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Knöllchen-Horst: „Verstehe mich nicht als Denunziant“

Tageblatt-Interview mit Horst Nilges Knöllchen-Horst: „Verstehe mich nicht als Denunziant“

Er ist bundesweit bekannt geworden als Knöllchen-Horst. In 41 000 Fällen hat Horst Nilges aus Badenhausen bei Osterode  Falschparker oder andere Ordnungswidrigkeiten angezeigt. Die Reaktionen der Angezeigten und sein Widerspruch gegen Veröffentlichungen in Presse, Funk und Fernsehen füllen Bände. Das Tageblatt fragt ihn nach seinem Motiv für all den Streit.

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Quelle: GT

Allein bei der Staatsanwaltschaft Göttingen gingen in den letzten zehn Jahren 522 Strafanzeigen und sonstige Eingaben von ihm ein. Als Frührentner – er war Bergbau-Ingenieur in Goslar – ist der 61-Jährige inzwischen juristisch versiert. Ein Foto von sich will er auf keinen Fall veröffentlicht wissen.

Sie haben 41 000 Ordnungswidrigkeits-Anzeigen erstattet. Warum machen Sie das?
Ordnungswidrigkeiten sind Verstöße gegen unsere Rechtsordnung, wie zum Beispiel auch Sachbeschädigungen. Wenn ich 41 000 Sachbeschädigungen angezeigt hätte und Sie befänden sich unter den Geschädigten und könnten sich deshalb am Täter schadlos halten, würden Sie mir diese Frage sicher nicht stellen.  

Glauben Sie nicht, dass Kontrolle eher Aufgabe der Kommunen wäre?
Stimmt, aber ich habe bereits mehrfach erklärt, dass ich nicht kontrolliere, sondern lediglich Ordnungswidrigkeiten anzeige, die mir als Verkehrsteilnehmer auffallen. 

Müssen Sie angesichts einer Ordnungswidrigkeit reagieren oder können Sie auch einfach mal nur wegschauen?
Ich unterliege keinem Zwang und zeige bei Weitem nicht alle mir tatsächlich auffallenden Verstöße an.

Viele halten Ihr Verhalten dennoch für zwanghaft. Können Sie das nachvollziehen?
Nein, allerdings haben in dieser Gesellschaft offensichtlich viele das Bedürfnis, eine Begründung für das Verhalten anderer zu erfinden. 

Es gibt Stimmen, die nennen Sie einen Denunzianten. Was antworten Sie denen?
Ich verstehe mich nicht als Denunziant. Ich zeige nicht anonym an. Anonym erfolgen jedoch die allermeisten Kommentare im Internet zu den Medienberichten über Knöllchen-Horst. Nach der Logik derer, die mich für einen Denunzianten halten, wäre dann wohl jeder ein Denunziant, der zum Beispiel der Polizei Hinweise zu Rechtsverstößen zukommen lässt. Aus Sicht der Täter durchaus nachvollziehbar.

Ihr Verhalten geht durch alle Medien. Sie reagieren auf jede Unkorrektheit mit Anzeige oder Klage, was wieder zu Berichten führt. Warum nehmen Sie nicht einfach mal hin und haben dann Ihre Ruhe?
Ich gehe mit meinem Mitmenschen korrekt und rechtmäßig um, und das erwarte ich im Gegenzug auch von denen – Medien einbezogen.

Oder genießen Sie die Aufmerksamkeit vielmehr?
Das wurde mir auch oft unterstellt, ist aber Unfug.

 Interview: Jürgen Gückel

Opfer von Retourkutschen?
Horst Nilges löst nicht nur viele Ermittlungsverfahren aus, auch er wird gelegentlich angezeigt. Sechs Anklagen hat die Staatsanwaltschaft Göttingen gegen ihn im Laufe der Jahre erhoben. In allen Fällen, so Nilges, habe es sich um "Retourkutschen" der von ihm angezeigten Falschparker gehandelt. In vier Fällen sei er freigesprochen worden, einmal wurde das Hauptverfahren gar nicht erst eröffnet, nachdem er Stellung bezogen habe, und in einem  Fall sei er tatsächlich zu einer Geldstrafe wegen falscher Verdächtigung verurteilt worden. Den Schuldspruch im Jahr 2007 freilich hat Nilges nicht auf sich sitzen lassen wollen und den Belastungszeugen wegen Meineides sowie einen weiteren Zeugen wegen Falschaussage vor Gericht angezeigt. Damit kam er allerdings nicht durch. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren gegen die Zeugen ein.     ck
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