Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
„Die andere Seite der Organspende“: Tagung in der Freien Waldorfschule

„Das war in einer Schocksituation“ „Die andere Seite der Organspende“: Tagung in der Freien Waldorfschule

Laut Umfragen befürworten zwar knapp drei Viertel der Deutschen die Organspende. Aber auch aufgrund der Organspendeskandale in den vergangenen Jahren mehren sich die kritischen Stimmen. In der Freien Waldorfschule richtete der Offene Initiativkreis Göttingen am Sonntag die Tagung „Die andere Seite der Organspende“ aus.

Voriger Artikel
Tag der offenen Tür: Helios-Albert-Schweitzer-Klinik in Northeim
Nächster Artikel
15. Auflage des Martinsmarkts Eddigehausen

Sprechen in Göttingen über ein schwieriges Thema: Gebhard und Renate Focke mit Dr. Regina Breul (v.l.).

Quelle: Heller

Göttingen. In unterschiedlichen Vorträgen vor etwa 100 Zuhörern wurde die Organspende kritisch dargestellt.

Einer der Hauptkritikpunkte: Der Hirntod, dessen Feststellung für die Organentnahme notwendig ist, sei kein richtiger Tod. Das sehen auch Renate und Gebhard Focke so. Die beiden pensionierten Lehrer haben vor Jahren der Organentnahme bei ihrem bei einem Verkehrsunfall verunglückten Sohn zugestimmt – ein Fehler, wie sie heute sagen. „Das war in einer Schocksituation“, sagte Gebhard Focke. „Uns wurde da eine Verantwortung auferlegt, die wir nicht tragen konnten.“

„Kritische Aufklärung Organspende“

Sie fühlten sich von Ärzten und Pflegepersonal zu der Spende gedrängt. Auch habe es deswegen keine richtige Möglichkeit des Abschiednehmens gegeben. „Wir konnten ihn im Prozess des Sterbens nicht begleiten. Er soll zwar hirntot gewesen sein, aber sein Leben wurde erst bei der Organentnahme durch Säge und Messer beendet.“

Die Fockes engagieren sich seither in dem Verein „Kritische Aufklärung Organspende“ und sind entschiedene Gegner der Organspende geworden. Für sie stellt die Organspende mittlerweile eine Entwürdigung des menschlichen Körpers dar. So wie die Fockes denken viele Menschen, die die Veranstaltung besuchten.

Demgegenüber warten in Deutschland aber etwa 12 000 Menschen auf ein rettendes Organ. Für Gebhard Focke ist das allerdings kein Grund, seine Einstellung zur Organspende zu ändern.

Von Benni Köster

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Thema des Tages: Steinträume aus der Toskana