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Pärchenbildung bei den Feuerwehren

Bedarfsplan fordert Zusammenschlüsse Pärchenbildung bei den Feuerwehren

Das könnte, stellt Claus Lange in Aussicht, „ein in Niedersachsen bisher einmaliges Projekt“ werden, eines mit Modellcharakter für alle Gemeinden im ländlichen Raum – wenn seine Vorschläge angenommen würden. Claus Lange ist Feuerwehr-Chef in Hannover. Leiter der Berufswehr. Und er ist spezialisiert auf Feuerwehrbedarfspläne.

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Wer koordiniert die Einsatzfähigkeit der Friedländer Wehren, wie hier bei einer Übung am A38-Tunnel? Ein Feuerwehrbedarfsplan.

Quelle: Heller

Friedland. Der Gemeinde Friedland hat er einen Plan vorgelegt, den mancher Feuerwehrmann als Zumutung ansehen könnte: Fast alle freiwilligen Ortswehren sollen sich mit einem Partner zusammentun.

Entstanden ist der Plan, weil das Innenministerium der Gemeinde ein neues Spezialfahrzeug für die Tunnelrettung finanziert hat und darauf bestand, die Einsatzfähigkeit aller Wehren in der Gemeinde zu überprüfen. Der Bericht der Polizeidirektion erbrachte teils ernüchternde Ergebnisse. Die Politik beauftragte daraufhin Lange mit dem Bedarfsplan.

Der stell fest: Insgesamt sind die Wehren gut aufgestellt, die Alarmpläne seien ausgeklügelt und trügen auch der Tatsache Rechnung, dass nicht jede kleine Wehr hinreichend besetzt ist. Gerade die  kleinen Wehren sind teils so schwach (weniger als 20 Aktive), dass sie nicht einmal ihr eigenes Fahrzeug mit genügend Personal (vier Atemschutzgeräteträger) besetzen können.

Konkret heißt das: Die Wehren Deiderode, Elkershausen, Niedergandern, Reckershausen, Stockhausen und Ludolfshausen seien allein nicht einsatzfähig. Langes Vorschlag: Sie gehen mit noch hinreichend schlagkräftigen Partnern zusammen: Deiderode mit Mollenfelde, Elkershausen mit Klein Schneen, Ludolfshausen mit Lichtenhagen, Reckershausen mit Niedergandern, Stockhausen mit Ballenhausen. Die größere Wehr würde bis 2020 mit wasserführenden Löschfahrzeugen ausgerüstet, die kleineren jeweils mit einem Mannschaftswagen. Einzig Niedernjesa und Reiffenhausen blieben allein bestehen.

Daneben stehen die beiden Stützpunktwehren, die beide darunter leiden, dass ihre Gerätehäuser „suboptimal“ seien – also völlig unzureichend. In der Gemeinde ist das erkannt, ein Neubau für Friedland ist geplant. Für Groß Schneen sind An- und Umbauten nötig. Lange schlägt deshalb vor, darüber nachzudenken, beide als jeweils eigenständige Feuerwehr in einem gemeinsamen Neubau unterzubringen. Andernfalls würde man die „Zweigleisigkeit auf 30 Jahre zementieren“. Es ergäbe „Optimierungspotenzial“ und würde bei der Finanzierung der Geräteausstattung – immerhin 805 000 Euro bis 2020 – helfen.

Angestrebte Einsatzzeiten

Weil es in Niedersachsen keine gesetzlich festgelegten Einsatzzeit-Vorgaben gibt (anders als in Hessen), können Kommunen in ihren Feuerwehrbedarfsplänen diese Zeiten selbst festlegen.

Für den Friedländer Plan wird von folgenden Zeiten ausgegangen: Die erste Feuerwehreinheit muss im Brandfall zehn Minuten nach der Alarmauslösung vor Ort sein. Die zweite Einheit nach weiteren fünf Minuten. Im Detail heißt das: In der Regel wird ein Notruf 3,5 Minuten nach Entstehung eines Feuers ausgelöst.

Weitere 1,5 Minuten werden der Einsatzleitstelle vor Alarmauslösung zur Disposition zugestanden. Zwei Minuten Dispositionszeit werden auf Seiten der freiwilligen Feuerwehren gerechnet. Es bleiben vier Minuten Ausrückezeit (Weg des Feuerwehrmannes zum Fahrzeug) und maximal weitere vier Minuten Anfahrt zum Feuer.

 
► Kommentar: Eigen- oder Gemeinsinn?
Jürgen Gückel

Jürgen Gückel

Quelle:

Das klingt klug, was der Feuerwehrbedarfsplan da entwickelt. Es ist nur ein Vorschlag, aber die kleinen Friedländer Wehren wären gut beraten, zu folgen und  sich zusammenzuraufen. Die Zeiten werden nicht besser, der Nachwuchs wird nicht zahlreicher und der Gemeinsinn, der sich im kollektiven Schutz von Hab und Gut ausdrückt, wird nicht wieder Konjunktur bekommen.

Wichtiger noch: Vor Grundsteinlegung des Feuerwehrhauses in Friedland, also vor ersten Fakten aus Beton, muss die Politik noch einmal  über die Zukunft der beiden Stützpunktwehren nachdenken, die beide Raumbedarf haben und die beide von einem gemeinsamen Neubau, von Ausbildungs- und Tagungsräumen, Synergieeffekten bei Gerät und Fahrzeugen bis hin zur Waschhalle profitieren würden – und die kleinen Wehren profitierten von einem Feuerwehrzentrum ebenso.

Denn was sollte das andernfalls für ein Signal sein für die Kleinen? Sie sollen zusammengehen, gar die Eigenständigkeit aufgeben. Aber die beiden großen Wehren in Friedland und Groß Schneen schaffen es trotz bleibender Eigenständigkeit nicht, sich unter einem Dach zusammenzuraufen, obwohl ihnen ein Neubau mit allen Vorteilen winken würde? Wo bliebe bei so viel Eigensinn der Gemeinde-Gemeinsinn?

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