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Organspende-Prozess: Vertuschungsversuche, als Manipulationen aufgeklärt werden sollten

„Unterschrift aus dem Jenseits“ Organspende-Prozess: Vertuschungsversuche, als Manipulationen aufgeklärt werden sollten

Am 62. Verhandlungstag war der Schwurgerichtssaal wieder voll. Journalisten und Zuhörer zahlreich. Im Prozess gegen den 47 Jahre alten Leberchirurgen Aiman O. wurde plädiert. Dabei wurden im Schlussvortrag Indizien für die Schuld des Angeklagten vorgetragen, die auch jene nicht kannten, die regelmäßig zugehört hatten.

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Quelle: Pförtner/dpa

Göttingen. Ein Teil des Stoffs, der sich auf zwei Aktenwagen im Saal türmt, wurde den Prozessbeteiligten im Selbstleseverfahren zugänglich. Darunter eine „Unterschrift aus dem Jenseits“.

So hat Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff einen Vorgang genannt, mit dem offenbar versucht worden war, die Aufklärung der Manipulationen bei der Organvergabe zu verhindern. Ob durch den Angeklagten selbst, ist unbewiesen. Nutzen aber sollte es ihm offenbar.

So war im Fall eines arabischstämmigen Patienten am 11. August 2012, als die Ermittlungen gerade anliefen, ein Brief bei der Universitäts-Medizin eingegangen. Darin verlangte der Patient selbst, dass die ihn betreffenden Krankenunterlagen aus Datenschutzgründen auf keinen Fall herausgegeben werden sollten.
Allerdings: Da war der Briefschreiber schon zehn Wochen tot, seine Unterschrift offensichtlich gefälscht – eine „Unterschrift aus dem Jenseits“ eben.

Beweise für einen zweiten Vertuschungsversuch nannte die Anklägerin: Sie zitierte einen Oberarzt, der ausgesagt hatte, er sei nach Bekanntwerden erster Verdachsmomente vom Angeklagten aufgesucht und gebeten worden, Dialyseprotokolle nachträglich zu erstellen. Das habe er abgelehnt. Bei diesem Patienten waren später tatsächlich aber Protokolle für nie vorgenommene Dialysen aufgetaucht – offensichtlich gefälscht, denn sie trugen das Datum der Erstellung, Oktober 2011, als ein erster Verdacht gegen den Angeklagten bekannt wurde. Die Fälschungen waren nachträglich in Patientenakten gelangt.

Am Montag hat nach sechs Stunden engagierten Schlussvortrags der Anklägerin auch der Nebenklagevertreter plädiert. Steffen Hörning warf dem Angeklagten vor, „von Beginn an jeden eigenen Fehler beiseite geschoben“ zu haben. Kein Wort des Bedauerns, stattdessen selbst während des Plädoyers vielfaches „höhnisches Grinsen“, auch von den Verteidigern. Der Nebenklagevertreter, der Ehefrau und zwei Töchter eines nach Lebertransplantation Gestobenen vertritt, erinnerte: „Es geht hier um Menschen, die gestorben sind.“ Am Mittwoch ab 9 Uhr plädiert die Verteidigung des angeklagten Leberchirurgen.

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