür gut geeignet sind - und dann gehen sie schon mal bis vier Euro hoch.

 

 

Auch Karin Jäger hat nach etlichen Jahren ihre „Lieblingsbäume“. Sie weiß, welche sich länger lagern lassen und welche nicht. Früher habe die ganze Familie gepflückt, Freunde noch dazu. Das werde jetzt weniger. Trotzdem nimmt sie nebenbei noch ein paar Zwetschgen mit, „einfach zum essen“. Thomas Böning und Sonja Hartung machen aus ihrer Ernteaktion regelmäßig ein Familienfest. Sie mosten selbst, „und wir machen Apfelwein“, verrät Böning: „Der gelingt am Besten, wenn man mehrere Sorten mischt.“ Das ist in Reyershausen kein Problem, auch wenn nur wenige die jeweilige Sorte genau benennen können. Der siebenjährigen Anna ist das egal, Hauptsache der Apfel schmeckt. Sie hat sogar für einen Euro ihren eigenen Baum ersteigert, zusätzlich zu den „fünf oder sechs“ Bäumen von Schwester Jule und Vater Georg Görtler. Auch er will vor allem Saft machen, „aus garantiert ungespritzten Äpfeln“. Ein paar gesammelte nehmen sie gleich mit, „für den Kuchen am Nachmittag“.

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