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Scheibenwischer, Getriebe und Benzinpumpe

Oldtimer Ausfahrt durch Göttinger Umland Scheibenwischer, Getriebe und Benzinpumpe

Ein Ford T aus dem Jahr 1914 war das älteste Fahrzeug, das am Sonnabend an der Historik Oldtimer Ausfahrt teilnahm. Die Veteranen Fahrzeug Freunde Göttingen organisierten die Veranstaltung. 70 „mobile Kulturgüter“, das jüngste ein VW Polo von 1997, legten die 170 Kilometer lange Strecke zurück.

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Unterwegs ohne Scheibenwischer, Getriebe und Benzinpumpe

Quelle: Kracht

Göttingen. Über Scheibenwischer verfügt der Ford T nicht, was Fahrten bei Regen schwierig macht. Es gibt kein Getriebe. „Ohne Schalten lässt sich das Fahrzeug, das als eines der ersten am Fließband produziert worden ist, auf 60 Kilometer pro Stunde beschleunigen“, berichtet der Besitzer. Sein Name steht zwar im Programmheft aber aus Angst vor Dieben möchte er in der breiteren Öffentlichkeit anonym bleiben.

VFFG Historik Oldtimer Ausfahrt

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Nicht einmal eine Benzinpumpe hat der simpel konstruierte und daher sehr langlebige Ford. „Bei Steigung muss ich aufpassen, dass der Motor immer genug Benzin hat“, berichtet der Fahrer, ein Arzt. Die Scheinwerfer werden mit Karbid betrieben. „Sie nehmen es mit jedem modernen Scheinwerfer auf“, betont der Oldtimer-Fan, der das Auto vor drei Jahren erwarb.

Einen repräsentativen Mercedes Benz 170 VB, Baujahr 1938, fährt Werner Gerhold aus Kassel. Ein Militärfahrzeug sei das Auto gewesen, weiß Gerhold. Offiziere hätten es genutzt. 100 Kilometer pro Stunde schaffe der Mercedes. Fast jedes Wochenden nehme er an Rallyes teil. Oldtimer sammle er seit sechs Jahren. Eine gute Geldanlage in einer Zeit niedriger Zinsen sei das. Den VB 170 besitze er auch in einer Zweisitzer-Version, die allerdings langsamer sei.

Mit einem Goggomobil aus dem Jahr 1965 ist Udo Lüdecke unterwegs. „Ich habe mir den Kleinwagen 1985 gekauft und musste ihn komplett zerlegen“, berichtet der Gladebecker Landwirt. Zwei Jahre lang habe er für das Renovieren gebraucht. Heute sorge der 13,6 PS starke Motor für eine Spitzengeschwindigkeit von 86 Kilometern pro Stunde. Lüdeckes Beobachtung: Kleine Oldtimer erregen viel größere Aufmerksamkeit als große. „Mit den kleinen Fahrzeugen können sich die Menschen eher identifizieren“, vermutet er.

„Die Menschen quieken und jubeln, wenn sie uns sehen“, bestätigt Gabriele Dietrich, die gemeinsam mit ihrem Mann in einem BMW Isetta 300 aus dem Jahr 1958 unterwegs war. Das Fahren in dem winzigen Rollermobil sei eine Herausforderung. Die Scheiben würden beschlagen. Steigungen bewältige das Auto nur im ersten Gang. Trotzdem nähmen sie den Kleinwagen im Urlaub – auf einem Anhänger – für kleine Ausfahrten mit.

Mit einem Jaguar E-Type, Baujahr 1961, wagt sich Sylvia Tönges mit ihrer Freundin Christina Lossau „in die Männerdomäne“ Rallye-Sport. Mit ihrem Mann könne sie an solchen Fahrten nicht teilnehmen, sagt Tönges. Der sei so verbissen und ehrgeizig, dass sie „dann auch gleich zum Scheidungsanwalt gehen“ könnten. Tönges schraubt nicht selbst, hört aber nach eigenen Angabe genau, ob der Ölstand stimmt oder die Zündkerzen falsch eingestellt sind.

Einen „Bauernporsche“, einen Porsche 924, Baujahr 1981, hat sich Lorenz Materne aus Bad Gandersheim mit 17 Jahren für 1500 Euro gekauft. „Mein Großvater hat mich damals begleitet“, erzählt er. Neun Jahre sei das her. Der Vorbesitzer habe den Porsche ein paar Jahre lang nicht bewegt. Entsprechend viel sei zu tun gewesen. Erfahrungen beim Schrauben habe er als Teenager an Mofas gesammelt. Später habe er Zweiradmechaniker gelernt.

Neustart nach einem Jahr Pause

Mehr als 20 Jahre lang haben Georg und Karin Bögershausen von den Veteranen Fahrzeug Freunden Göttingen die Gänseliesel-Ausfahrt organisiert. Nach einer Pause im vergangenen Jahr wagte der Verein am Sonnabend unter der Leitung von Heinrich Zwickert einen Neustart. Statt eines ganzen Wochenende einschließlich eines Galaabends gab es diesmal nur einen Tag Programm. „Die Menschen haben heute nicht mehr so viel Zeit“, meint Zwickert. Überall werde heute etwas geboten.

Wie in den Vorjahren war mit einem Bordbuch eine Strecke zu bewältigen. Zwei Schwierigkeitsstufen gab es: Sport und Touristik. Teilnehmer konnten sich für Wettbewerbe qualifizieren. Die Ausfahrt führte vom Mercedes-Benz Autocenter an der Willi-Eichler-Straße 34 nach Einbeck zum PS-Depot Lkw + Bus, wo die Teams ihre Mittagspause verbrachten. Am Nachmittag ging es über Kalefeld und Echte nach Nörten-Hardenberg, wo die Teilnehmer im Burghotel zu Abend aßen.

Kategorie Sport:

 1. Platz Dr. Rolf Tiggemann / Dr. Michael Leyhe, Bochum

 2. Platz Jürgen Kornrumpf, Langlingen / Magnus Korff, Herford

 3. Platz Andreas Lippman, Beverstedt / Paula Lippmann, Hannover

Kategorie Touristik:

1. Platz Rainer Stozenberg / Michael Stolzenberg, Dransfeld

2. Platz Rainer Schlesinger / Horst Diemer, Calden

3.  Dr. Peter Scneider / Dr. Ester Mann, Bördel

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