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Ohrenbetäubender Schuss nach Hitlergruß

Pumpgun-Prozess geht weiter Ohrenbetäubender Schuss nach Hitlergruß

Die Ursache des Streits, der im November in einem Striplokal in Weende zu einem Schuss aus einer Pumpgun und einem Brandanschlag führte, war ein Hitlergruß auf der Bühne. Diesen Vorfall und andere bizarre Szenen breiteten gestern der Bar-Manager und eine Stripperin als Zeugen vor dem Landgericht aus.

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Sichergestellte Pumpgun

Seinen Geburtstag hatte der Hauptangeklagte, der Rechtsradikale Mario M., in der Nachtbar an der Hannoverschen Straße feiern wollen. Die Party fiel auch schon vor dem ohrenbetäubenden Schuss aus seiner abgesägten Pumpgun ziemlich wild aus. Zur Feier des Tages ließ sich das Geburtstagskind zum einen in einer erotisch gefärbten Dusch-Show einseifen, zum anderen unterzog er sich bereitwillig dem, was der Bar-Manager als „Französisch-Kurs“ einer der Tänzerinnen bezeichnete. Splitternackt und durch die oralen Wohltaten unübersehbar angeregt, sei der über und über tätowierte 34-jährige Pumpgunbesitzer sodann auf die Bühne getreten und habe, als er zweier farbiger Gäste ansichtig wurde, nun seinen Arm in die Höhe gereckt.

Das wiederum missfiel dem Bar-Management außerordentlich, wollten sich die neuen Betreiber doch gerade vom rechten Geruch des Vorbesitzers absetzen, der in seiner Finanznot versucht hatte, in seinem Etablissement Rechtsrock-Konzerte zu veranstalten. Dem Hitlergruß in Richtung der farbigen Stammgäste folgte also umgehend der Rausschmiss, der wiederum zu dem Schuss aus der Pumpgun und einer kurzen, aber heftigen Prügelei führte, an deren Ende der Hauptangeklagte und einer seiner Rechts-Kumpane schwer lädiert das Feld räumen mussten.

An das, was nun folgte, erinnerte sich eine der Tänzerinnen – blond, zierlich, Tätowierung am Poansatz – auch gestern noch mit Schrecken. Eine gute Stunde später habe die Stripperin, gleichzeitig Freundin des Managers, aus dem Inneren des Lokals beobachten können, wie Mario M. und seine Kumpane Mineralwasserflaschen zu Brandsätzen umbauten. Zwar verfehlte der erste Molotow-Cocktail sein Ziel, der zweite jedoch habe ein „Flammenmeer“ produziert, „sodass ich schreiend davongelaufen bin“.

Morddrohung?

Von deutlich größerer Bedeutung für die Wahrheitsfindung als derartige Episoden aus dem Milieu war am gestrigen Verhandlungstag die intensive Erörterung der Frage, ob Mario M. auf seinen Kontrahenten mit den Worten angelegt habe, er wolle ihn umbringen. Wie der Bar-Manager beteuerte dies zwar auch die Stripperin, in der Niederschrift ihrer polizeilichen Vernehmung hingegen findet sich jedoch davon kein Wort. 

Ob dies nun Zweifel an dem Wahrheitsgehalt der Aussagen der 26-Jährigen begründet oder einer Nachlässigkeit bei der polizeilichen Aufzeichnung geschuldet ist, soll nun die Zeugenvernehmung der aufnehmenden Beamtin klären. Eindeutig hingegen widersprachen Bar-Manager und Stripperin der Darstellung des Hauptangeklagten, er sei früher bei Streitigkeiten im Strip-lokal öfter mal als Verstärkung zugunsten des Barbetreibers eingesetzt worden – dann auch gern mal einschließlich der Überzeugungskraft der Pumpgun.

Von Matthias Heinzel

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