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Opfer der Brandstiftung in Rosdorf finden keine Wohnung

Acht Menschen, ein Hund in drei Zimmern Opfer der Brandstiftung in Rosdorf finden keine Wohnung

Andreas Bahr wollte gerade in die Badewanne steigen, als das Feuer ausbrach. Barfuß und in Unterhose rettete er sich durch den Qualm auf die Straße. Mit Atemaussetzern wurde der 50-Jährige in die Klinik gebracht. Wie er konnten sich seine Verlobte Sonja Will und die drei Kinder gerade noch retten. Das war vor sieben Wochen. Die Wohnung der Familie ist bis heute unbewohnbar – und sie finden trotz aller Mühen keine neue Unterkunft.

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Laura-Sophie, Lars-Christopher, Isabell-Sara und Sonja Will sowie Andreas Bahr mit Hund Tequilla (v.l.) in der engen Wohnung der Freunde.

Quelle: Vetter

Rosdorf. „Wir leben hier mit acht Menschen und einem Hund auf 90 Quadratmetern“, sagt Ivan Kozic. Der 40-Jährige ist ein Freund. Bei ihm dürfen die Brandopfer wohnen.

Aber es ist eng, und der Zorn auf den Vermieter, der die Leidtragenden des Feuers jetzt auch noch loswerden will, statt ihnen zu helfen, wächst. Auch auf die Gemeindeverwaltung ist Sonja Will nicht gut zu sprechen. Man werde, hatte Bürgermeister Sören Steinberg (SPD) am Abend des Feuers gesagt, die Opfer in einem Hotel unterbingen.

„Davon habe ich aus dem Tageblatt erfahren. Uns hat das niemand gesagt“, ärgert sich Will. Und auch jetzt gebe es noch keine Hilfe der Gemeinde.

Keine Ersatzwohnung angeboten

Die habe, sagt der Bürgermeister, die Familie mit Adressen versorgt, wo sie um eine neue Wohnung nachfragen können. Das Hotel-Angebot sei nur für die Brandopfer gemeint gewesen, die nicht bei Freunden unterkamen. Mit einer Schlichtwohnung für Obdachlose könne die Gemeinde derzeit auch nicht helfen, weil diese belegt seien.

Seit 15 Jahren lebt Sonja Will in der Wohnung am Spickenweg. Mietschulden habe sie noch nie gehabt. Dennoch habe der Vermieter, ein Autohändler aus Göttingen, schon vor dem Feuer versucht, sie und ihre Kinder aus der Wohnung zu bekommen.

Er habe, so behauptet die 45-Jährige, noch angesichts des Feuers in seinem Haus vor Zeugen gesagt, nun werde er die Mieter los. Tatsächlich hat der Vermieter, der etliche, angeblich auch leer stehende Wohnungen besitzt, nicht etwa eine Ersatzwohnung für die Ausgebrannten angeboten.

Aufhebungsvertrag

Er habe vielmehr einen „Aufhebungsvertrag“ präsentiert. Will habe unterschreiben sollen. Er wolle das Haus nach dem Feuer modernisieren. Wie begründet der Eigentümer, dass die Mieter auf ihr Recht verzichten sollen? „Damit uns keine Kosten entstehen, hat er gesagt.“

Doch der Hauseigentümer stellt die Sache anders dar: Alle anderen Mieter hätten sich neue Wohnungen gesucht, weil die Renovierung wegen des großen Schadens Monate dauern könne. Deshalb sei Frau Will angeboten worden, dass auch sie nicht an den Mietvertrag gebunden sei. Eine andere Wohnung, so der Vermieter, könne er selbst derzeit nicht bieten. Er wolle ja, denn Frau Will habe nie Probleme gemacht. Aber alle Wohnungen seien belegt.

Sonja Will hat nicht unterschreiben. Beim Mieterschutzbund hat man davon auch abgerraten. Vielmehr müsse der Eigentümer eigentlich für eine neue Unterkunft sorgen.

Alles versucht

Die aber hat die Familie, zu der neben Will und Bahr noch die beiden 15-jährigen Zwillinge, eine Fünfjährige und der Hund Tequilla gehören, bis heute nicht gefunden. Dabei hätten sie alles versucht: bei jeder Genossenschaft und jedem Vermieter in Rosdorf und Göttingen, der im Internet oder der Zeitung inserierte.

Einmal hatten sie ein Haus gefunden, es war nur etwas zu groß, obwohl billig. Der Vermieter habe nicht einmal gewartet, bis Will am Montag beim Amt nachfragen konnte, ob die Quadratmetergröße akzeptiert würde. Denn die Familie lebt von Hartz IV, hat einen Wohnungsberechtigungsschein, muss also alles mit den Behörden abstimmen.

Auch die Möbel müssen sich die fünf Rosdorfer neu beschaffen – nach dem Brand alles Sperrmüll. Selbst die Kleidung ist zum Teil noch in der Reinigung. So leben die sechs Brandopfer noch immer in der Wohnung von Ivan Kozic mit dessen Frau und Kind auf engstem Raum. Ein Ende ist nicht absehbar.

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