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Orgel nach 60 Jahren vollendet

Christuskirche in Göttingen Orgel nach 60 Jahren vollendet

Nach 60 Jahren erklingt die Orgel in der Christuskirche demnächst erstmals so, wie sie ursprünglich gedacht war. Bislang war sie nur ein Provisorium - jetzt ist das Instrument ausgebaut worden.

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Die neue Orgel

Quelle: HW

Göttingen. 1952/53 war die Christuskirche nach einem Entwurf des Architekten Diez Brandi als erster evangelischer Kirchenbau in Göttingen nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. 1956 erhielt die Kirche eine Orgel von der überregional bedeutenden Göttinger Werkstatt Paul Ott.

Das Instrument sei für die damalige Zeit sehr großzügig angelegt gewesen, schreibt der Orgelbauer und ehemalige Orgelsachverständige der hannoverschen Landeskirche, Hans-Ulrich Funk, in der Festschrift. Jedoch sei nur ein Teil der Planung tatsächlich ausgeführt worden: „Die Orgel war und blieb 60 Jahre lang bis zuletzt ein Torso.“ Immer wieder gab es Vorstöße, die fehlenden Teilwerke zu ergänzen, und immer wieder scheiterten die Versuche an Kostengründen.

Nach der Fertigstellung des Haupt- und Pedalwerks 1956 sei die Orgel gebrauchsfähig gewesen und habe den liturgischen Anforderungen im Gottesdienst genügt, schreibt Dr. Andreas Brandt, Organist der Kirchengemeinde. Der weitere Ausbau sei nicht verfolgt worden: „Über lange Zeit hat niemand in der Christusgemeinde geglaubt, dass diese Bauruine noch jemals vollendet werden würde.“ Rund die Hälfte der Orgelliteratur sei auf dem bisherigen Instrument nicht spielbar gewesen, erklärt Brandt - „und zwar gerade die farbigeren, differenzierteren, abwechslungsreicheren Stücke“.

Doch nun konnte die Orgel doch noch vollendet werden. Zum einen gab es durch den Verkauf des Pfarrhauses und Zuschüsse von Kirchenkreis und Landeskirche die Möglichkeit, einen Großteil der Kosten zu decken. Zum anderen konnten alle fehlenden 16 Register beziehungsweise 1015 Pfeifen kostengünstig gebraucht besorgt werden, sodass die Gesamtkosten bei rund 140000 Euro lagen.

Die Orgelbauwerkstatt Bosch aus Kassel erhielt im Frühjahr 2016 den Zuschlag für die Reinigung, Restaurierung und Erweiterung der Ott-Orgel. Die Restaurierung der zum Teil sehr alten erworbenen Orgelpfeifen und die vorbereitende Intonation fast aller bereits in der Orgel vorhandenen Register erfolgte in Funks 2015 gegründeter Orgelwerkstatt. Bei der Restauration und Intonation der hinzugekommenen Pfeifen sei ein besonderer Wert darauf gelegt worden, dass sich diese dem bereits vorhandenen Klanggut organisch anpassen, so Funk. Mit der nun vollständig ausgebauten Orgel erhielten die Gemeinde und die Stadt Göttingen „ein weiteres stattliches und qualitätsvolles Instrument“. Mit der Fertigstellung der Orgel werde auch das Schaffen eines der profiliertesten Orgelbauer des 20. Jahrhunderts posthum gewürdigt. Die Gemeinde freue sich unheimlich auf die sanierte und erweiterte Orgel, sagt Nicole Nikolaus vom Kirchenvorstand.

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