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Ofenrohr und Fahrradventil gibt es nur auf Bestellung

Lemke’s rollender Supermarkt Ofenrohr und Fahrradventil gibt es nur auf Bestellung

„Hier gibt es alles – außer Ofenrohre und Fahrradventile“, sagt Hermann Köwing. Und auch solche Sachen könne man bestellen, merkt Fahrer Frank Tramp an. Köwing kauft schon seit vielen Jahren bei Lemke’s rollenden Supermarkt ein.

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Weiß was die Kunden wollen: Seit über 18 Jahren fährt Frank Tramp mit Lemke’s rollendem Supermarkt durch die Region.

Quelle: Hinzmann

„In der Stadt gibt es zehn verschiedene Sorten Butter. Aber wer braucht das schon?“, fragt der 64-Jährige. Er wundere sich, warum einige Leute viele Kilometer mit dem Auto fahren, wenn sie auch vor der Haustür einkaufen können. „Das ist doch viel bequemer“, meint Köwing, während er gemütlich auf dem Gehsteig steht und mit Tramp plaudert.

„Pfandflaschen, wenn auch nicht in großen Mengen, kann ich hier auch abgeben und für meine Enkel nehme ich gerne Fußball-Sammelbilder oder Überraschungseier mit“, sagt der 64-Jährige. Am Sonnabend kommen die Kinder auch mit zum fahrenden Einkaufsladen. Meistens schenkt Tramp ihnen eine kleine Süßigkeit. „Ich stehe morgens extra eine Stunde früher auf, damit ich den Wagen nicht verpasse“, erzählt Köwing. Der einzige Wermutstropfen sei, dass Lemke’s Supermarkt nur dreimal in der Woche vorbeikomme. „Aber darauf kann man sich ja einstellen.“

Tramp fährt die Tour über Grone, Stockhausen, Niedernjesa, Reinhausen, Bremke, Ischenrode, Lichtenhagen bis nach Bischhausen und Siemerode schon seit über 18 Jahren, jeden Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Und das bei jedem Wetter. Nur im letzten Jahr musste er einige kleinere Straßen auslassen. Grund? Schnee und Eis. „Das wäre zu gefährlich gewesen“, erinnert sich Tramp. Acht rollende Supermärkte fahren unter dem Motto „Der Kaufmann vor ihrer Haustür“ durch die Region Göttingen. Der erste „Lemke’s“ startete 1975.

Seine Kunden kennt Tramp beim Namen. Schon beim Vorbeifahren grüßt er alle paar Meter Fußgänger, Radfahrer, im Garten sitzende Senioren und spielende Kinder.

„Es geht natürlich viel über das Persönliche“, sagt Tramp. 98 Prozent seien Stammkunden, da wisse man schon, was sie haben wollen. Beispielsweise welche Zeitungen. „Wenn hier eine Vertretung fährt, kann die das natürlich nicht wissen.“ Dann könne es zu kleineren Problemen kommen. „Eine Kundin bestellt immer ‘ihre Zeitungen’, welche genau das sind, weiß sie gar nicht“, lacht Tramp, während er die Klingel des Lasters erschallen lässt – das Erkennungszeichen.

Morgens um sechs Uhr beginnt Tramps Tag. Dann kommt er in der Firma an und bestückt seinen Wagen. Katzenfutter, Blumenerde oder Klamotten? Durch seine Erfahrung weiß Tramp, was seine Kunden wollen. Besonders gefragt seien frisches Gemüse und Obst. Heute hat er Erdbeeren, Spargel, Radieschen und vieles mehr an Bord. „Ich achte immer darauf, dass die Waren zusammenpassen.“ Zum Spargel hat er Schinken, frische Kartoffeln und Hollandaise-Sauce im Angebot. „Auf der Sonnabendtour stelle ich zu Erdbeeren auch häufig Tortenboden.“

Im Lastwagen ist jeder Zentimeter verplant. Einen Beifahrersitz gibt es nicht, dort sind Toilettenpapier und Blumenerde unter einem Bord mit Zeitungen verstaut. Eine Kiste mit Brötchen steht obendrauf. Und auch einige Stückchen Kuchen hat Tramp geladen. Über der Frontscheibe sind Waschmittel, Geschirrspüler und Katzenfutter, direkt hinter dem Fahrersitz über der Kasse – in die Tramp die Preise noch einzeln eintippt (ein Scanner habe sich nicht rentiert) – Zigaretten, Tee und Kaffee verstaut. Im Fond finden sich die restlichen Artikel, es sind rund 2000. Getränke, Süßigkeiten, Joghurt und Grillfleisch verkauft Tramp. Eine Wurst- und Käsetheke mit frischen Waren bildet die Rückwand des Transporters.

„Wir sind Nahversorger und liefern den Service gleich mit“, sagt Tramp. Helga Meise hat sich ein großes Paket Waschpulver ausgesucht. Das ist ziemlich schwer, also packt Tramp mit an. „Es ist kein Problem, den Einkauf eben bis zur Tür zu tragen“, meint er. Im Supermarkt könne es länger dauern, bis ein Verkäufer beratend zur Seite steht. „Ich bin gelernter Bäcker und koche für mein Leben gern, da kann man den Leuten gute Tipps mitgeben“, erklärt der 47-Jährige.

Die meisten Kunden sind älter, häufig Senioren, die keine weite Strecken wegen Nudeln, Glühbirnen oder einer Flasche Sekt fahren wollen. Eine Kundin, die nicht mehr die Stufen in den Lastwagen und damit in den Supermarkt steigen kann, reicht Tramp einen Zettel mit ihren Einkaufswünschen. „Das suche ich dann gerne zusammen und reiche die Tüte raus.“

Service reicht bis zur Haustür: Tramp trägt Tasche und Waschpulver von Helga Meise.

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Auch einige Kinder kommen zu Tramp an den Wagen. „Die kaufen dann meistens Kleinigkeiten wie Lutscher oder Bonbons.“ Nachdem ein Mädchen mit ihren süßen Errungenschaften von der Treppe gesprungen und nach Hause gelaufen ist, dreht Tramp den Zündschlüssel um und legt den Rückwärtsgang ein.

„In kleinen Straßen ist das Rangieren manchmal kompliziert“, erklärt er. Aber erstens kennt er die Maße des Wagens genau und zweitens hilft ein kleiner Bildschirm im Fahrerraum, auf dem er sehen kann, was hinter seinem Lastwagen passiert. Und schon rollt das Verkaufsmobil klingelnd in die nächste Straße.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter lemkes.info.

Von Michael Kerzel

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