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Ohne Toleranzentwicklung komatöser Zustand

Drei Fragen an die Chefärztin Suchtbehandlung der Asklepios-Klinik Ohne Toleranzentwicklung komatöser Zustand

Zwei Wochen lang hat sich ein Gefangener der JVA Rosdorf täglich drei Diazepam-Tabletten geben lassen – nach eigener Aussage, ohne sie zu schlucken. Dann will er 42 auf einmal genommen haben, um in einer Gerichtsverhandlung „ruhig“ zu sein.

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Ch. Lüdecke

Quelle: EF

Tags darauf rief er vergeblich nach einem Arzt. In der folgenden Nacht tötete er sich selbst. Jürgen Gückel sprach darüber mit der Chefärztin für Suchtbehandlung, Dr. Christel Lüdecke.

Tageblatt: Halten Sie es für möglich, dass jemand 42 Diazepan-Tabletten schluckt und das unbeschadet überlebt und vom Gericht als verhandlungsfähig angesehen wird?
Lüdecke: Ja, eine Dosis von 42 Diazepam-Tabletten kann ohne gesundheitliche Folgeschäden überstanden werden. Dabei entsprechen 400 bis 500 Milligramm Diazepam pro Tag einem Hochdosiskonsum. Verhandlungsfähigkeit ist nach Einnahme einer solchen Dosis aber als äußerst unwahrscheinlich anzunehmen.

Unterstellt, der Häftling hätte wirklich so viele der Tabletten auf einmal geschluckt: Wie wirkt sich das aus?
Das muss differenziert betrachtet werden. Besteht eine Toleranzentwicklung, also Gewöhnung an eine hohe Benzodiazepindosierung, sind Sedierung, Konzentrationsstörungen, Apathie und Störungen der Merk- und Lernfähigkeit zu erwarten. Beispielsweise würde ein solcher Mensch im Gespräch zu ständigen Wiederholungen neigen, der Redefluss wäre verlangsamt. Bei Menschen ohne Toleranzentwicklung sehen wir einen komatösen Zustand gleich einer schweren Alkoholvergiftung.

Wenn jemand nach einer so hohen Dosis weder Tabletten noch Drogenersatz bekommt, gibt es dann Entzugserscheinungen, die Suizidgedanken erklären könnten?

Hier sind unterschiedliche Szenarien denkbar und es kann sich um einen medizinisch komplizierten Sachverhalt handeln. Unter den hier geschilderten Bedingungen – mehrwöchiger Erhalt einer therapeutischen Dosis von 20 bis 30 Milligramm Diazepam und einmalige Einnahme einer Hochdosis – sind keine Entzugserscheinungen zu erwarten. Der Einsatz von Drogenersatzstoffen ist eine Behandlungsoption bei manifester Opiatabhängigkeit. Ob diese zu dem damaligen Zeitpunkt vorgelegen hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

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